"The Gaslight Anthem" rocken Düsseldorf

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DÜSSELDORF „The Gaslight Anthem“ waren einmal eine Punkband. Davon ist bis auf die Tätowierungen nicht viel übrig geblieben. Mit der aktuellen Scheibe „Get Hurt“ ist die Band im Mainstream Rock angekommen. Vom neuen musikalischen Selbstverständnis konnten sich die Fans beim Konzert in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle überzeugen.

Von Tim Griese

Drei-Akkorde-Songs und knackige Zweieinhalbminüter waren noch nie der Weg, den das Quartett um Frontmann Brian Fallon eingeschlagen hatte. Klassische Punks waren die Jungs von „The Gaslight Anthem“ nie. Das Rotzige und Ungestüme hat die Gruppe aus New Jersey aber abgelegt. Aus den rohen und aggressiven Klamotten hat sie sich herausgeschält.

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"The Gasligth Anthem" geben Konzert in Düsseldorf

„The Gaslight Anthem“ sind erwachsen geworden. Bruce Springsteen schwirrt als musikalischer Einfluss deutlich durch den jüngeren Output des Vierers. Der Stilwandel ist in der Fanschar nicht ohne Kollateralschaden vonstattengegangen. Das fällt auf: Waren beim letzten Gastspiel in Düsseldorf vor zwei Jahren noch alle Tribünen geöffnet, verdecken jetzt große schwarze Vorhänge einen Großteil der von der Halle abgetrennten Sitzmöglichkeiten. Schräg, eigentlich. Denn die Musik der Band ist heute noch mehr als früher gemacht für die große Bühne, das Stadion.

Dennoch ist die Band bestens aufgelegt. Wobei das nicht zur Stimmung passt, die das aktuelle Album, „Get Hurt“, im Titel und grafisch mit einem Cover, das ein auf dem Kopf stehendes Herz zeigt, ausdrücken will. Während das Motiv auf einem Banner die Bühne ziert, hat Brian Fallon ein Dauergrinsen aufgesetzt. „Das ist unsere erste Show auf der Tour in Deutschland. Es ist schön, Euch alle wiederzusehen und immer wieder aufregend, zurückzukommen“, ruft er.

Aus der Halle grüßt frenetischer Beifall zurück. Ein Fan hat einen Reifen seines Rollstuhls abmontiert und winkt damit. Fallon lacht: „Was ist das denn? Den solltest Du wahrscheinlich besser wieder dranstecken!“ Einem anderen stellt der 34-Jährige einen Hausbesuch in Aussicht: „Kannst Du auch Jägerschnitzel machen mit diesen kleinen Pilzen? Dann komme ich bei Dir vorbei.“

Passend zum Springsteen-Sound des um einen Gastmusiker verstärkten Quartetts hat sich auch die Zusammenstellung des Publikums verschoben. Das feierwütige Jungvolk hat sich dezimiert. Dafür finden sich nun verstärkt Herrschaften mittleren Alters im Saal. Sie wippen mit den Füßen, klatschen mit und zeigen sich bisweilen sogar textsicher. „Helter Skeleton“ ist im Herzen eine Ballade, wenn auch in robust-sperrigem Geschenkpapier verpackt. „Underneath the Ground“ dagegen präsentiert sich zurückgenommen mit Keyboardeinsatz und Echo-Effekt im Gesang. Der Titelsong der Platte, „Get Hurt“, beginnt langsam, steigert sich in der Strophe dramatisch und entlädt sich im reinrassigen Rock-Refrain.

Kurzzeitig sieht es so aus, als ob es etwas von Metallica geben könnte. Nach den ersten Tönen von „Enter Sandman“ stoppt die Gitarre aber: „Nee, da kennen wir nur den Anfang. Danach wird es gruselig“, lacht Brian Fallon und lässt „The ´59 Sound“ folgen, eine der besten „Gaslight“- Nummern überhaupt. Gecovert wird trotzdem noch: Das Traditional „House of the Rising Sun“ wird zur schmerzerfüllten Blues-Nummer, Bon Ivers „Blood Bank“ zuvor von der Country-Nummer zum massiven Rocker.

Eines hat sich jedenfalls nicht geändert: Die Hits vergangener Tage werden am meisten gefeiert. Egal, ob „High Lonesome“, „1930” oder „Wherefore Art Thou, Elvis?“ – die Fans im Pulk vor der Bühne recken im Arme hoch, es wird getanzt, und auch der eine oder andere Crowdsurfer macht sich auf die Reise Richtung Graben.

Quelle: wa.de

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