Tanzshow „Rock the ballet“ im Konzerthaus Dortmund

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Bewegungsvergnügen mit Adrienne Caterna-Thomas im Konzerthaus: „Rock The Ballet“. ▪

Von Edda Breski ▪ DORTMUND–Es wird gesprungen, hoch und weit. Da fegt ein drahtiger Typ im Unterhemd durchs Halbdunkel, und schon steht er Kopf. Eine Sekunde Atemlosigkeit. Die Show „Rock the ballet“ vereint klassischen und modernen Tanz. Derzeit gastiert sie im Konzerthaus Dortmund.

Das Rezept der Amerikaner ist simpel und erfolgreich: Man nehme klassisches Ballett und bekannte Rocksongs vom Band, peppe die Mischung mit Videoinstallationen auf, drehe die Bässe auf und beweise auf der Bühne Animateursqualitäten. Die Mitglieder der Truppe haben klassische Ausbildungen durchlaufen und inszenieren sich als Rockstars mit Ballettkörpern. Das funktioniert: Seit Monaten tourt „Rock the ballet“ durch Deutschland. Keine klassische Truppe ist so gut im Internet vertreten. Youtube, Facebook, Twitter sind willkommene Marketingmaschinerien.

Kopf der Gruppe ist der 28-jährige Rasta Thomas, der schon als Nachwuchstänzer Preise über Preise einheimste und später mit Compagnien wie dem Joffrey Ballet und dem American Ballet Theatre auftrat. Mal hier, mal da reiste er durch die Tanzwelt; binden wollte er sich seit seiner Jugend nicht mehr. Und das in der überschaubaren Ballettszene, wo dies erwartet wird. Dafür spielte er in Patrick Swayzes Film „One last dance“ mit und beruft sich gern auf seine Wurzeln in der Kampfkunst. Sein Vater ließ ihn als Kind in den Martial Arts unterrichten. Viele seiner Sprünge zeigen das.

Die Choreographien für die „Rock the ballet“-Truppe, die sich – aus Sicht des Marketing nicht unklug – „Bad boys of Dance“ nennt, macht Thomas‘ Frau, die einzige Tänzerin der Truppe. Adrienne Canterna mischt Elemente, die Tanzbegeisterte aus einschlägigen Filmen wie „Center Stage“ und „Step up“ kennen, mit Stilelementen bekannter Tourneeschlager: etwas Tapdance, Tango, ein bisschen Streetdance und Hip hop, Sachen, die man kennt, wenn man tanzt oder Tanzfilme guckt; klassische Pirouetten und Posen. Dazu Flic-Flacs, Handstandüberschläge, Drehsprünge mit spektakulärer Pose.

Akrobatik wollen die Besucher sehen, Tricks und Sprünge, die Kraft kosten. Darauf ist die Show ausgelegt. Hits von Michael Jackson, Queen und Prince sorgen dafür, dass wirklich jeder mitwippen kann. Ein Solo zu „In the Closet“, eine parodistische Sie-will-ihn-sie-will-ihn-nicht-Nummer zu Princes „When doves cry“.

Da wird eine Dreiecksgeschichte angedeutet, die sehr blonde, sehr fitte und stets lachende Adrienne Canterna (früher beim Washington Ballet) und Rasta Thomas umkreisen einander zu U2s „With or without you.“ Darauf folgt eine Modern-Dance-Nummer zu Jacques Brels „Ne me quitte pas“.

Ein Stilbruch: Zu Maria Callas‘ unschlagbar sinnlicher Carmen-Interpretation kommen sechs Männer mit Gummipuppen in einschlägiger Optik auf die Bühne, die sie nach allen Regeln des Show-Business betanzen, im Tangoschritt umschreiten, auf den Boden betten, mit gespitzten Lippen vor sich hertragen. Eine Szene, die zwar jedem Opernliebhaber Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt, die aber zu den lustigsten des Abends gehört. Mehr Witz, gern auch mehr Parodie hätten die Show von innen belebt. Rasta Thomas und seine Mannen zeigen viel – Sprünge, Drehungen, alles, was rasant aussieht. Großer Sport mit solider Technik. Tanz aber ist mehr. Er erzählt, wenn er gut gemacht ist, Geschichten, mit jeder kleinen Bewegung. Die Welt der Salti ist nicht genug.

Die Show

„Rock the ballet“ ist bis 31. Juli im Konzerthaus Dortmund zu sehen (je 20 Uhr, außer mo).

Tel. 02 31 / 22 696 200,

http://www.konzerthaus-dortmund.de

Vom 17. bis 22. August gastiert „Rock the ballet“ in der Kölner Philharmonie.

Quelle: wa.de

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