Vampire Weekend im Kölner E-Werk

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Sänger und Gitarrist Ezra Koenig spielt mit der Band . - Foto: Zöllner

Von Frank Zöllner KÖLN - Coole Weltmusik-Hipster oder schlaumeierisch-bildungsbürgerlich auftretende Schnösel? Geht man nach dem Publikum beim ersten von vier Klubkonzerten der New Yorker Band Vampire Weekend im nicht ausverkauften E-Werk, scheinen solcherart Diskussionen obsolet.

Junge Studentinnen verzichten auf den weihevollen Gestus des Kopfnickens und folgen dem bunten Treiben ebenso tanzend wie ältere Fans, die wohl über Quervergleiche zu den Talking Heads und Paul Simon in seiner „Graceland“-Ethnophase zu dem Quartett gefunden haben.

Denn die Band um Sänger und Gitarrist Ezra Koenig, seinem multi-instrumentalen Mit-Songschreiber und Sound-Arrangeur Rostam Batmanglij, Drummer Chris Tomson sowie Bassist Chris Baio weiß durch lässigen Indie-Pop zu begeistern, der den Fans direkt in die Beine geht. Als die Band vor fünf Jahren ihr namenloses Debüt-Album veröffentlichte, bezeichneten sie ihren intensiven und eingängigen Klang als „Upper West Side Soweto“.

Der kommt immer wieder in dem 80-minütigen Set der multi-kulturell zusammengesetzten Gruppe durch. Etwa im energischen und von einem Afrobeat getragenen, Peter Gabriel feiernden „Code Cod Kwassa Kwassa“. Oder im Ska-lastigen „A-Punk“. Den Auftakt machten Ezra Koenig und seine Mitstreiter mit „Cousins“ vom zweiten Album „Contra“. Das war in der Heimat USA genauso ein Nummer 1-Album wie das aktuelle Werk „Modern Vampires Of The City“. Und da sie auch in Großbritannien angesagt sind, traten sie am vergangenen Wochenende in England beim Glastonbury-Festival auf. In Deutschland sind ihre Konzertsäle da noch ein wenig intimer.

Mit dem neuen Werk ist eine Neudefinition des eigenen Klangkosmos der New Yorker einhergegangen – weg vom weltmusikalischen Ansatz hin zu mehr westlichen Musikstandards. Die Umsetzung dieses komplexen Stilmixes setzen die vier Musiker akustisch einwandfrei um. Das großartige „Step“ ist von einem treibenden, lässigen Westküsten-Hiphop-Rhythmus getragen. Und „Diane Young“ – gesungen klingt es wie „dying young“ (jung sterben) – erinnert an den Rockabilly-Klang eines Elvis Costello und behandelt ironisch das Leben der Upper Class. In dem tragischen Lied geht es um ein junges Mädchen, dass „das Glück eines Kennedys“ hat. Ohnehin handeln die meist romantisch-poetischen Texte von reichen Töchtern, Diplomatensöhnen, Elite-Unis wie in „Oxford Comma“ oder Klamotten von Louis Vuitton.

Das Bühnenbild wirkt wie eine Tapete mit riesigen Rosen und einem gold-gerahmten Spiegel und macht aus dem Klub eine Art elegant-barocke Hotel-Suite. Dazu passt der lässige Kleiderstil der Band, geprägt von einfarbigen, langärmligen Hemden. Die Ex-Studenten begeistern ihre Fans mit einer raffinierten Rezeptur aus rasantem Indie-Rock, Weltmusik und schlauen Texten. Zum Ende des Konzertes wird es nach den schnell gespielten Songs mit dem von Koenig wie von einem alten Crooner vorgetragenen „Obvious Bicycle“ und der Ballade „Hannah Hunt“ romantisch-besinnlich. Den Abschluss bildet mit „Walcott“ ein Song vom ersten Album – natürlich – über das Leben eines reichen Burschen. „Ein traditioneller Vampire Weekend-Abschluss“, sagt Ezra Koenig, der sich damit auch als Mitglied der gehobenen weißen Mittelklasse zeigt, und in deren Kreisen sind eben Rituale ein fester kultureller Bestandteil.

Quelle: wa.de

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