„Tango Pasión“ bietet in Dortmund „Ultimo Tango“

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Spielarten von Flirt und Leidenschaft zelebriert die Tanz-Show „Ultimo Tango“ in Dortmund. ▪

Von Ursula Pfennig ▪ DORTMUND-So sitzt ein wahrer Kerl in der Bar: im Anzug selbstverständlich, die Haare streng zurückgegelt, die Beine lässig übereinandergeschlagen mit einem Knöchel auf dem Knie.

Die Hand am Revers betont die stolz geschwellte Brust. Die Dame hingegen, auch sie sehr aufrecht im hoch geschlitzten und tief dekolletierten Kleid, lässt die Hand auf ihrer Hüfte ruhen und zieht das übergeschlagene Bein nur so hoch, dass die Wade am Knie ruht. Das ist das kleine Einmaleins der Körpersprache, wenn Damen und Herren sich auf das Parkett des Begehrens und Verführens begeben. Das große Einmalseins präsentiert die Gruppe „Tango Pasión“ in ihrer Show „Ultimo Tango“ im Konzerthaus Dortmund.

Seit 1992 tourt das Ensemble vom Broadway mit seinen Tango-Shows durch die ganze Welt. Hector Zaraspe schuf die Choreografie in Zusammenarbeit mit Art Director Mel Howard und dem 2010 verstorbenen musikalischen Leiter Juan Carlos Zunini. Begleitet werden die Tänzer vom Sexteto Tango Pasión mit zwei Bandoneons, Klavier, Keyboard, Geige, Kontrabass und Schlagzeug unter der Leitung von José Libertella.

Die knapp zweistündige Aufführung ist in zwei Akte aufgeteilt. Der erste ist in einer Tango-Bar im Buenos Aires der 40er Jahre angesiedelt. Sechs Paare inszenieren die Spielarten von Flirt und Leidenschaft. Die Bandbreite ist groß. Mal begegnen sich Mann und Frau in frech-frivoler Leichtigkeit, lassen die rasant kreisenden Hacken auch mal in einem Tritt in den Hintern enden. Mal treffen sie voller Ernst aufeinander, tragen Eifersucht und Rückeroberung im Tango miteinander aus. Auch kleine Geschichten haben Platz: Ein Kellner verliebt sich in die schöne Dame und muss danach zwischen ihr und einem Verehrer vermitteln. Wie gehen Schmach und Würde zusammen? Ein altes Thema in einer Tanzgattung, die in verrufenen Kaschemmen der Armenviertel von Bueonos Aires entstanden ist.

Im Laufe seiner Geschichte verlor der Tango das Anrüchige und eroberte in der Stilart des „eleganten Tangos“ oder „Salontangos“ die feine Gesellschaft. Der zweite Akt, nach der Pause, ist dem weiterentwickelten Tango gewidmet. Schwarze Anzüge und Ballkleider – im Gegensatz zur bunteren Ausstattung im ersten Teil – markieren den Unterschied. Die Musik ist avantgardistischer, mischt sich mit Jazzelementen. Die Musiker haben Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen: Juan Carlos Zunini brilliert am Klavier, José Libertella lässt das Bandoneon jammern und klagen.

Auch die Tänzer sind nun noch auf andere Weise gefordert. Spektakuläre Würfe und Hebungen verraten die Handschrift eines im klassischen Ballett ausgebildeten Choreographen, der über Jahrzehnte Rudolf Nurejev und Margot Fonteyn beriet. Es gibt ausdruckstarke Paartänze, aber auch Passagen wie den Maskentanz, in denen der künstlerische Ausdruck etwas bemüht wirkt. Astor Piazolla, in den 60er Jahren Vorreiter des avantgardistischen Tangos, darf mit der berühmten „Balade del loco“ nicht fehlen. Die Sängerin Vanina Sol Tagini interpretiert sie – wie auch die anderen Lieder – ein wenig zu glatt und makellos. Auch ihr Gestus eines Popstars passt nicht so recht zu dem Anspruch, authentischen Tango zu präsentieren.

Trotzdem: Tango Pasión meistert die Gratwanderung zwischen Broadway und Buenos Aires, zwischen Gefälligkeit und rauer Leidenschaft. Das Ensemble zeigt technisch exzellenten Tanz und kommt dabei kraftvoll und sexy herüber. Besonders die ältesten unter den Tänzern vermitteln die nötige Authentizität: Eine Idee davon, dass Tango nicht aus flinken Arm- und Beinbewegungen besteht, sondern aus einem Impuls der Lenden, der sich kunstvoll in einem wohl inszeniertem Körperausdruck fortsetzt – und das auch noch paarweise.

Das große Einmalseins des Begehrens und Verführens auf dem Parkett präsentiert die Gruppe „Tango Pasión“ in ihrer Show „Ultimo Tango“.

Aufführungen in Dortmund: 28. -31. Dezember., täglich; am 2. und 3. Januar in Köln, am 11. Januar in Essen und am 18. Januar in Wuppertal.

Tel. 01805 / 2001,

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Quelle: wa.de

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