Stargast Cate Blanchett und Thema Russland: Programm der Ruhrfestspiele

Hollywoodstar Cate Blanchett spielt Boto Strauß in Recklinghausen. ▪

RECKLINGHAUSEN–Die Ruhrfestspiele pflegen ihr Image als „Recklingwood“: Diesmal kommt die australische Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett ins Revier. Gast des Festivals war sie schon 2008, als Regisseurin. Diesmal wird sie ab 25. Mai auf der Bühne des Festspielhauses stehen im Stück eines deutschen Autors, in Botho Strauß‘ „Groß und Klein“.

Von Ralf Stiftel

Die internationale Koproduktion mit dem Barbican London, dem Théâtre de la ville Paris, den Wiener Festwochen steht nicht allein. Auch sonst bietet Festivalleiter Frank Hoffmann wieder prominente Akteure aus Film und Fernsehen auf. Katja Riemann kommt mit „Winter. Ein Roadmovie“ nach Heine und Schubert, Burghart Klaußner spielt den Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“. Und das Abschlusskonzert bestreiten die Kölsch-Rocker BAP. Es gibt 80 Produktionen mit 266 Aufführungen, kündigte Hoffmann gestern im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel an.

Das Festival steht unter dem Motto „Im Osten was Neues: Von den fernen Tagen des russischen Theaters in die Zukunft“. Die russischen Klassiker von Gogol über Tolstoi bis Tschechow bestimmen das Programm. Gleich die Eröffnungspremiere sei wie „für heute geschrieben“, verspricht Hoffmann, der bei Gogols „Revisor“ Regie führt, es spielen unter anderem Jevgenij Sitochin („Die Bourne Verschwörung“) und der frühere „Tatort“-Kommissar Bernd Michael Lade.

Sebastian Hartmann sorgte vor einem Jahr für kontroverse Meinungen über seine Bühnenfassung von Wim Wenders‘ Film „Paris, Texas“. Diesmal nimmt er sich Leo Tolstois Großroman „Krieg und Frieden“ vor, den er zu einem Theaterabend kondensieren will.

Der wohl wichtigste russische Bühnenautor ist Anton Tschechow. Luc Perceval inszeniert in einer Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg „Der Kirschgarten“ mit Barbara Nüsse. Außerdem sind zwei Arbeiten des 2009 verstorbenen Regisseurs Jürgen Gosch für das Deutsche Theater Berlin zu sehen, „Onkel Wanja“ und „Die Möwe“ – und es war nicht leicht, die beteiligten Schauspieler wie Ulrich Mathes und Corinna Harfouch wieder zusammen zu bringen. Und das Moskauer Theater der Nationen zeigt einen ungewöhnlich schrillen Tschechow mit „Das schwedische Zündholz“. Der französische Starregisseur Patrice Chéreau spielt einen Auszug aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“.

Tanzfreunde können sich auf ein Gastspiel des Eifman State Academy Ballet aus St. Petersburg freuen: Es bietet eine Choreografie nach Puschkins Novelle „Eugen Onegin“ zu Musik von Tschaikowsky und russischem Rock. Der britische Regisseur Simon McBurney bringt Michail Bulgakovs Faust-Variation „Der Meister und Margarita“ als Produktion mit Puppen und Videoeinspielungen. Ein weiteres Projekt bringt in „Traum eines lächerlichen Menschen“ nach Dostojewski Psychiatrie-Patienten der Klinik in Herten mit Profis wie Wolfram Koch zusammen.

Besonderen Wert legt Festivalchef Hoffmann auf die Uraufführungen. Dazu gehört eine schwarze Komödie des 2007 verstorbenen Dramatikers George Tabori, „Abendschau“, ebenso wie das Stück „Die Opferung von Gorge Mastromas“ des jungen britischen Erfolgsautors Dennis Kelly („Waisen“). Fünf neue Stücke deutscher Autoren bilden ein „Festival der Uraufführungen“ im Festival, darunter ist das Gewinnerwerk des Kleist-Förderpreises von Marianne Salzmann, „Muttermale Fenster blau“, das neue Stück des Regisseurs Kevin Rittberger, „Lasst euch nicht umschlingen ihr 150 000 000!“ und die Dramatisierung von Max Fischs Frühwerk „Antwort aus der Stille“. Keine Uraufführung ist „Der Fall der Götter“, die Bühnenfassung von Viscontis Film „Die Verdammten“ über die Krupp-Dynastie.

Das opulente Programm wird noch flankiert von Lesungen, Kabarettabenden, dem Fringe Festival und einer „Leisen Disco“ im Kuppelzelt, bei der die Tänzer über Kopfhörer die Wahl unter zwei Musikprogrammen haben. Im vergangenen Jahr hatte das Festival einen Rekord erzielt mit 81 000 Besuchern.

Die Ruhrfestspiele beginnen am 1. Mai mit dem traditionellen Volksfest auf dem Grünen Hügel. Die wichtigsten Produktionen:

▪ Der Revisor, von Gogol, Regie: Frank Hoffmann, 3.-7.5

▪ Das schwedische Zündholz, Theater d. Nationen, Moskau, 7.–9.5.

▪ Krieg und Frieden nach Tolstoi, Regie: S. Hartmann, 10.–14.5.

▪ Die Opferung von Gorge Makoras, von D. Kelly, 12.–14.5.

▪ Festival der Uraufführungen, 15.5.–9.6.

▪ Donka, Choreografie zu Tschechow, 16.–20.5.

▪ Der Kirschgarten, Regie: Luc Perceval, 16.–18.5.

▪ Der Großinquisitor, mit Patrice Chéreau, 19.5.

▪ Winter. Ein Roadmovie, mit Katja Riemann, 19.–23.5

▪ Onkel Wanja, Regie: Jürgen Gosch, 21., 22.5.

▪ Groß und Klein, mit Cate Blanchett, 25.5.–2.6.

▪ Wladimir Kaminer: Lesung und Russendisko, 27.5.

▪ Traum eines lächerlichen Menschen, 30., 31.5.

▪ Eltern, Liederabend von Franz Wittenbrink, 1., 2.6.

▪ Abendschau, von G. Tabori, 2.–6.6.

▪ Onegin, Eifman Ballet St. Petersburg, 4.–7-6.

▪ Die Möwe, Regie: Jürgen Gosch, 9., 10.6.

▪ Tod eines Handlungsreisenden, mit B. Klaußner, 11.–16.6.

▪ Der Fall der Götter, nach Visconti, 13.–15.6.

▪ Der Meister und Margarita, Regie: Simon McBurney, 13.–16.6.

▪ BAP, Kölschrock, 16.6.

Tel. 02361/ 92180; http://www.ruhrfestspiele.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare