Steven Patrick Morrissey sorgt im Palladium für Schockmomente

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Steven Patrick Morrissey spielte im Kölner Palladium.

Köln - Altersmilde? Die gibt es nicht bei Steven Patrick Morrissey. Zynismus, Haltung und Stil – das sind prägende Säulen des streitbaren und dandyhaften Sängers. Und er mutet seinem Publikum im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Kölner Palladium einiges zu.

Zu zwei Liedern gibt es auf der Leinwand bewegte Bilder – und die sorgen für Schockmomente. Bei „Ganglord“, dem dritten Song des Abends, werden Videoschnipsel gezeigt, die Polizeigewalt in den USA hauptsächlich gegen Schwarze dokumentieren. Während auf der Leinwand auf Menschen einprügelt und Hunde erschossen werden, knüppelt die spielfreudige, fünfköpfige Begleitband auf die Instrumente ein und verleiht dem Song die passende Härte.

Und der einstige Sänger der immer noch kultisch verehrten 80er-Jahre-Band The Smiths steigert die Schockmomente noch. Der Vegetarier lässt zum anklagenden Smiths-Song „Meat Is Murder“ die Bühne in blutrotes Licht tauchen. Dazu laufen auf der Bühnenrückseite kaum erträgliche Szenen aus Schlachthäusern, die ein Gemetzel an verschiedenen Tierarten dokumentieren und dafür sorgen, dass zahlreiche Fans vorübergehend den Konzertraum verlassen. Auch die Triumphschreie am Ende von „The Bullfighter Dies“ (Der Stierkämpfer stirbt) und die Einschätzung, dass das Lied sich mit der Schande Spaniens befasst, gehen in diese Richtung. Die T-Shirts mit dem Aufdruck „Be Kind To Animals Or I’ll Kill You“ (Sei freundlich zu Tieren oder ich werde dich töten), die es am Verkaufsstand gibt, unterstreichen ebenfalls seinen radikalen Tierschutz. Und sonst? Der 56-Jährige zeigt sich auch sanftmütig und witzig. Zur Begrüßung ruft er etwas sinnfrei „Kunst, Kunst, Kunst“.

3000 Zuschauer sehen gelungene Werkschau

Später berichtet er, dass er ein Buch lese mit dem Titel: Deutsch lernen in 30 Tagen. „Aber das habe ich schon seit 30 Jahren. Warum macht ihr das einem so schwer?“, klagt Morrissey. Aber zum Glück kann er hervorragend mit seiner Heimatsprache umgehen. Denn er bietet den etwa 3000 Zuschauern eine gelungene 90-minütige Werkschau seines bisherigen Schaffens. Der Crooner trägt einige Soloklassiker wie etwa „Suedehead“ zum Auftakt in einer erstaunlich luftigen Version vor. Seelige Blicke und viel Applaus löst auch „Everyday Is Like Sunday“ aus, die zweite Single seiner Solo-Laufbahn. Zudem gibt es viele Songs von seinem jüngsten Album „World Peace Is None Of Your Business“ (2014). Energiegeladen und melodisch sind auch Songs wie „Kiss Me A Lot“ und überraschend etwa „Oboe Concerto“. Die fünfköpfige Band um den Leadgitarristen Boz Boorer, einen langjährigen musikalischen Begleiter Morrisseys, spielt ziemlich kraftvoll. Und zwischenzeitlich wird Morrissey gar zum Percussionisten.

Auch tauschen die Musiker ihre Instrumente. Mitten im Lied folgt ein Rhythmuswechsel, das Licht geht aus – und plötzlich singt Keyboarder Gustavo Manzur den Song „Speedway“ auf spanisch zu Ende. Es ist ein großartiger Abend, den der selbstverliebte Sänger bietet. Im bombastischen „I’m Throwing My Arms Around Paris“ singt er, dass nur Stahl und Steine seine Liebe akzeptierten. In Köln gibt es an diesem Abend sicherlich genug Menschen, die ebenfalls einen Versuch unternehmen würden.

Quelle: wa.de

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