Video- und Medienkunst in der Kunsthalle Münster

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Bildwand mit Politbotschaft: Sasa Karalics Arbeit „It’s so nice that we dont have to talk about politics any more“ ist in Münster zu sehen.

Von Marion Gay MÜNSTER - Am Boden das Bild eines halben Autos mit Pfütze. Dann ein Geräusch, eine schnelle Bewegung und ein anderes Bild, vielleicht ein Fahrradreifen mit einem Stück Straße. In Johanna Reichs Videoarbeit „fleeting glimpse – Street“ (2009) wird eine auf dem Boden liegende Kamera durch mehrere Straßen bis zum Park gekickt. Jeder Stoß bringt neue zufällige Stadtansichten in ungewohnter Perspektive.

Die Kunsthalle Münster präsentiert die Ausstellung „One of us cannot be wrong“ im Rahmen des Münsteraner Filmfestivals. Zu sehen sind sechs Positionen zeitgenössischer Video- und Medienkunst sowie eine „historische“ Videoarbeit von Lutz Mommartz aus dem Jahr 1972. Die Arbeiten beschäftigen sich mit den Auswirkungen und Rückbezügen des digitalen Mediums auf Skulptur, Raum und Performance.

So zeigt Sascha Pohle aus Düsseldorf in seinem fünfteiligen Stummfilm „Statues also die“ (2011) meist geometrische weiße Formen auf schwarzem Grund. Es handelt sich dabei um Verpackungsmaterialien elektronischer Geräte, die in Nahaufnahme und umgeben von schwarzem Nichts fremd und geheimnisvoll wirken. Die Bilder verraten nichts über Material oder Größe, und so könnten es Skulpturen oder archäologische Fundstücke sein. Manche Formen erinnern sogar an afrikanische Masken, Totems oder präkolumbianische Statuen.

Irritierend auch das Video „The Guest“ (2012) der in Seoul geborenen Ruda Yi. Die Arbeit entstand aus einer Performance und zeigt die Künstlerin in einem leeren weißen Raum. Besucher kommen und suchen nach Kunstwerken, nicht wissend, dass sie selbst zum Kunstobjekt werden, indem Yi sie in Bewegung und Mimik imitiert.

Den Blick auf Skulpturen im öffentlichen Raum lenkt die Videoarbeit „Denkmäler“ (1972) von Mommartz. Wie in einer Reisereportage fängt die Kamera Bilder ein von bronzenen Reitern, auf Sockeln thronenden Soldaten und anderen Statuen und erklärt Entstehungszeit sowie geschichtliche Zusammenhänge. Unterlegt mit Marschmusik, werden militärische Bezüge plötzlich überdeutlich. Mit jedem gezeigten Denkmal wächst das Unbehagen. Erst recht, wenn der Künstler Afrikaner neben Statuen aus der Zeit des Kolonialismus posieren lässt.

Politisch auch die wandgroße Videoprojektion „It‘s so nice that we don’t have to talk about politics any more“ (2013) von Sasa Karalic. Der aus Bosnien stammende Künstler lebt heute in Amsterdam. Sein Film zeigt eine inszenierte Performance in den Niederlanden. Eine Gruppe aus 30 Personen wiederholt Slogans wie „Alle, die unterdrückt werden, sind in den Niederlanden willkommen“, „Wir mögen Künstler“ oder „Wir haben uns im zweiten Weltkrieg tadellos verhalten“. Für die Ausstellung in Münster konzipiert der Künstler gerade ein deutsches Äquivalent.

Bis 31.10., di – fr 14 – 19, sa/so 12 – 18 Uhr, Tel. 0251/ 4924100,

www. muenster.de/stadt/ausstellungshalle

Quelle: wa.de

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