Traum-Kunst von Barbara Breitenfellner in Dortmund

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Nachbau eines Traums: Gorillafigur von Barbara Breitenfellner. ▪

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Der Gorilla reckt die Arme, sonnt sich in Siegerpose. Er trägt braune Boxhandschuhe – und eine Weste, wie sie Joseph Beuys trug. Die Figur steht im Mittelpunkt von Barbara Breitenfellners Installation „Traum 2“, die mit einer weiteren Rauminstallation und einigen Collagen in der Schau „Traum einer Ausstellung“ zu sehen ist, die der Hartware MedienKunstVerein HMKV in der dritten Etage des Dortmunder U präsentiert. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland.

Breitenfellner hat während der letzten Jahren ihre Träume in einem Tagebuch festgehalten. Später fiel ihr auf, dass viele der hastig notierten Texte Kunst thematisieren. Die Erinnerung an den Traum war verloren, aber Breitenfellner hatte die Idee, die Fragmente als Arbeitsanweisungen zu benutzen und daraus Raumbilder zu inszenieren, den Traum somit neu zu konstruieren.

Entstanden ist eine kleine, interessante Ausstellung, die Fragen aufwirft, inwieweit die Flut der Medien unser Unbewusstes beeinflusst. Sie basiert auf zwei Texten, die die 1969 in Österreich geborene, heute in Berlin lebende Künstlerin aus ihrem Fundus auswählte. Im ersten geht es um eine Ausstellung, in der die Gemälde hoch oben an den Wänden hängen. Der Museumsboden ist mit einem psychedelischen Zickzackteppich bedeckt, auf dem ein luxuriöses Auto wie eine Skulptur steht. Genau diese Situation wurde mit Hilfe des HMKV realisiert, der kürzlich von der Kunststiftung NRW mit dem JUMP Jahresförderpreis für Kunstvereine ausgezeichnet wurde. Ein silberfarbener, zerbeulter Porsche thront auf einem schrägen Podest, das mit Teppich bezogen wurde. Ist es Zufall, dass dieser Teppich an David Lynchs Fernsehserie „Twin Peaks“ erinnert? Von zerbeult steht nichts im ursprünglichen Traumtext. Diese Ausschmückung hat die Künstlerin hinzugefügt, um ein traumunabhängiges Statement zu treffen: Die Glamourwelt ist abgefahren.

Der Traumtext zur zweiten Installation lautet: „Beuys machte eine tagelange Performance in 1 Raum. Jemand anderes (?) stieg auf 1 liegenden Gorilla mit 1 Fell auf einer Plattform. Es war ein Gestell, das sich hinaufbewegte. Am Ende sprang Beuys hinunter wie ein Sieger im Zirkus.“ Die Installation konzentriert sich auf die in Siegerpose eingefrorene Gorillafigur mit der Beuys-Weste. Alle paar Minuten ertönt ein Rauschen wie ein Tusch, Applaus und Lacher wie aus einer Sitcom folgen. Auf einer Wand flackern Hunderte winziger Glühbirnen, im Raum verteilen sich Klötze, wie sie im Zirkus bei Dompteurschauen verwendet werden. Die Installation kann als Anspielung verstanden werden auf Beuys Aktion „I like America and America likes me“, die 1974 in New York stattfand. Der Künstler verbrachte mehrere Tage allein mit einem Kojoten in einem Raum. In Breitenfellners Arbeit vermischt sich das Tier mit dem Künstler. Beuys geht in den Gorilla über, der Gorilla in Beuys, beides ist möglich.

Bei beiden Installationen nimmt die Konstruktion auffällig viel Raum ein. So wird das Podest nicht verkleidet, Bretter und Kabel bleiben sichtbar, die Situation erinnert an eine Baustelle. Überbleibsel aus vorigen Ausstellungen liegen wie vergessen herum, Schriftzeichen prangen an der Wand. Das verweist auf die „Konstruiertheit der Träume“, erklärt Breitenfellner. Denn natürlich ist es nicht möglich, einen Traum nachzubilden. Zu flüchtig sind die Bilder, zu vage und verschwommen. Interessant ist, wie sehr die zusammenhangslosen, im Kopf herumwirbelnden Traumbilder Produkte medialer Dauerbeschallung und damit Spiegel unserer Zeit sind, betont Kuratorin Inke Arns und erklärt damit den Bezug zum HMKV, dessen Schwerpunkt auf der Präsentation von Medienkunst liegt.

In dem Zusammenhang sind auch Breitenfellners Collagen (2005 – 2011) zu sehen. Mode, Leoparden, Skigebiete – scheinbar wahllos aus Zeitschriften geschnittene Fotos werden zu traumähnlichen Motiven arrangiert.

bis 5. Juni, do, fr 14-20 Uhr, sa, so 10-20 Uhr, Dortmunder U, 3. Etage, Tel. 0231/ 823106,

http://www.hmkv.de

Quelle: wa.de

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