Ullmanns „Kaiser von Atlantis“ in Münster

+
Rafael Bruck (Kaiser, unten) und Till Schulze (Tod) in der Inszenierung „Der Kaiser von Atlantis“.

Von Anke Schwarze ▪ MÜNSTER–Am Ende treffen die Gegenspieler aufeinander, der Tod und der Kaiser Overall, zwei Männer in schwarzer Kleidung, mit weiß gekälkten Gesichtern. Noch steht der Kaiser Overall auf seiner Empore „über allem“. Doch der Tod wird die Macht des Tyrannen brechen. Denn der Tod verkörpert Milde und Erlösung, der Kaiser dagegen Brutalität und Willkür.

Der Tod befreit vom Leid. Das ist die Perspektive, die Viktor Ullmann im Konzentrationslager Theresienstadt hatte, als er 1942 seine Kammeroper schrieb, „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“. In unruhig flackernden Schwarz-Weiß-Bildern inszeniert Markus Kopf das verstörende Musikwerk am Kleinen Haus der Städtischen Bühnen Münster. In knapp einer Stunde bringt er auf den Punkt, was nicht nur für die Menschen in Theresienstadt gilt: Der Tod gehört zum Menschen.

Auf den Menschen liegt auch der Focus der schlichten Inszenierung. Aus dem schwarzen Bühnenraum stechen der Soldat in Uniform, der Trommler im Kostüm einer PR-Frau sowie das Mädchen und der Harlekin in unschuldigem Weiß hervor. Requisiten verwendet Kopf kaum – ein Hinweis auch auf die Ausnahmesituation, in der Ullmanns Oper entstand.

Die Inszenierung ist ein Projekt des Theater-Jugendorchesters. Dabei wirken, angeleitet von Musikern des Sinfonieorchesters Münster, begabte junge Instrumentalistin an einer professionellen Aufführung mit. Die Jugendlichen nahmen für ihre Leistung verdienten Sonderapplaus entgegen. Unter der Leitung von Peter Meiser interpretierten sie Ullmanns zerrissene, atonale Musik atmosphärisch und konzentriert. Lyrische Passagen und zartes Streichervibrato gelangen so überzeugend wie aufwühlend schrille Fortestellen. Die effektvollen Pausen saßen. Aufmerksamkeit heischende Trommelwirbel oder Paukenschläge kamen auf den Punkt. Sehr transparent gelang die lautmalerische Instrumentierung der Bläserstimmen.

Die erfahrenen Sänger beanspruchten keine Sonderstellung gegenüber den jungen Orchestermusikern. Sie vereinten sich mit ihnen zu einem harmonischen Gesamtbild. Dabei überzeugten sie auch schauspielerisch. Till Schulze ist ein mitfühlender Tod, was sich auch in seinem warm getönten, väterlichen Bass ausdrückt. Ihm gegenüber steht der scharfe, aggressiv klirrende Tenor von Rafael Bruck, dem Kaiser Overall von Atlantis. Bruck verkörpert glaubwürdig die Wandlung vom Tyrannen, der sich am Ende dem Tod unterwerfen muss. Tadahiro Masujima singt den Harlekin mit geschmeidigen Registerwechseln. Melanie Spitau singt das Mädchen mit schlankem, strahlenden Sopran, ein schöner Kontrast im Liebesduett zur warmen Stimme von Mindaugas Jankauskas, dem Soldaten. Die atemlos verzerrte „Trommlerstimme“ von Suzanne McLeod und die sonore „Lautsprecherstimme“ von Donald Rutherford vervollständigen die Gesangsdarbietungen einer stimmigen Vorstellung.

5., 14., 18., 22. Mai;

Tel. 02 51/ 59 09 0

http://www.stadttheater.muenster.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare