„Ten Years After“ spielen im Hoppegarden

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Rappelvoll war‘s im Hoppegarden. ▪

HAMM ▪ „Ten Years After“ live im Veranstaltungssaal der Kulturwerkstatt: Zu den besten Zeiten des zur Crème der britischen Blues-Rock-Szene zählenden Quartetts hätte diese Meldung allenfalls zum 1. April für Aufsehen gesorgt. Allerdings gab es da noch keinen Hammer Hoppegarden und für das ausverkaufte Konzert am Samstagabend gab's mehr Interessenten als Platz. Von Werner Lauterbach

Mit Chick Churchill an den weiß-schwarzen Tasten, Leo Lyons am Bass und Drummer Ric Lee standen immerhin drei der vier Originalmitglieder auf der Bühne. Das Herzstück der Band, Gitarrist, Sänger und Songschreiber Alvin Lee, hatte sich bereits 1974 verabschiedet. Ein kurzes Reunion-Intermezzo zu Ende der 80er ergab eine weitere Scheibe – dann war Funkstille, bis sich das verbliebene Trio mit dem wesentlich jüngeren Joe Gooch (Gitarre, Gesang) als Frontmann zu Beginn des neuen Jahrtausends zurückmeldete.

Die alten Fans stellten natürlich den Löwenanteil des Publikums, doch auch viele jüngere Bluesrock-Liebhaber wollten die lebende Legende des Woodstock-Festivals in Augenschein nehmen. Das war sogar im hinteren Teil des Hoppegardens auf einer großen Leinwand möglich: Eine geschickt platzierte Kamera erlaubte einen guten Blick von links oben auf das Bühnengeschehen.

Neues Material aus der Feder des „Neuen“ heizte die Stimmung an und zeigte, dass hier doch mehr als pure Nostalgie geboten wurde. Dabei schien es, als hätten die verbliebenen Originale bei der Frontmann-Wahl ganz genau hingeschaut. Kein bisschen langsamer als der einstmals als „einer der schnellsten“ Gitarristen gepriesene Alvin Lee, brillierte Gooch vor allem auf den sechs Saiten, stimmlich wäre ein wenig mehr Rauheit wünschenswert – doch das kann ja noch werden.

In Sachen Charisma wirkte er aber ein wenig blass und wahrscheinlich war das auch ein Auswahlkriterium, denn sein Vorgänger hatte die musikalischen Mitstreiter total dominiert und das sollte sich wohl nicht wiederholen. Der Album-Titel „Alvin Lee & Company“ (Begleitung) brachte die damalige Situation wohl ziemlich auf den Punkt.

Harter Rock und Boogie wie zu den erfolgreichsten Zeiten standen an erster Stelle – das jazzig swingende Erbe der Anfangsjahre, wie auch die zahmere Variante zu Beginn ihres Blues-Kreuzzugs wurden nur kurz gestreift. Doch genau wegen der heftigeren Hits waren wohl die meisten Zuhörer gekommen – auf jeden Fall war die Stimmung auf der Bühne und im Saal vom Feinsten.

Das Zusammenspiel klickte perfekt, was nach über 40-jähriger, gemeinsamer Bühnenerfahrung aber auch nicht anders zu erwarten war. Ein wenig antiquiert wirkte das Schlagzeugsolo – doch der Applaus zeigte, dass es auch heute noch Liebhaber dieses einstigen Rockkonzert-Pflichtprogramms gibt. Allerdings bestätigte das Konzert den Tournee-Titel „Evolution-Tour“ nicht wirklich: Die „Entwicklung“ entspringt wohl eher dem Wunsch der Protagonisten als dem hörbaren Resultat – nachvollziehbar war der Titel nur in Sachen Entwicklung der Gitarren-Spieltechnik seit den Siebzigern.

Quelle: wa.de

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