„Starke Frauen“ im Fritz-Winter-Haus Ahlen

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Hede Bühls „Kopf“ (1987) ist in Ahlen zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ AHLEN–Das verbrannte Rot weicht zurück und gibt das Blau frei. Wie ein Fluss, der sich seinen Weg bahnt, oder ein Streifen Himmel, der plötzlich durch die Wolken bricht. Das großformatige Bild „Antonio Vivaldi“ (2010) von Yael Niemeyer scheint fast zu bersten vor explosiver Kraft.

Unter dem Titel „Starke Frauen“ zeigt das Fritz-Winter-Haus in Ahlen rund 100 Werke der drei Künstlerinnen Yael Niemeyer, Martine Andernach und Hede Bühl, darunter Skulpturen, Gemälde, Grafiken und Collagen. Eine sehenswerte, spannungsvoll komponierte Ausstellung, die die Werke nicht nach Künstlern getrennt präsentiert, sondern gelungen miteinander in Dialog treten lässt.

Jede der drei Künstlerinnen war bereits mit Einzelausstellungen im Fritz-Winter-Haus vertreten, Andernach zuletzt in 2006, Bühl in 1997 und Niemeyer, die ihre erste Ausstellung in diesem Forum bereits 1976 hatte, letztmalig in 2010.

Hede Bühl, geboren 1940 in Haan bei Düsseldorf, widmet sich in ihren Papierarbeiten und Skulpturen vor allem dem Thema des menschlichen Kopfes. Ihre goldfarbenen, hochglänzenden Formen aus polierter Bronze möchte man am liebsten berühren. Meist sind die Köpfe deformiert, manchmal tragen sie Bandagen und erinnern an Köpfe von Mumien. Sie haben keine Nasen, Münder und Augen sind lediglich angedeutet. Häufig sehen sie aus wie Fechtmasken oder Rüstungen. Verschlossen und still ruhen sie in sich, geben nichts preis.

Zurückhaltend sind auch die Arbeiten von Martine Andernach, geboren 1948 in Rang du Fliers in Frankreich. Auch sie bezieht sich meist auf die menschliche Figur, die sie zu kraftvollen Zeichen reduziert. Die Skulptur „Arcane“ (2006) aus Corten-Stahl etwa erinnert vage an einen Kopf mit überlangem Hals, oder an ein Kommazeichen. Oft sind die Arbeiten aus geometrischen Formen zusammengesetzt. Brandaktuell die Serie von zartfarbigen Collagen (2012), die Variationen von Kuben zeigt.

Umgeben von diesen ruhigen, fast sakralen Werken entfalten die Arbeiten der 1943 in Berlin geborenen, ehemaligen Fritz-Winter-Schülerin Yael Niemeyer ihre volle Farbkraft. Die Gemälde lassen nichts Gegenständliches erkennen. „Secret rocks“ (2000) zeigt beispielsweise schwarze Farbspuren über grau-violetten Strukturen, umgeben von Rot. Das wirkt wie eine Höhle oder wie Vulkangestein. Formal streng sind dagegen ihre bildhauerischen Arbeiten, wobei die aktuellsten Werke die Natur mit einbeziehen. So besteht die Skulptur „Two worlds“ (2012) aus dem Bronzeabguss einer gewundenen, praktisch dreiarmigen Baumwurzel, die eine polierte runde Bronzeform trägt. Auch in der Arbeit „Flug durchs Mittelalter“ (2012) verwendet die in Bielefeld lebende Künstlerin ein natürliches Fundstück. Hier ist es ein mittelalterliches, geschwärztes Stück Holz mit goldfarbenden Astlöchern. Versehen mit einer goldfarbenen Metallplatte wird es zum Podest für die geheimnisvolle runde Form mit Fledermauskopf und angedeuteten Flügeln.

Bis 23.12., di, mi, sa 15 – 18, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 61582,

http://www.fritz-winter-haus.de

Quelle: wa.de

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