Cat Stevens alias Yusuf singt in Düsseldorf

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Cat Stevens alias Yusuf in der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf.

DÜSSELDORF - Der Mann, der sich einst Cat Stevens nannte und heute Yusuf heißt, wartet auf den Zug. Nicht alleine. Fünf Freunde, ebenfalls Musiker, harren mit ihm am Bahnhof aus. Der Mond geht auf, der Morgen graut und irgendwann dämmert es wieder.

Von Tim Griese

Glücklicherweise weiß Yusuf, wie er sich die Zeit vertreibt – und denen, die ihm beim Warten zusehen, den 3400 Zuhörern in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf: Er singt, spielt Gitarre, sitzt am Klavier. Vor allen Dingen aber macht er eines: ein rund zweieinhalbstündiges Konzert wie im Nu vorbeihuschen lassen.

Zugegeben, die Konzerthalle versprüht an diesem Abend ein wenig Phantasialand-Flair. Anders als bei modernen Rock- und Popkonzerten, bei denen bunte Filmchen über riesige LED-Wände flimmern, um auch visuell für ein besonderes Erlebnis zu sorgen, setzen die Bühnenarbeiter bei Yusufs Tour auf Handarbeit. Da haben sie doch tatsächlich ein richtiges Bahnhofshäuschen aufgebaut – zumindest von außen. Am Rand steht ein Ortsschild, „Düsseldorf“ ist darauf notiert. Die Silhouette eines Windrades ragt in den Himmel. Eine Bank steht da, ein Wagenrad und einige Kisten liegen verstreut herum.

Dazwischen hat sich Yusufs Band verteilt. Der 66-jährige Brite hat die meiste Zeit eine Gitarre umgeschnallt. Mal steht er, mal nimmt er auf einem Hocker Platz. Bescheiden lächelt er, bedankt sich demütig, verbeugt sich und macht Witze. Als der „Peace Train“ schließlich einläuft, scheint es nur kurz so, als ob die Band den Zug nimmt und mit ihm davon fährt. Die Musiker kommen zurück, bleiben noch ein wenig da. Es ist ja schließlich das letzte Konzert der Europa-Tour.

Steven Demetre Georgiou alias Cat Stevens alias Yusuf Islam alias Yusuf – so chameleonartig sich der Künstler mit seinen Namensbezeichnungen gibt, so vertraut ist der kleine Mann mit dem Bart und der prägnanten Stimme seinen Fans, als er im Rampenlicht steht und die Zuhörer ihn aus dem Zuschauerraum der vollbestuhlten Halle mit tosendem Beifall begrüßen. „Moonshadow“ heißt der erste Song, eines seiner bekanntesten Stücke. Das hat etwas von einem Versprechen: Heute wird geklotzt. Aus den Lautsprechern kommen alle bekannten Hits – und neues Material vom eben erschienenen Album „Tell ‘Em I’m Gone“.

Wer im Publikum sitzt und nicht weiß, welche Songs, die mittlerweile durch die Bank zu Evergreens geworden sind, aus Cat Stevens’ Feder stammen, wird am Ende erleuchtet mit der Masse in die Düsseldorfer Nacht gespült werden. Das nachdenkliche „Father & Son“, ein beliebtes Coverstück, gehört dazu, genauso die Herzschmerz-Ballade „First Cut Is the Deepest“. Liebe ist auch das zentrale Thema in „Wild World“, ebenfalls einverleibt von vielen bekannten Musikern wie Jimmy Cliff oder Mr. Big. In „Where Do the Children Play“ wird’s gesellschaftskritisch mit der Erkenntnis, dass sich die Welt immer weiter verändert, aber bei allem Fortschritt keine Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen gelegt wird.

Seine erste Single aus dem Jahr 1966, „I Love My Dog“, enthält Yusuf den Zuhörern auch nicht vor. „Wir werden ein wenig jazzy heute Nacht“, kündigt er das Stück an. Den Charme des Wilden Westens versprüht „Roadsinger“ mit schwelgerischem Klavier. Hippie-Flair bringt, obwohl erst ein paar Jahre alt, „Thinking ‘Bout You“ mit.

Einen großen Teil des zweiten Sets nimmt der Blues ein –- was Yusufs aktuellem Album zu verdanken ist. Dort hat er den Spieß umgedreht, sich seine Lieblingsmusiker vorgeknöpft und selbst reichlich Songs gecovert. „Ich habe früher viele R-’n’-B-Platten gehört“, erklärt er. Das sei ein Teil seiner Jugend gewesen. Yusuf stellt Edgar Winters „Dying to Live“ vor und auch das von Luther Dixon und Al Smith geschriebene „Big Boss Man“. „You Are My Sunshine“ kennt jeder. Die Version von Ray Charles habe ihn am meisten beeindruckt, gibt der Musiker zu, personalisiert die Nummer aber auf seine Art. Eigene Bluesnummern gibt es mit „Raised in Babylon“ und „Gold Digger“ auch. Schön, denn Songwriting kann Yusuf am besten.

Quelle: wa.de

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