US-Punker Blink-182 gastieren in Essen

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Ein Sprachrohr der US-Band Blink-182 beim Essener Konzert: Bassist Mark Hoppus ▪

Von Tim Griese ▪ ESSEN–Wer die Bandhistorie der US-Pop-Punker Blink-182 kennt, der wird das Gefühl nicht los, die Jungs aus Kalifornien hätten ein Talent fürs Zuspätkommen. Als sie Mitte der 90er Jahre ihre ersten Platten veröffentlichten, hatten Bands wie Pennywise oder NOFX das Genre längst massentauglich gemacht. Im vergangenen Sommer wurde aktuelle Album nicht fertig. Die Folge waren Konzertabsagen, darunter der Termin in der Essener Grugahalle. Jetzt stand das Trio dann doch auf der Bühne. Mit einjähriger Verspätung.

Über die Planungspanne fällt kein Wort. Zu sagen haben Bassist Mark Hoppus und Gitarrist Tom DeLonge, die Sprachrohre der Band, aber viel. Auch, wenn es nur Blödsinn ist. Eigentlich geht es immer um das eine: das Gefummel von Männlein und Weiblein. Vielleicht ganz gut, dass sie so nuscheln und die Zuhörer nur die Hälfte verstehen.

Als Grund für die Tourabsage gab die Band auf ihrer Webseite an, sie wollte mit neuem Material und nicht erneut mit einer Best-Of-Tour unterwegs sein. Songs vom aktuellen Longplayer „Neighborhoods“ gibt es tatsächlich. Die Nummern, die Jubelstürme auslösen, sind jedoch die älteren Stücke, angefangen von „Damnit“ (1997), „Dumbweed“ (1999) über die Klassiker „All the Small Things“ und „What's My Age Again“ bis hin zu „The Rock Show“ (2001). „Wo sind die Mädchen?“ ruft DeLonge zwischendurch und kündigt mit „I Miss You“ ein wenig Abwechslung vom knüppelnden Punkrock an. Mehr Zeit zum Kuscheln bleibt abgesehen von „Always“ nicht. Das Trio mag‘s schneller und auch mal ungewöhnlich: Das rund 40-sekündige „Happy Holidays, You Bastard“ spielen Blink-182 in völliger Dunkelheit. Ebenso ausgefallen wie die Musiker ist auch die Show. Gleißende Spots flackern durch die Grugahalle, auf der Leinwand schlagen Totenköpfe Purzelbäume und kreisen Bananen im Stakkato-Takt.

Heimlicher Star ist der ganzkörpertätowierte Schlagzeuger Travis Barker. Nur mit Shorts bekleidet ist die drahtige Litfaßsäule in der Vergangenheit weniger durch musikalische Leistung als durch die grenzwertige Reality-Show „Meet the Barkers“ auf MTV und sein Tête-à-tête mit Society-Sternchen Paris Hilton aufgefallen. Nötig hat er das nicht: Spätestens bei seinem Solo in der Zugabe lässt er erahnen, wie gut er und seine Trommelstöcke sich verstehen. Klasse.

Nach rund 80 Minuten rieselt der Konfettiregen auf die schwitzenden Häupter. Kurzer Blick auf die Wunschliste: Alle Songs abgehakt. Das passt schon. Gegen etwas mehr Blink-182 hätte sich aber niemand gewehrt. Was bleibt, ist ein gelungener Abend, der mit Royal Republic und The All-American Rejects zwei starke Vorbands in petto hatte. Da darf man gerne auch mal zu spät kommen.

Quelle: wa.de

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