Die US-Künstlerin Virginia Overton im Westfälischen Kunstverein Münster

Im Schwebezustand: Eine Arbeit von Virginia Overton aus zusammengesuchten Materialien ist in Münster zu sehen. - Fotos: Stiftel

Von Ralf Stiftel MÜNSTER - Was der Besucher heute im Westfälischen Kunstverein Münster genau sieht, das stand gestern noch nicht fest. Virginia Overton aus Tennessee (Foto) arbeitet gern mit Materialien, die sie an Ort und Stelle einsammelt. Was bedeutete, dass sie mit der Direktorin Kristina Scepanski im tiefen Münsterland herumfuhr und auf Bauernhöfen verwitterte Holzbalken und bemooste Betongewichte aufspürte. Daraus entstehen dann Skulpturen, Assemblagen und Sitzbänke. Overton greift in den Raum ein, spielt mit seiner Aura. Und sie verändert gern bis zum letzten Augenblick.

Es ist die erste Ausstellung der 1971 in Nashville geborenen, in Brooklyn lebenden Künstlerin in Deutschland. Und sie schuf alle Exponate in Münster. Anders als zum Beispiel im Kunstzentrum „The Kitchen“ in New York oder in der Kunsthalle Bern residiert der Kunstverein in einem Neubau. Overton reagiert darauf mit einer besonders rauen Inszenierung. Vier Bänke stellt sie auf und benutzt Steine von der Baustelle des Westfälischen Landesmuseums, Bretter und Bohlen aus dem Depot. Der Besucher darf darauf Platz nehmen und die Installation im zentralen Raum bewundern. Von der Decke pendeln an kräftigen Fäden kleine Ventilatoren und führen ein Ballett auf. Sie weisen auf eine Struktur des Raumes hin: Weil er eine spezielle Akustikdecke hat, dürfen dort nur an bestimmten vorbereiteten Stellen Dinge von der Decke hängen. An jedem dieser Punkte hat Overton einen Ventilator aufgehängt. Der Dreiklang aus surrenden, schwingenden Geräten, provisorisch wirkendem Mobiliar und jungfräulichem Raum hat beträchtlichen Reiz.

Im lichtdurchfluteten Vorraum hat die Künstlerin Ensembles aufgebaut, die eher wie Skulpturen wirken. Zum Beispiel ein langes Brett, das auf einem Steinstapel und an einer Seite mit Steinen beschwert ausbalanciert ist. Oder eine Art Schrein, gerahmt von einer großen, geknickten Papptafel, die Maler als Schutzunterlage nutzten. Darin hat Overton Holz und Steine zu einem rhythmisch gegliederten Ensemble auf einer Palette arrangiert. Das wirkt beiläufig, entfaltet bei längerem Betrachten aber große Kraft, fast wie bei einem Altar.

Erstmals zeigt der Kunstverein auch eine Außenskulptur: Overton hat auf einem schrottreifen Pickup weiße Sockel aus dem Depot des Kunstvereins gestapelt und mit Gurten vertäut. Die große Stapelei wird auf einem Stück Kunstrasen auf dem Vorplatz des Landesmuseums gezeigt. Und weil Overton vom Land kommt und sich auf den Sammeltouren im Westfälischen gleich heimisch fühlte, fand sie, dass auch etwas mit Obst zu sehen sein soll. So gehören Gläser mit Quittengelee zur Schau.

Eröffnung heute, 19 Uhr, bis 12.1., di – so 11 – 19 Uhr,

Tel. 0251/ 46 157, www. westfaelischer-kunstverein.de

Quelle: wa.de

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