Toller Bella-Block-Krimi im ZDF: „Unter den Linden“

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Kennen Sie diesen Mann? Bella Block sucht einen Herrn mit Hut in dem Krimi „Unter den Linden“. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Die Prachtstraße „Unter den Linden“ steuert Bella Block an, als sie zu einem Kulturwochenende in die Hauptstadt reist. Die Staatsoper liegt an der berühmten Allee, und Bellas Freundin Margit Brettschneider (Maren Kroymann) hat zwei Karten für die „Salome“- Aufführung ergattert. Stattdessen landet Bella im Arme-Leute-Stadtteil Lichtenberg. Hier heißt der Friedhof „Unter den Linden“.

Der 32. Fall für Detektivin mit der mürrischen Stimme ist ein starker Film, der die Erwartungen an einen Krimi über weite Strecken ignoriert. Dies tun Katrin Bühlig (Drehbuch) und Martin Enlen (Regie) jedoch so geschichtensatt und fesselnd, dass das Tötungssdelikt, das Bella Block gesehen hat, nachrangig wird.

Das ZDF traut sich was mit dieser Programmierung gegen „Das Supertalent“ (RTL) und „Der klügste Deutsche“ (ARD). Deftige Samstagabendunterhaltung fängt nicht so an, nicht mit Altersarmut, Plattenbau-Tristesse und einem Selbstmord: Ein Gedicht von Friedrich Rückert murmelt die alte Dame („Unglaublich, wie erträgt ein Herz“), als sie über das Flachdach schlurft und sich runterstürzt. Die Kamera (Philipp Timme) beobachtet das in ruhigen, ergreifenden Einstellungen.

Bella Block reist unterdessen erwartungsfroh von Hamburg nach Berlin. Am Hauptbahnhof sieht sie, wie ein alter Herr mit Hut (Otto Mellies), der ihr gerade noch den Weg erklärt hat, einen Mann vor einen Bauwagen schubst. Die Ex-Polizistin zockelt ihm mit ihrem Trolley nach, erwischt eben noch die gleiche S-Bahn und bemerkt nicht, wie ihr Handy und Portemonnaie geklaut werden. Geld und Papiere sind weg. Mit der Fahrscheinkontrolle beginnt ein kleiner sozialer Absturz, und am Ende übernachtet sie in einer Sozialunterkunft in Lichtenberg.

Am nächsten Tag, nach einer Karottenbrühe und einer Nacht im Doppelstockbett, wird ihr geholfen, auch Freundin Margit ist wieder erreichbar. Und als Bella Block ihre Beobachtungen bei der Polizei zu Protokoll gibt, trifft sie einen ehemaligen Kollegen aus Hamburger Kripo-Tagen wieder: Thorsten Müller (Max Hopp) ist genau so unangenehm überrascht. Die Reibereien der Beiden sind großartig – auch solche Töne schlägt der Film an.

Der Volltöner Müller kommt stets einen Schritt zu spät. So hat Bella Block dem Phantombildzeichner längst aus der Nase gezogen, dass der Tote ein Mitarbeiter der Sowege war. Der Konzern vermietet Zehntausende Sozialwohnungen, und der Mann ließ sich schmieren. Müller glaubt derweil, es mit einem Serientäter zu tun zu haben, denn auf den Bildern einer Überwachungskamera ist der Hutträger zu sehen, als eine Frau vor eine fahrende U-Bahn fällt. An seiner Seite: Lina Scheibe, die alte Frau, die sich ein paar Wochen später vom Dach des Wohnblocks gestürzt hat. Noch ein Mord?

Bella sucht den Mann in Lichtenberg, findet Elend und Einsamkeit – und schließlich auch den alten Herrn. Darüber verpasst sie allerdings die „Salome“. Margit ist stinksauer, und das zunächst ziemlich angespannte Zusammentreffen der Beiden im Restaurant von Carlo Lenz (Peter Simonischek) wird erst mit ein paar Gläsern Wein immer lustiger. Nicht, weil es ein großes Gelalle gäbe – die souveräne Hannelore Hoger und die große Komikerin Maren Kroymann geraten grandios und fröhlich ins Schlingern.

Das Gastspiel von Peter Simonitschek als „Österia“- Wirt könnte eine Fortsetzung erfahren: Bella Block gibt ihm ihre Telefonnummer.

Samstag, ZDF, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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