Tourauftakt der Red Hot Chili Peppers in Köln

+
Anthony Kiedis (vorn) und Bassist Flea beim Chili-Peppers-Konzert in Köln. ▪

Von Tim Griese ▪ KÖLN_Züchtig, gar ein wenig elegant im schwarzen Frack, tritt Sänger Anthony Kiedis als letzter der Red Hot Chili Peppers auf die Bühne der Kölnarena. Seit neuestem trägt er einen gewöhnungsbedürftigen Schnauzbart und eine „Little-Nicky“-Frisur. Es dauert nicht lange, da entledigt er sich seiner Ummantelung und zeigt ein modisch fragwürdiges Feinrippunterhemd, ehe er sich entscheidet, den Rest des Konzerts mit nacktem Oberkörper zu absolvieren. So durchtrainiert wie er ist, kann sich der 48-Jährige das erlauben. Ordentlich Puste hat er auch. Die braucht er beim rasanten Tourauftakt.

Anthony Kiedis‘ umtriebiges Pensum hat es in sich. Genauso wie das von Bassist Flea. Mit lila gefärbtem Schopf und in einer Anderthalbbein-Hose stapft er im typisch buckligen Gang kopfschüttelnd und ziellos umher. Gitarrist Josh Klinghoffer, der 2009 den zum zweiten Mal abgewanderten John Frusciante ablöste, hält sich weitgehend zurück, während Schlagzeuger Chad Smith Gefallen daran findet, Drumsticks ins Publikum zu schleudern.

Die Chili Peppers sind Profis und musikalisch über jeden Zweifel erhaben. Reden zu schwingen, gehört dagegen nicht zu ihren Stärken. Die Interaktion mit dem Publikum bleibt übersichtlich. Kiedis bringt ein paar Kommentare, Flea nuschelt irgendwas, aber zumindest sind sie „fucking happy to be here“. Mitgebracht haben sie eine beeindruckende Show. Zahlreiche Leinwände sind immer in Bewegung, bilden ein Gefängnis oder schweben weit über den Köpfen der Musiker. Dazu strahlt auf dem Bühnenboden immerzu das Bandlogo in gleißendem Licht und flackernden Mustern. Das ist schon großes Kino.

Anlass für die Tour ist das neue Album „I’m with You“. Das hat gemischte Reaktionen erfahren, ist lange nicht mehr so vom Funk durchzogen wie frühere Platten und noch stärker am Mainstream orientiert als etwa das Erfolgsalbum „Stadium Arcadium“. Es scheint ein wenig so, als wollten die Peppers ein wenig Rücksicht nehmen auf die alt eingesessenen Fans. Bei frischem Material halten sie sich zurück; ältere Songs dominieren, darunter einige Klassiker. „Under the Bridge“, die Red-Hot-Chili-Peppers-Hymne schlechthin, gehört natürlich dazu, ebenso wie „Soul to Squeeze“ oder auch „Blood Sugar Sex Magik“. Passend zum Bass-Spiel wird beim letztgenannten Titel die Bühne in verruchtes Rotlicht getaucht. Fehlt nur noch Barry Whites Stimme. Der Refrain wäre zu hart für den Schmusebarden, genauso wie das krachende Stevie-Wonder-Cover „Higher Ground“. „Otherside“, „Californication“ und „Dani California“ dagegen sind Titel zum Mitsingen.

Der Höhepunkt ist auch der Schlusspunkt des rund 100-minütigen Konzerts. Zur 1991er Single „Give It Away“ holen sich die Peppers den afrikanischen Musiker Femi Kuti, der das Vorprogramm gestaltet hat, auf die Bühne. Der unterstützt die Band mit dem Saxofon, während Kiedis und Flea wie zwei irre Karnickel umherhüpfen. Nach 20 Songs ist Schluss. Klar, dass es da nicht alle wichtigen Titel der zehn Band-Alben auf die Setlist geschafft haben: „Aeroplane“, „Scar Tissue“, „Fortune Faded“ oder auch „Did I Let You Know“ wären auch gute Kandidaten gewesen. Die Fans aber sind mit allem glücklich. Können sie auch sein.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare