NRW streicht Geld für Droste-Hülshoff-Stiftung

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Alterssitz der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff: Das Rüschhaus am Rand von Münster ▪

Von Elisabeth Elling ▪ MÜNSTER–Auf vagem Grund stehen die Pläne für eine Annette-von-Droste-Hülshoff-Stiftung. Diese soll das Geburtshaus der Dichterin erhalten, die Burg Hülshoff in Havixbeck.

Doch die vier Millionen Euro des Landes fürs Stiftungsvermögen sind aus dem Haushalt 2011 gestrichen – NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat sie jetzt in seinem Sparpaket verschnürt. Die ehrgeizigen Pläne des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) für die Wasserburg und das fünf Kilometer entfernte Haus Rüschhaus, den Alterssitz der Dichterin, drohen damit zu versacken wie „Der Knabe im Moor“ aus dem berühmtesten Gedicht der Droste: „O schaurig ist‘s über‘s Moor zu gehn...“

Mit zwölf Millionen Euro soll die Stiftung ausgestattet werden: Je vier Millionen von Land und LWL sowie von weiteren Gründungsstiftern, darunter der Kreis Coesfeld, die Stadt Münster und private Mäzene. Die Familie von Droste zu Hülshoff will Burganlage, Ländereien und Kunstwerke einbringen. Ohne die Übernahme durch die Stiftung könne „ein bedeutendes Stück westfälischer Kultur verloren gehen”, so LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Thale.

Und jetzt? LWL-Sprecher Frank Tafertshofer wirkt nicht so, als befürchte er ein Scheitern der Stiftung. „Wir werden mit Düsseldorf sprechen, wie wir gemeinsam mit dem Sparkurs umgehen“, sagt er. Die Gespräche mit den weiteren Partnern seien „auf einem guten Wege“.

Der LWL will die Burg in Havixbeck und das malerische Haus Rüschhaus am Rand von Münster nach Angaben seiner Kulturdezernentin „touristisch“ erschließen, als „einzigartigen authentischen Erinnerungsort”. „Eine substanzielle museale Präsentation“ zu Leben und Werk der Droste sei überfällig – da wird Rüschoff-Thale niemand widersprechen. Ein Gutachten im Auftrag des LWL entwirft einen „Lyrikwanderweg” zwischen Burg und Rüschhaus, plant Ausstellungspavillons im Burgpark, Räume für internationale Tagungen, Stipendiatenhäuser... Klaus Anderbrügge von der eng mit dem LWL verbundenen Westfalen-Initiative sieht gar Potenzial für „ein zweites Weimar“.

Bescheidener sprach NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im Mai 2010 von einem „nordrhein-westfälischen Literaturzentrum“ in Havixbeck. Dort stellte er den Stiftungsplan vor und versprach die vier Millionen Euro. Das war am 6. Mai 2010 – drei Tage später wurde die CDU-Landesregierung abgewählt. In die Wege geleitet hatte Rüttergs nichts. Nicht die einzige Leerstelle, die er hinterließ: Der von ihm pausenlos beworbenen Initiative „Jedem Kind ein Instrument“ fehlen fest eingeplante Sponsorengelder – sie waren nach Angaben der neuen Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) noch gar nicht eingeworben. Sie will dieses Projekt aber fortführen.

Danach sah es erst auch bei der Hülshoff-Stiftung aus: Im Oktober 2010 informierte Schäfer den Düsseldorfer Kulturausschuss, dass vier Millionen Euro in den (mittlerweile beim Verfassungsgericht anhängigen) Nachtragshaushalt eingebracht würden. Die CDU-Abgeordneten reagierten ablehnend, sie hatten von der Hülshoff-Stiftung noch nie gehört – und ruderten zurück: Man stehe fest zur Stiftung, so der Münsteraner CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg. Er bezichtigte stattdessen den LWL, bei dem Droste-Projekt zu wackeln, was dieser dementierte. Und jetzt stellt die Düsseldorfer Mittelstreichung das Ganze in Frage.

„Der Knabe im Moor“ erreicht am Ende festen Boden.

Quelle: wa.de

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