Theater für junges Publikum „hellwach“ in Hamm

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Kommen sich näher: Ente, Tod und Crischa Ohler beim Theaterfestival Hellwach in Hamm. ▪

Von Achim Lettmann ▪ HAMM-Die Aschewolke über Island hatte auch Auswirkungen auf „hellwach“, dem 4. Internationalen Theaterfestival für das junge Publikum in Hamm (20. bis 27. April).

Im Kulturbahnhof führte am Freitagabend das Theater mini-art sein Stück „Ente, Tod und Tulpe“ auf. Die Gruppe tiyatrotem aus der Türkei konnte nicht mehr rechtzeitig anreisen. So sprang das Duo aus Bedburg-Hau ein und zeigte die Dramatisierung eines Bilderbuchs von Wolf Erlbruch. Das Festival, das vor allem erstklassiges Kindertheater in die Region holt, zeichnet sich durch Theatergruppen aus, die innovative Spielformen entwickeln oder ungewöhnliche Stoffe auf die Bühne bringen. Gruppen aus Marokko, Schottland, Deutschland (5) und Frankreich (3) gastieren in Selm, Erwitte, Bönen, Lünen, Bergkamen und vor allem Hamm.

Wer erwartet schon ein Stück über den Tod, das sich an Siebenjährige richtet? In „Ente, Tod und Tulpe“ wird die Puppe mit dem Totenschädel in eine transparente Bühnenwelt geholt. Sjef van der Linden zeigt seine handgemachte Musik und sagt: „Schon länger hatte die Ente so ein Gefühl.“ Und der Tod kommt mit einer roten Tulpe geschlichen. Crischa Ohler bewegt die großen Figuren von Mo Bunte mit erzählerischer Ruhe, ohne die Geschichte in ein Illusionstheater zu verwandeln. Langsam werden die Ente und der Tod charakterisiert. Sie spürt eine Gänsehaut, wenn die Rede auf den Fuchs kommt. Er bibbert im Wasser und droht sich zu verkühlen. Bis ihn die Ente wärmt, und Crischa Ohler das Tier vorsichtig auf den Tod legt. Dazu spielt Sjef van der Linden eine kleine harmonische Melodie. Das fühlt sich versöhnlich an und lässt gleichzeitig Staunen, weil der Erzählstoff vom Tod so tröstlich gefärbt wird. Die szenische Magie der schrittweisen Stimmungsstudie zu „Ente, Tod und Tulpe“ macht die Inszenierung von Rinus Knobel mit dem Theater mini-art aus.

Und magische Momente gab es viele beim Festival. Melanie Florschütz und Michael Dröhnert entwickeln für Zweijährige ein Spiel, das früh bekannte Tierfiguren mit ersten Spannungsmomenten verknüpft. Wenn in „Sommerflügel“ (ab 2 Jahren) die Katze nach der Maus fasst, löst sich die Jagd als kunstvolles Schattenspiel auf, ohne dramatische Details. Und wie der kleine Fisch, den der Wal mit einem Geräusch auspupst, taucht auch die Maus wieder auf. Abstrakter fiel das „Spiel der Kräfte“ (ab 6 Jahre) aus. Die Koproduktion des Helios Theaters mit dem Théâtre Jeune Public aus Straßburg entfesselt physikalische Gesetze, die eine kleine Puppe zu Experimenten animiert. Roman D. Metzner beatmet mit seinem Harmonium den spannungsvollen Versuchsraum.

ISADAC & La Nouvelle Scène (Marokko) Das Dach Dienstag, 27. April, 9 und 11 Uhr, in Bönen (Tel. 02383/933253 ).

Andy Manley & Starcatchers (Schottland) Mein Haus am Montag 9, 11, 16 Uhr in Hamm (Tel. 02381 /926837) und am Dienstag, 10, 11.30, 16 Uhr in Lünen (Tel. 02306/1042299).

Quelle: wa.de

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