Ein Tintoretto für das Wallraf-Richartz-Museum

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Ein Meisterwerk bereichert das Wallraf-Richartz-Museum in Köln: Tintorettos Porträt von Paolo Tiepolo.

Von Ralf Stiftel - KÖLN - Der Mann im kostbaren Mantel aus Goldbrokat blickt den Betrachter ruhig an. Er ist sich seiner Wirkung bewusst, ein Machtmensch, ein erfahrener Politiker und Diplomat. Der Mann heißt Paolo Tiepolo (1523–1585). Und er wurde von einem der wichtigsten Meister der venezianischen Renaissance porträtiert, von Jacopo Robusti, genannt Tintoretto (1518–1594). Das Gemälde steht im Zentrum einer Kabinettsausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum.

Das Porträt gehört der Bundesrepublik Deutschland. Es stammt aus jenem Kunstbestand, der einst das „Führermuseum“ in Linz füllen sollte und nach 1945 in München verwaltet wurde. Es ist ein kaum bekanntes Werk, obwohl es lange an einem prominenten Ort hing. Der frühere Bundeskanzler Kiesinger hatte das Bild entliehen und hinter seinem Schreibtisch aufgehängt. Sein Nachfolger Willy Brandt beließ es dort. Und so kam es auf die Titelseite des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ von 1970, als Jupp Darchinger sozusagen drei Politiker in einer Reihe ablichtete: Vorn den Kanzlerberater Bahr, dahinter Brandt und sozusagen als Vorläufer Tiepolo.

Dieses Fortleben bildet die Ausstellung „Der Diplomat von Venedig“ ab, indem sie Fotos aus dem Kanzleramt neben das Original hängt. Das Bild wurde von der Bundesrepublik mehreren Museen angeboten, das Wallraf-Richartz-Museum erhielt den Zuschlag. Nicht zuletzt, weil Roland Krischel, Kunsthistoriker des Hauses und Renaissance-Experte, den bis dahin unbekannten Porträtierten identifizierte. Tiepolo gehörte zum alten Adel des Stadtstaates, er diente als Diplomat in Frankreich, Spanien, Deutschland. Er bewegte den Senat 1571, sich der Allianz gegen die Türken anzuschließen, was in die siegreiche Seeschlacht von Lepanto mündete. Und er kam als Krisenmanager zurück nach Venedig, als die Pest wütete.

Das meisterliche Porträt wird einigen weiteren Bildern gegenübergestellt, zwei Arbeiten aus der Tintoretto-Werkstatt, einem prachtvollen, früheren Porträt eines Sammlers, das aus dem Fuji Art Museum in Tokio kommt, sowie einem weiteren, kleineren Porträt Tiepolos aus englischem Privatbesitz, das lange als Vorskizze galt. Inzwischen ist klar, dass das Bild aber eine Kopie ist, angefertigt als Vorlage für postume Porträts des Diplomaten. Die Schau bietet so eine ebenso genussreiche wie erhellende Übersicht über italienische Renaissance-Malerei – und über die Gattung des Herrscherporträts bis in die Gegenwart. Wie Tiepolo sitzt auch Bundeskanzler Brandt auf dem Pressefoto an seinem Schreibtisch. Über die Distanz der Epochen hinweg wird Macht in ganz ähnlichen Posen verbildlicht.

Eine zweite Ausstellung ergänzt die Präsentation: Aus eigenem Bestand zeigt das Haus Druckgrafik des 16. Jahrhunderts nach berühmten Gemälden von Tintoretto und seinem Vorläufer und Rivalen Tizian. Gerade Tizian nutzte das Medium für seine Karriere. Er arbeitete mit dem Kupferstecher Cornelis Cort zusammen, der die atmosphärische Malkunst meisterlich in das Schwarz-Weiß der Linien übersetzte. Man schaue nur das „Martyrium des Hl. Laurentius“ (1571) an, wo dichte Schraffuren und Schattierungen dramatische Lichteffekte erzeugen.

Der Diplomat von Venedig bis 15.9., Tizian und Tintoretto in der Druckgraphik bis 28.7., di – so 10 – 18, do bis 21 Uhr,

Tel. 0221/ 221211 19,

www.wallraf.museum,

Kataloghefte je 7 Euro

Quelle: wa.de

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