Tanz mit Schaum in der „Soapéra“ bei der Ruhrtriennale

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Explosive Momente gibt es auch in der „Soapéra“ in Essen, neben viel ruhigen Schaumspielen. ▪

ESSEN ▪ Minutenlang quillt weißer Schaum aus dem Apparat. So lange, bis die Bühne im Salzlager der Zeche Zollverein in Essen erfüllt ist von einem hüfthohen Kissen. Die luftige Masse spielt die Hauptrolle in der „Soapéra“. Die französische Starchoreografin Mathilde Monnier und der Künstler Dominique Figarella schufen für die Ruhrtriennale eine Mischung aus Skulptur und Tanz. Von Ralf Stiftel

Minutenlang geschieht in der abgedunkelten Halle so gut wie nichts. Es knistert und flirrt leise, eigentlich keine Musik, sondern eher eine Klangatmosphäre. Dann entwickelt der weiße Stoff ein Eigenleben. Am linken Rand wölbt sich eine Beule aus, erst klein, dann übermannshoch, und dann fällt sie wieder in die Masse. Immer öfter bewegt sich etwas im formlosen, abgerundeten Schaum. Eine mächtige Scholle, mehrere Meter breit, stülpt sich über den Rest auf. Es arbeitet in der seifigen Materie, sie breitet sich aus, verlagert sich auf der Bühne, scheint nach den Mitgliedern der Schülerjury in der ersten Reihe zu greifen. Die wedeln Fetzen auf, eine Abwehrgeste.

Dann erkennt man die Tänzer. Es muss ein besonders haltbarer Stoff sein, sonst könnten sie nicht die großen Stücke bewegen, Schneisen bahnen, während der Rest stehen bleibt. Die Akteure modellieren das Zeug immer neu, nutzen es wie eine Landschaft, in der sie Deckung suchen, finden und verlieren sich. Später heben sie eine große Platte an, bilden mit ihr einen gewaltigen Altar, auf den sich neuer Schaum ergießt, stellen sie auf als Mauer und lassen sie in das Kissen fallen, dass von der Wucht Flocken durch den ganzen Raum spritzen. Besonders am Anfang hat die Aufführung die Unschuld von kleinen Kindern, die in der Badewanne Berge türmen, Inseln zusammenschieben und draufklatschen. Man sieht zu und muss gar nicht wissen, was das werden soll.

Wenn der Schaum in sich zusammengefallen ist, fangen die vier Akteure an zu tanzen. Mal ein Solo, dann ein zärtliches Zusammenspiel, dann aggressive Konterschritte. Auch hier wird keine Geschichte erzählt, sondern gleichsam abstrakt ein Gestenvokabular von Zuneigung und Gewalt ausgeführt. Auch das becirct zum Beispiel, wenn die vier um die Platte sitzen und auf eingespielte Geräusche mit Wisch- und Schmierspielen reagieren. Aber neben den Schaumschlägereien wirkt es doch konventionell.

8.9. (ausverkauft), Monniers Choreografie „Twin Paradox“ 20., 21., 22.9.

Tel. 0700 / 2002 3456,

http://www.ruhrtriennale.de

Quelle: wa.de

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