Konzert in der Lanxess-Arena

Rapper Jay Z macht Tourstopp in Köln

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KÖLN - Jay Z ist ein echter Tausendsassa. Er ist Musikproduzent, leitete das Plattenlabel Def Jam Records, betreibt Clubs, besitzt eine eigene Modefirma, ist Miteigentümer eines Basketballteams und, ach ja, nebenbei ist der 43-jährige New Yorker auch noch Rapper.

Von Tim Griese

Im Auftrag der Musik ist der mit Grammys überhäufte Ehegatte von Sängerin Beyoncé Knowles derzeit auf großer Welttournee unterwegs, und stoppt auch in der Kölner Lanxess-Arena. Anlass ist das in diesem Jahr erschienene und mittlerweile insgesamt zwölfte Solo-Album des Künstlers, "Magna Carta... Holy Grail".

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Rapper Jay Z in Köln

Mit dem Longplayer ist er gleich an die Spitze der US-Charts gesprungen, in Deutschland hat es immerhin für einen Top-Ten-Platz gereicht - und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Halle in Köln mit rund 13.000 Fans sehr gut gefüllt ist.

Die warten natürlich auf die großen Hits. Alle schaffen es nicht in die Setlist, gelten doch viele Jay-Z-Platten mittlerweile als Hip-Hop-Meilensteine. Da fällt die Auswahl schwer. Vor allem ganz frisches Material wummert aus den Boxen von der Bühne herunter, auf der ein gerüstgleiches Gestell aufgebaut ist, auf dem sich auf verschiedenen Ebenen die Mitmusiker tummeln.

Einer von ihnen ist Timbaland, selbst Rapper und weithin bekannter Produzenten-Guru. Als Jay Z ein Päuschen einlegt, um nach Luft zu schnappen, darf sich sein 41-jähriger Freund und Kupferstecher beatboxend an Loop-Station und Synthesizer austoben und Material aus seinem demnächst zu veröffentli-chenden neuen Album vorstellen.

Davor und danach hat Jay Z das Heft fest in der Hand. "Dirt Off Your Shoulder", das sich mittlerweile uralt anfühlende "Hard Knock Life (Ghetto Anthem)" und "Holy Grail", die erste Single des aktuellen Albums, gehören zu den zahlreichen Nummern, die vom Publikum frenetisch gefeiert werden. Im Original wird Jay Z beim Song, der sich im Refrain bei Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" bedient, von Justin Timberlake unterstützt. Der ist natürlich nicht da, genauso wenig wie andere Kollaborateure wie etwa Alicia Keys, mit der er "Empire State of Mind" einspielte, oder Popsternchen Rihanna. Gemeinsam veröffentlichten sie den Song "Run This Town". Alle ihre Stimmen kommen aus der Konserve, was der Stimmung aber nicht schadet.

Ganz im Gegenteil: Jay Z wird wie ein Hip-Hop-Messias gefeiert, die Fans huldigen ihm mit tosenden Schlachtgesängen, vor allem dann, wenn der Rapper, der mit üppigem Goldkettenschmuck und Baseballkappe das Hip-Hop-Klischee in Perfektion bedient, ganz in seiner Zungenakrobatik aufgeht. Da glänzt ein breites Grinsen in seinem Gesicht. "Ihr seid das lauteste Publikum auf der ganzen Tour", lobt Shawn Corey Carter, wie Jay Z im realen Leben heißt, sein Gefolge - und er geht noch weiter: "Egal, wie viele Millionen Platten ich verkauft habe, das wichtigste ist, in diesem Moment hier bei Euch zu sein."

Bei "Niggas in Paris" beschwört der Rapper im Innenraum mehrfach das Bilden eines großen Kreises, der sich, sobald Jay Z zu rappen beginnt, durch wild umherspringende Menschen schließt. Da geht es zu wie bei einem Heavy-Metal-Konzert. Pogo zum Rap, das ist mal etwas anderes.

Von den Tribünen wird fleißig mit Handykameras mitgefilmt. Die Videoflut auf Youtube ist garantiert. Überhaupt hat der geneigte Kölner Hip-Hop-Fan eine enge Bindung zu seinem Mobiltelefon. Noch bevor Jay Z den ersten Schritt auf die Bühne macht, sind die Geräte gezückt. Auch beim abschließenden "Young Forever" schimmert das ganze Rund im gleißenden Licht der Displays - und kommt für einen ganz kurzen Moment zur Ruhe, während die Beine zittern und der Schweiß unaufhaltsam auf den Hallenboden tropft.

Quelle: wa.de

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