LWL stellt Entdeckung eines Römerlagers in Olfen vor

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Aus dem Alltag der Legionäre: Die Terra sigillata ist ein tönernes Gefäß mit Stempel, gefunden bei Olfen. ▪

Von Tim Griese - MÜNSTER ▪ „Das ist ein Sensationsfund“, sagte Wolfgang Kirsch. Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) freute sich, als er über das römische Militärlager sprach, das an der Lippe in Olfen gefunden wurde. Die Kleinstadt liegt 30 Kilometer nördlich von Dortmund. Bereits um 1890 hatte der Fund eines Bronze-Helmes die Suche entfacht. Vor zwei Jahren führten schließlich Tonscherben die Archäologen auf den richtigen Weg. Nun stellten die Forscher die ganze Entdeckungsgeschichte im archäologischen Gebäude des LWL in Münster vor.

Nach den Funden 2009, die auf das Konto von ehrenamtlichen, dem LWL zuarbeitenden Schatzsuchern gingen, gab es 2010 die ersten Probegrabungen in einem angrenzenden Waldgebiet. Die Forscher entdeckten eine Art Abfallgrube, aus der sie Knochenreste von Tieren, Metall- und Eisenteile und Keramikscherben bargen.

Zu den weiteren Fundstücken gehören unter anderem auch Teile einer in Südspanien hergestellten Fischsoßenamphore. Nahrungsmittel seien für die Truppen auch aus südeuropäischen Regionen antransportiert worden, erklärte die Grabungsleiterin Bettina Tremmel. Dazu gehörte auch Schweinefleisch. Es sei durchaus denkbar, dass die Tiere bis nach Germanien getrieben worden seien. Ob es sich bei den Überresten um römische oder germanische Schweine handele, müssten Archäozoologen vermessen, so Bettina Tremmel.

Zu weiteren Fundstücken der Forscher zählen außerdem das Randstück eines Öl-Fläschchens, Gewandspangen und der Boden einer sogenannten Terra sigillata, einem tönernem Gefäß, das anhand eines eingearbeiteten Stempels Rückschlüsse auf den Töpfer zulässt. Insgesamt rund 200 Fundstücke stellten die Archäologen bislang sicher, darunter über 100 Bronze- und Silbermünzen.

Bei einem rund 13 Meter langen und zweieinhalb Meter tiefen Suchschnitt auf einem Feld legten sie zudem die Fundamentspuren einer Holz-Erde-Mauer frei, die das Lager umgab, sowie einen Spitzgraben. Mit Hilfe von Luftaufnahmen und einer Magnetprospektion hatten die Forscher zuvor Klarheit über die Lage der Befestigung gewonnen. Mit dem Lager sei ihnen eine ganz wichtige Entdeckung gelungen, sagte Michael Rind, Chef-Archäologe des LWL. Ein Jahrhundertfund sei das, „eine kleine archäologische Sensation“.

Die Fläche des Lagers beziffert Bettina Tremmel auf rund fünf Hektar. Rund 1000 Legionäre seien in dem winterfesten Nachschublager möglicherweise stationiert gewesen. Angelegt wurde es für die Versorgung der Römer, ausgehend vom Rhein über die Lippe hin bis nach Oberaden. Tremmel datiert das Lager auf die Zeit der Drusus-Feldzüge. Der römische Feldherr, Stiefsohn von Kaiser Augustus, zog bis 9 v. Chr. gegen die Germanen. Existiert habe das Lager vermutlich ab 11 v. Chr. nur wenige Jahre, etwa bis 7 v. Chr.

„Mit dem Fund haben wir einen Lückenschluss zwischen den bereits gefundenen Lagern in Oberaden und Haltern geschafft“, erklärte Rind. „Wenn wir das weiterspinnen, gibt es einige Möglichkeiten von noch unentdeckten Lagern.“ Vor allem für das Gebiet östlich von Oberaden gebe es berechtigte Vermutungen.

Bei der Frage, wie es in Olfen weitergeht, hielt sich der LWL bedeckt. „Wir haben es mit einem jungfräulichen Denkmal zu tun, das im Boden ruht“, sagte Rind. „Es muss mit aller Sanftmut behandelt werden.“ Es gebe auch noch keinen Grabungsplan, erklärte Kirsch. Es würden aber noch weitere Jahrzehnte der Erforschung des Lagers gewidmet werden. „Damit lassen wir uns genug Zeit“, sagte der Direktor.

Quelle: wa.de

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