Stephanie zu Guttenberg bei RTL II „Tatort Internet“

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Stephanie zu Guttenberg, Frau des Bundesverteidigungsministers, aufgenommen am Donnerstag (07.10.2010) in Berlin bei der Präsentation der neuen RTL-II-Sendung "Tatort Internet", die sie von diesem Donnerstag an zehn Mal moderieren wird. Bei der Sendung geht es um die Jagd nach Tätern, die sich Kindern im Netz nähern. "Sexueller Missbrauch darf nicht mehr als Vergehen, sondern als Verbrechen geahndet werden" sagte zu Guttenberg.Bildfunk+++

Von Tobias Schröter ▪ Hektische Bildschnitte, bedrohlicher Kommentar, Spannungs-Musik: Der Einstieg in die Serie „Tatort Internet“ ist genau so reißerisch, wie man sich ein RTL-II-Produkt vorstellt.

In dem neuen Format des Senders, dessen Pilotfolge am Donnerstagabend über die Bildschirme flimmerte, lockt ein Redaktionsteam vermeintliche Pädophile in die Lolita-Falle. Eine erfahrene Redakteurin gibt sich in Chat räumen als 13-Jährige aus und zieht die Aufmerksamkeit erwachsener Männer auf sich. Nach mehreren Wochen voller Chats, SMS und Anrufe kommt es zum Treffen, bei dem der Täter zunächst von einer Jung-Schauspielerin empfangen und nach kurzer Zeit dann vom Redaktionsteam samt Personenschutz gestellt und mit Fragen bombardiert wird.

Alles in allem also eine Sendung, bei der man sich gut eines der RTL-II-bekannten Gesichter wie Aleksandra Bechtel als Moderatorin vorstellen könnte, oder vielleicht eine gestrenge Sonja Zietlow. Stattdessen – und das sorgte im Vorfeld der Erstausstrahlung mächtig für Medienrummel – führt neben dem ehemaligen Hamburger Innensenator Udo Nagel Stephanie zu Guttenberg, Gattin des Verteidigungsministers Theodor zu Guttenberg, durch die Pilotfolge.

Der Leichtkost-Privatsender und „Deutschlands heimliche First Lady“ – ist das nun befremdlich, unsinnig oder gar blamabel? Ja und nein. Denn einerseits wird durch die oft effekthaschende Aufmachung das ernste Thema unangemessen behandelt. Und vor allem im Schlussteil, in dem eine mit Bild und Namen dargestellte 13-Jährige davon erzählt, wie sie von einem Kinderschänder erpresst wurde, liegt die Sendung wieder nah an der üblichen voyeuristischen Machart, die viele (Möchtegern-)Dokumentationen herabqualifiziert.

Andererseits kann die Ministergattin im Gespräch mit Nagel ihre Erklärungen und Warnungen an den Zuschauer bringen. Durch maßgeschneiderte Fragen in Position gesetzt, erweist sich die Präsidentin der Kinderschutz-Organisation „Innocence in Danger“ als Fachfrau auf dem Gebiet Missbrauchs-Bekämpfung. Auch die von den Grünen geäußerte Kritik, die Sendung sei ein „neuzeitlicher Pranger“, ist ungerechtfertigt: Die vermeintlichen Pädophilen werden Ganzkörper-gepixelt und mit Stimmenverzerrer komplett verfremdet. Eine öffentliche Zurschaustellung ist das nicht.

Die Sendung präsentiert bei aller Effekthascherei die erschreckende Realität von lüsternen Erwachsenen, die den Kontakt zu Minderjährigen bis hin zum persönlichen Treffen ausbauen. Und daher wird die Fallensteller-Sendung für Stephanie zu Guttenberg nicht zur persönlichen Falle, durch die sie ihr öffentliches Ansehen beschädigt. Sie wirkt nicht vor einen falschen Karren gespannt – ja vielleicht erreicht sie gerade hier das Publikum, dass dringend über diese Problematik aufgeklärt werden muss.

Mit der Quote war RTL II durchaus zufrieden: 1,34 Millionen Zuschauer schalteten am Donnerstag Abend ein. Die weiteren Folgen laufen nun montags ab 20.15 Uhr.

Quelle: wa.de

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