Rod Stewart lässig und schelmisch bei Konzert in Köln

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KÖLN - Rod Stewart bemerkt schnell, dass die Lanxess-Arena bei seinem Auftritt in Köln bei weitem nicht ausverkauft ist. Grund, seine Show lustlos herunterzurasseln, ist das für den 69-jährigen Briten allerdings nicht. "ihr seid zwar nicht so viele, dafür aber nett und sehr ansehnlich", lächelt er charmant in die vorderen Reihen des Innenraums, der komplett bestuhlt ist.

Von Tim Griese

Professionell und routiniert ist Stewarts Auftritt, gleichzeitig aber garniert der Sänger, der ein wenig erkältet scheint, sein Programm mit dem Humor seiner ihm eigenen schelmischen Art. Der adrette Sunnyboy, der er schon in den 70er und 80er Jahren war, ist der gebürtige Londoner bis heute geblieben. Da wird mit den Background-Sängerinnen auf der Bühne geschäkert, das Publikum mit vollem Körpereinsatz zum Mitmachen aufgefordert, lässig mit den Hüften geschwungen und gerne auch mal Witze gemacht.

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Rod Stewart gibt Konzert in Köln

Lustig sind vor allem die Youtube-Fundstücke, die zwischendurch über die Leinwand flimmern, während Stewart sie kommentiert: Slapsticknummern sind dabei, sogar Stewart in Damenwäsche. Das Publikum biegt sich vor Lachen. Rod Stewart feixt in seinem modischen gelben Sakko. Ein Konzert zum Wohlfühlen ist das in Köln.

Dabei ist die Bühne alles andere heimelig eingerichtet. Edel kommen die Aufbauten daher. Alles ist in Weiß gehalten, an der Decke hängen sichelförmige Lichtinstallationen, die sich später als absenkbar erweisen. Die Damen in seiner Band, drei Background-Sängerinnen und drei Instrumentalistinnen tragen als Arbeitsoutfits einheitliche Minikleider. Als zwischendurch ein Akustik-Set eingebaut wird, kommt noch mehr Weiblichkeit hinzu, gleich ein kleines Orchester. "Jetzt folgen ein paar Stücke über gebrochene Herzen und vergebliche Liebe", kündet Stewart, der sich auf einem Hocker niedergelassen hat, an, um humorvoll anzufügen: "Also, setzen sie sich hin, relaxen sie, machen sie ein Telefonat oder holen sich einen Kaffee."

"First Cut Is the Deepest", im Original von Cat Stevens, macht den Anfang, gefolgt von Crazy Horses "I Don't Want to Talk About It", das vom Fan-Chor mitgesungen wird. "Reason to Believe", das ursprünglich von Folksänger Tim Hardin stammt, sei eine der ersten Nummern gewesen, die er aufgenommen habe, berichtet Stewart im Anschluss. "Das war 1969", sagt er und wiederholt die Zahl, als könnte er selbst nicht glauben, wie lange das her ist.

Auffällig wird im Laufe des Auftritts, wie viele Songs gar nicht aus Stewarts eigener Feder stammen: "It's a Heartache", im Original von Bonnie Tyler, gehört ebenso dazu wie "Downtown Train" von Tom Waits, das Rod Stewart kniend singt, Van Morrisons "Have I Told You Lately" oder aber etwa "Sweet Little Rock & Roller" von Chuck Berry, das richtigen Rock 'n' Roll der alten Schule auf die Kölner Bühne bringt.

All diese Stücke macht Stewart mit seiner Reibeisen-Stimme zu etwas eigenem. Songs wie "Rhythm of My Heart", das für den niederländischen Sänger René Shuman geschrieben wurde, oder aber "Sailing", einer von Stewarts größten Hits, aber ursprünglich vom britische Duo der "Sutherland Brothers" aufgenommen, sind landläufig nur in Stewarts Version bekannt. Die Zuhörer sind gerade bei letzterem, das als Zugabe kommt, begeistert.

Zu gestandenen Männern und reifen Damen sind die Teenager-Fans aus Stewarts musikalischer Jugendzeit geworden. Dass sie im Geiste jung geblieben sind, zeigen sie nicht nur durch konsequente Tanzeinlagen, sondern vor allem beim Ballspiel: Rod Stewart ballert von ihm signierte Fußbälle in die Arena - und Männer prügeln sich fast bei den körperbetonten Versuchen, ein herumsausendes Souvenir zu ergattern. Auf der Fremdschäm-Skala schnellen die Werte in die Höhe, als die Herren der Schöpfung übereinander auf den Hallenboden stolpern.

Rod Stewarts Liebe zum Fußball ist während des gesamten Konzerts spürbar. Nicht nur, dass das Schlagzeug auf seinen Lieblingsclub, Celtic Glasgow, hinweist, der Song "You're in My Heart (The Final Acclaim)" steht ganz im Zeichen des beliebten Ballports - nicht nur textlich, sondern auch mit Spielszenen auf der Leinwand, die zuletzt auch einen auf der Tribüne tränenverdrückenden Rod Stewart zeigt, der eigentlich selbst einmal eine Karriere als Profi-Fußballer einschlagen wollte.

Es ist anders gekommen. Braungebrannt und mit blond gefärbter Haarpracht steht er nach mehr als 45 Jahren Musikkarriere noch immer auf den ganz großen Bühnen. Das Hemd hängt halb aus der Hose, die Krawatte baumelt lose um den Hals. Lässig und jugendlich ist Stewart geblieben. Ein humorvoller Blick aufs Älterwerden ist dazu gekommen.

Zum Schluss wird ein altes Zitat eingeblendet: "Mit 50 Jahren möchte ich 'Da Ya Think I'm Sexy' nicht mehr singen und eine Parodie meiner selbst werden." Was macht Stewart? Natürlich spielt er den Song und muss keine Angst um sein Image haben.

Quelle: wa.de

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