Der spanische Künstler Antoni Clavé im Picasso-Museum

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Vielleicht ein Gruß an Picasso: Antoni Clavés Skulptur „A Don Pablo“ (1986) ist im Picasso-Museum Münster zu sehen.

MÜNSTER - Die Muschel drückt sich in den Sand wie ein Fossil. Daneben schimmern Kieselsteine, eine schwarze Linie erinnert an Wellen, genau wie der blaue geriffelte Karton. Die Collage „Coquille-plage“ von 1939 ist die früheste Arbeit von Antoni Clavés, präsentiert in der Ausstellung „Ein Spanier in Paris“ im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster.

Von Marion Gay

Die rund 70 Werke aus allen Schaffensperioden bis 2003 sind Leihgaben einer französischen Privatsammlung. Zu sehen sind Collagen, Gemälde, Skulpturen, Radierungen, Druckplatten und monumentale Triptychen.

Clavé, geboren 1913 in Barcelona, verstorben 2005 in Saint Tropez, gilt als einer der bedeutendsten spanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Während es in den 70er Jahren bis in die 90er einen Hype um seine Arbeiten gab, wie Museumsleiter Markus Müller erklärt, ist er in den letzten Jahren nahezu in Vergessenheit geraten. So ist die Schau in Münster die erste monografische Ausstellung des vielseitigen Künstlers in Deutschland seit Jahrzehnten.

Clavé beginnt seine kreative Laufbahn 1927 mit einer handwerklichen Ausbildung als Fassadenmaler, nebenbei besucht er Kunstklassen an der Abendschule. In den 30er Jahren entwirft er Kino- und Werbeplakate und zeichnet für die republikanische Regierung, bevor er 1939 auf der Flucht vor dem Franco-Regime nach Paris zieht. Hier widmet er sich Bühnen- und Kostümgestaltungen und trifft 1944 Picasso, mit dem er freundschaftlich verbunden bleibt. „Das war eine fantastische Offenbarung ... Ich bin völlig verwandelt daraus hervor gegangen“, sagt er später über seinen ersten Besuch in Picassos Atelier.

Nach erfolgreichen Jahren als Buchillustrator und Bühnenbildner in Paris, München, London und New York beschließt er 1954, sich ganz der Malerei zu widmen. 1959 und 1964 stellt er auf der documenta in Kassel aus. Das Bild „Poisson“ (1959) zeigt die Umrisse eines dunklen Fisches auf grau-schwarzem Grund, das aufmontierte bräunliche Papier deutet Flossen an. Im Bild „La nappe“ von 1960 finden sich Stoffstreifen, die Clavé mit dunklen Formen teilweise übermalt.

In den 70er Jahren entstehen großformatige abstrakte Bilder in meist dunklen Farben. Schwarze oder braune Streifen überlappen zerknülltes Papier, das häufig nicht einmontiert, sondern täuschend echt gemalt ist (zum Beispiel im Bild „Peinture“ von 1978). Als Leitmotiv lassen sich gemalte oder eingefügte Handschuhe erkennen.

Zwischen 1962 und 1976 arbeitet Clavé an gitarrenähnlichen Objekten aus Holz, Karton und Bildfäden, die er in Kästen wie Tafelbilder arrangiert. Später tauchen Reminiszenzen an Instrumente in den Prägedruck-Arbeiten auf: In der Serie „Instrument étrange“ (1980) sind Linien wie Gitarrensaiten ins Papier gedrückt, zarte Schraffuren werden von schwarzen Balken oder roten Flächen überdeckt. Viele Arbeiten sind in den Farben der Tricolore gehalten wie etwa das monumentale Bild „Droles de guerriers“ (1983). Hier wirkt das Rot wie Blut, das aus einer organischen Fläche in dünnen Fäden über die Leinwand rinnt. Ins intensive Blau fügen sich zerknüllte Papiere, Linienzeichnungen werden von schwarzen Flächen überdeckt. An eine menschliche Figur erinnert das große Bronze-Objekt „A Don Pablo“ (1986). Eine Art Mund klafft in der verwittert wirkenden Kreuz- oder Blütenform, die kurzen Beine scheinen von Drähten am Boden gefesselt.

In einer parallelen Ausstellung sind Picasso-Arbeiten aus dem eigenen Bestand zum Thema „Carmen“ zu sehen, jener spanischen Frauenfigur, mit der sich auch Clavé beschäftigte, indem er Kostüme und Bühnenausstattung für die Carmen-Oper schuf. Picasso inszeniert die Femme fatale mal als selbstbewusste Andalusierin, die im Stierkampf den Tod findet, mal als Wahrsagerin oder Gauklerin.

Bis 3.5.; di – so 10 – 18 Uhr

Tel. 0251/ 41 44 710

www.picassomuseum.de

Katalog, Druckverlag Kettler, Dortmund, 19,90 Euro

Quelle: wa.de

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