Die Villa Wessel zeigt Herbert Zangs

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Inspiriert vielleicht von Yves Kleins „Anthropometrien“: Eine Arbeit von Herbert Zangs ohne Titel (1960).

Von Marion Gay ISERLOHN - Blaue Streifen durchziehen das Blatt. Mal verdickt die Farbe zu den Rändern, klumpt, wird dann wieder fast transparent. Die Papierarbeit (1957) von Herbert Zangs erinnert an traditionellen Blaudruck. Entstanden ist sie in Falttechnik, so dass sich die Farbe praktisch spiegelt. Das Bild gehört zur beeindruckenden Retrospektive des Krefelder Künstlers (1924–2003) im Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn. Rund 25 Werke sind zu sehen, entstanden zwischen 1950 und den frühen 80ern.

Zangs, der 1977 an der documenta teilnahm und zahlreiche Preise erhielt, studierte nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei Ewald Mataré und Otto Pankok. Zu seinen Kommilitonen zählten Joseph Beuys und Günter Grass, der ihm später in der „Blechtrommel“ ein literarisches Denkmal setzt. Zangs Frühwerk ist geprägt vom expressiven Realismus, bevor er in den 50er Jahren sein experimentelles und eigenständiges Werk entwickelt, das sich zwischen Informel, Arte Povera und Minimal Art bewegt, sich aber keiner Kunstströmung zuordnen lässt.

Ab 1952 entstehen die „Verweißungen“, mit weißer Farbe übermalte Collagen und Assemblagen aus Alltagsgegenständen. So die Holzschachtel, die aufgeklappt und weiß übermalt wie ein sakrales Tafelbild wirkt (1955). Verweißungen ziehen sich durch das Werk: Die übermalte Zeitungsarbeit, bei der einzelne Buchstaben und Teile von Fotografien durch das Weiß brechen, stammt von 1981.

Eine eigene Werkgruppe bilden die „Einknüpfungen“ von Materialien wie Kieselsteine und Korken in Sackleinen oder Baumwolltücher. In die große „Knüpfung“ von 1953 sind 25 Weinkorken eingenäht. Dadurch ergeben sich geometrische Strukturen im Leinen, die an Waben oder Pflanzliches erinnern.

Eine andere Werkgruppe sind die „Rechenzeichen-Collagen“, gearbeitet mit Karton und weißer Farbe auf Wellpappe. So hat Zangs bei einer Arbeit von 1953 Zeichen wie „Plus“, „Minus“ und „Mal“ aus weißer Pappe geschnitten, die Schablonen auf weißstrukturierten Karton montiert. Knicke, Flecken und Risse lassen das Ganze wie zufällig erscheinen. Zangs schätzte die Rechenzeichen wegen ihrer grafischen Qualität.

Als Reaktion auf Jackson Pollocks Action Painting experimentiert Zangs, der in den 60er Jahren in New York lebte, mit getropfter oder gegossener Farbe, etwa in einer Arbeit von 1956, wo weiße Lackfarbe Strukturen auf mattweißem Untergrund ergibt. Während hier der Zufall über das Werk entscheidet, haben die Reliefstrukturen ab 1956 einen geplanten Rhythmus. Bei den „Scheibenwischer-Reihungen“ verteilt Zangs die meist blaue Farbe mit dem Scheibenwischerblatt. In der Arbeit von 1957 wirken die Streifen wie Wasser, manchmal perlen Tropfen.

Interessant auch die großformatige Arbeit (ohne Titel) von 1960. Die schwarzen Formen erinnern an Abdrücke menschlicher Formen, gleichzeitig auch an Insekten oder Pflanzen. Vermutlich reagiert Zangs hier auf die „Anthropometrien“ von Yves Klein, die 1960 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Bis 2.11.; di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr;

Tel. 02371/14238

www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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