Tintenherz und mehr: Illustrationen von Cornelia Funke in Oberhausen

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Den Drachenrachen malte Cornelia Funke für eine Monstergeschichte ▪

OBERHAUSEN–Ein giftgrüner Drache mit weit aufgerissenem Maul und leicht bröckeligem Gebiss zieht einen näher zum Rahmen hin, in dem er gefangen ist: In der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen halten die Figuren der Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke Einzug.

Von Judith Wedderwille

Die international bekannte deutsche Autorin ist studierte Buchillustratorin und hat sich als solche bereits vor ihrer Autorenkarriere einen Namen gemacht. Die meisten ihrer Bücher hat sie selbst illustriert. In der Ausstellung „Cornelia Funke – Tintenherz, Wilde Hühner und Gespensterjäger“ sind Funkes künstlerische Werke von ihren ersten Auftragsarbeiten nach dem Studium über Zeichnungen für die Kinderseite der Frauenzeitschrift Brigitte bis hin zu Textillustrationen für ihre aktuelle Fantasy-Roman-Reihe „Reckless“ zu sehen.

Präzise Zeichnungen, bevorzugt mit schwarzer Tusche, mal in knalligen Farben nachkoloriert, mal puristisch in feinen Schwarz-Weiß-Nuancen gehalten: Die Ausstellung bietet eine große Vielfalt von Coverentwürfen über Textillustrationen bis hin zu Bilderrätseln. Funkes zeichnerisches Können ist in den unterschiedlichen Techniken zu erkennen. Mal greift sie für einen Entwurf zur Tusche und wendet die Schraffurtechnik für die Erzeugung von Bildtiefe an. Dann wieder verwendet sie Aquarellfarbe, um einer Unterwasserwelt die nötige Farbenpracht zu verleihen. Liebe zum Detail ist in jeder Illustration der gebürtigen Dorstenerin zu finden. Doch sie ist auch verspielt, gerade in ihren frühen Zeichnungen zu den Monstergeschichten, wenn sie einem Hexenkessel beispielsweise ein Gesicht und einen bulligen Korpus verleiht.

Sehr detailliert und filigran erscheinen insbesondere ihre Entwurfsskizzen mit Tusche für den Drachen Lung zu ihrer ersten eigenen publizierten Geschichte „Die große Drachensuche“ (1988). Um den Drachen mit den Protagonisten Ben und Lisa in die dunklen Lüfte abheben zu lassen, arbeitet sie mit dichten Schraffuren, die den Kontrast zum helleren Drachenkörper erhöhen. Das massige schlangenartige Wesen erhält trotz seiner Größe etwas Federleichtes, fast schon Graziöses, wie er so über die Häuserdächer hinwegfliegt.

Knallig bunt wird es bei den Zeichnungen für die Erstlesegeschichten, die Funke in den frühen 90er Jahren für den Loewe-Verlag entwickelte. Ritter, Monster, Drachen, Hexen und Mick mit seinem Stoffgorilla Mo zählen zu den Figuren, denen Funke auch ohne Text Leben einhaucht. Einem Bilderbuch gleich erzählen die Illustrationen ihre eigenen Geschichten. Mal erlebt man eine Straßenprügelei im Wilden Westen. Mal sieht man einen grünen Seeteufel mit kaputtem Dreizack in einer Unterwasserwelt Blubberblasen als Tränen vergießen.

Auch wenn Cornelia Funke fantastische Welten und Wesen wie Feen, Nixen, Schattenwesen oder Hexen zeichnet  – die Parallelen zur realen Welt, zur Kunst-, Literatur- und Architekturgeschichte sind stets wiederzufinden: Im zweiten Band von „Reckless“ verweist Funke mit der Darstellung von Jacob und Wilhelm Grimm auf die Spiegelwelt, indem sie zwei Gebäude, das Chrysler Building und ein historisches Kuppelgebäude mit Laternenaufsatz in einer Szene gegenüberstellt. Und ihre Zeichnung der Kreidefelsen für „Reckless“ erinnern stark an das Mount Rushmore Nationaldenkmal mit den vier Präsidentenköpfen in South Dakota (USA).

Welche Arbeit sich Funke mit jedem Detail ihrer Illustrationen gemacht hat, fällt bereits im Eingangsbereich der Ausstellung auf, die mit ihren jüngeren Büchern beginnt. Rund ein Dutzend Entwürfe für das „Tintenherz“-Cover veranschaulichen, dass Funke nicht nur mit Buchstaben und Worten jonglieren kann, sondern auch mit Bildern. Oder auch mit beiden gleichzeitig, wie manch quadratische Vignette mit Initialen im Stil mittelalterlicher Buchmalerei beweisen.

423 Einzelblätter mit Skizzen, Coverentwürfen und Vignetten können die Besucher betrachten. Trotz der großen Materialfülle wirkt das nicht erschlagend. Ein Vorwissen über Funkes Bücher ist für diese Schau nicht erforderlich. Schaden kann es aber nicht.

Cornelia Funke  – Tintenherz, Wilde Hühner und Gespensterjäger in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen,

Eröffnung Samstag, 19 Uhr. Bis 20.5., di – so 11–18 Uhr.

Tel. 0208/ 412 49 11,

http://www.ludwiggalerie.de. Katalog, Kerber Verlag, 29,80 Euro

Quelle: wa.de

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