Thomas Quasthoff singt Soul: „Tell it like it is“

Thomas Quasthoff: Tell It Like It Is (DG/Universal). Wie peinlich kann das ausfallen, wenn Stars der Klassik sich am populären Fach versuchen! Der Bariton Thomas Quasthoff bildet da eine Ausnahme.

Seinem schon beachtlichen „Jazz Album“ lässt er nun eine Platte mit Klassikern aus Soul und Blues folgen und zeigt die Klasse seiner Lied- und Operneinspielungen. Schon wie er Ann Peebles' Song „I Can't Stand The Rain“ phrasiert, das lässt eine Reihe deutscher Popsänger ganz schön blass aussehen. Als hätte er nie etwas anderes getan, growlt und nöhlt er sich durch, ohne in den Strophen seine Gesangskultur zu verleugnen. Das Repertoire ist gut ausgesucht, Balladen und Blues und Up-Tempo-Nummern, das ganze Spektrum eben. Begleitet wird Quasthoff von einigen der besten Jazzer aus Deutschland wie Pianist Frank Chastenier, Bassist Dieter Ilg, Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Quasthoff gelingen lässige Bluesnummern wie Willie Dixons „The Seventh Son“, und beim herzzerreißenden „Tell It Like It Is“ bietet er tatsächlich eine Alternative zum exaltierten Falsett von Aaron Neville. Dann gibt es noch einen coolen Rocksong im Retro-Stil der 60er, „The Whistleman“, den Quasthoffs Bruder Michael geschrieben hat. Ach ja, und Country kann er auch, wie „Rider In The Rain“ beweist. Sie müssen Spaß gehabt haben bei der Aufnahme. Vor allem bei der frechsten Pointe, die sich eben nur Quasthoff selber erlauben kann, seiner Schädigung durch Contergan spottend. So singt der Kleinwüchsige das zynische „Short People“ von Randy Newman: „Don't want no short people round here“. Nicht nur da ist der Mann auf Augenhöhe. Respekt!

Live singt Quasthoff am 4.10. und 5.12. Tonhalle Düsseldorf, 18.12. Philharmonie Essen ▪ RALF STIFTEL

Quelle: wa.de

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