Stomp mit neuem Programm in Kölns Musical Dome

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Stomp trommeln mit Leidenschaft. ▪

Von Katja Lenz ▪ KÖLN–Es wird gefegt: „Sarge“ betritt die Bühne. Rascheln, Gehen, zwischendurch ein Husten, Besen ausklopfen. „Sarge“ bleibt nicht lange allein. Während die anderen sieben Performer von „Stomp“ mit ihren Besen dazukommen, vereinen sich die Geräusche zu einem erst feinen, dann immer deutlicheren Rhythmus. Bald staubt es heftig auf der Bühne im Musical Dome. Dort war die Premiere des NRW-Gastspiels von „Stomp“.

Die Eröffnungsszene ist einer der Klassiker aus der 20-jährigen „Stomp“-Erfolgsgeschichte. Danach geht es Schlag auf Schlag. In der Episode mit den Streichholzschachteln fliegen nicht mehr die Besen, sondern die Finger auf den kleinen Pappschachteln. So lange, bis eine Schachtel platzt und die Streichhölzer her-ausfliegen. Acht Künstler, sogenannte „Performer“ sind „Stomp“: Sie spielen ihre Rollen, klatschen, stampfen, schnipsen, fegen und trommeln auf Alltagsgegenständen. Daraus ergibt sich das ungewöhnliche, ganze Klangbild. Die eher düstere Bühne besteht aus einer Wellblechwand mit einigen scheinbar wahllos aufgeklebten Schildern („Stop“, „Bumerang werfen verboten“, „Frauenklinik“), darüber thront an Gittern ein ganzes Arsenal an Klang-Nachschub: Dosen, Deckel, Tonnen, Radkappen, Feuerlöscher, Spülbecken…

„Sarge“ ist der Chef der „Putzkolonne“ mit den kunstvoll zerschlissenen Klamotten. Er gibt den Takt vor und muss sich mit „Mozzie“ herumschlagen. Der spielt den nervenden Außenseiter, flankiert von „Doctor Who“, dem die spaßigen Szenen zugeschrieben werden. Es gibt mittlerweile fünf Stomp-Compagnien, die mit insgesamt 100 Stompern durch die Welt touren. Sie sollen ihre Rollen innerhalb der Gruppe spielen, aber immer auch sich selbst treu bleiben – so fordert es die „Stomp“-Philosophie.

In Köln ist „Sarge“ ein großer, breiter Entertainer, „Mozzie“ ein tätowierter Schlacks mit hängenden Schultern und kommentierendem Grinsen, „Doctor Who“ ein Witzbold, der zwischendurch mit seinen langen Haaren fegt. Unter den fünf anderen finden sich auch athletischere Typen. Das Zusammenspiel im Klanguniversum auf der Bühne funktioniert perfekt.

Der Rhythmus ist universell, weitgehend abgehoben von Musikrichtungen – gelegentlich glaubt man Samba-Klänge oder Afrikanisches zu erkennen. Es sind Alltagsszenen mit Alltagsgegenständen zu sehen, aber es werden keine Geschichten erzählt. Stomp hat keine Mission, sondern ist ein fröhliches, lustiges Geräusche-Spektakel: Zum Zeitung lesenden „Mozzie“ gesellen sich einige andere mit Zeitungen. Beim taktvollen Rascheln fängt „Doctor Who“ an, Papierstreifen abzureißen... Natürlich werden jede Menge Tonnen musikalisch bearbeitet. Aber Stomp präsentiert auch ruhigere Klänge, wie beim Zippo-Konzert: Die acht Performer stehen im Dunkeln in einer Reihe, zum Verschluss-Klackern flammen einzelne Feuerzeuge auf – eine Art musikalische Leuchtreklame.

Die Engländer Luke Cresswell und Steve McNicholas haben Stomp Anfang der 90er Jahre erfunden. Die beiden sind auch die Regisseure der neuen 90-minütigen Show, in der viele Stomp-Klassiker zu sehen sind. Das Publikum soll während des Klang-Feuerwerks gelegentlich mitklatschen – aber nur jeweils zweimal, im vorgegebenen Tempo. Der (Miss)-Erfolg wird auf der Bühne gleich kommentiert – freundlich, aber doch bestimmt…

Bis 15. Januar; Tel. 01805/2001 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz); http://www.stomp.de

Quelle: wa.de

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