CD von Ulrike Haage: in:finitum

Von Ralf Stiftel ▪ Ulrike Haage: in:finitum (Blue Pearl Music/Indigo). Vielleicht sollte der Hörer einfach mit dem dritten Track beginnen, „Die Lesbarkeit der Welt“.

Da setzt Ulrike Haage mit einer melancholischen Akkordfolge ein, und dann kommt ein trauriges Thema im Unisono von Melodica und Saxophon, dass man sich in einen Filmsoundtrack versetzt fühlt. Nach einer Weile löst sich diese klare Struktur auf, und man hat völlig freie Tonflächen, getupfte Einzeltöne am Piano, eine atonale Poesie, bis am Ende des siebenminütigen Werks wieder das Ensemble in die Melodie zurückfindet. Ulrike Haage, geboren 1957 in Kassel, Trägerin des Deutschen Jazzpreises, Mitgründerin der Popband „Rainbirds“, hat mit „in:finitum“ ihr drittes Soloalbum vorgelegt, in dem sie das Gelände zwischen Kammermusik und Jazz erkundet.

Die Grundstimmung dieser wunderschönen Platte ist ruhig, das Schwergewicht liegt auf dem Piano. Zwischendurch spielt sie mit Eric Schaefer, dem Schlagzeuger des Trios em, und dem Saxophonisten Uwe Steinmetz, dann gibt es ein Stück für Streichquartett („Lament“). Bei „Nuna 2“ ist Mezzosopranistin Franziska Markowitsch Haages Partnerin. Manche Passagen sind von zerbrechlicher Poesie, eine Folge klirrender Töne am präparierten Piano („Momen“), dann wieder steigert sich die Musik zu expressivem Pathos mit kreischenden Saxophon-Kadenzen. Ein Erlebnis für konzentrierte Hörer.

Quelle: wa.de

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