Soundgarden stellen in Dortmund neue CD vor

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Ein Mann für harte Töne: Sänger Chris Cornell von der Band Soundgarden im Dortmunder FZW. ▪

Von Frank Zöllner ▪ DORTMUND–Am Ende gibt es sie dann doch – die wilde Rockstar-Pose. Bei „Slaves & Bulldozers“, dem letzten Song des Abends, zertrümmert Chris Cornell seine Gitarre, nachdem er ihr die typisch sägenden Klänge entlockt hat. Es ist ein Dokument einer kraftvollen Rückkehr: Im Dortmunder FZW stellen Soundgarden bei ihrem einzigen Konzert in Deutschland ihr neues Album „King Animal“ vor (Universal/Mercury), nachdem die Band im Sommer bei Rock am Ring aufgetreten war.

16 Jahre nach „Down On the Upside“ aus dem Jahr 1996 legt das Fossil der Grunge-Ära, das mit Nirvana und Pearl Jam an der Spitze der Bewegung aus Seattle stand, 13 neue Songs in 52 Minuten Länge vor. Nun, seit dem ist viel passiert: Grunge ging in den Mainstream über. Es bekamen andere musikalische Phänomene die Aufmerksamkeit wie Britrock (Franz Ferdinand), Garage-Punk (The Strokes), die Wiederentdeckung des Blues durch Jack White.

Also ist die Frage erlaubt: Wer wartet über anderthalb Jahrzehnte auf einen neuen künstlerischen Ausdruck aus einer geschichtlich abgeschlossenen Zeit? In der intimen Dortmunder Klubatmosphäre sind dies nicht ausschließlich mitgealterte Fans. Soundgarden war schon immer so etwas wie ein Zwitterwesen: Für Punks zu sehr Hardrock und für Metalheads zu sehr punkig. Dennoch war der Erfolg riesig: Und nach zwei Grammys und über 21 Millionen verkauften Platten wollen es Soundgarden also noch einmal mit „King Animal“ wissen. Und die neue Single „Been Away Too Long“ spricht vielen an diesem Abend aus der Seele.

Für Dortmund als Ort für eine Klubkonzert gibt es gute Gründe: Hier gab es lange Zeit einen respektablen Indie-Club namens „Soundgarden“ und ein hier ansässiges Hardrock-Magazin hatte genau diese Band im Jahr 1992 auf ihrem ersten Cover.

Das neue Album fügt sich bestens in das Gesamtwerk ein. Bei Auftakt zupft in „Rowing“ Bassist Ben Shepherd lässig die Saiten, Gitarrist Kim Thayil wird als Stoiker in dem fast zweistündigen Konzert nicht einmal die Miene verziehen, während Chris Cornell mit schmerz-verzerrter Miene markant und manchmal schreiend seine prägende Stimme einbringt und Drummer Matt Cameron mit seinem Instrument das Tempo in die Höhe treibt.

Acht neue Stücke werden ins Line Up aufgenommen, dazu kommen epochale und brachiale Klassiker wie das abgrundtief dunkle „Room A Thousand Years Wide“, „Spoonman“ oder „Let Me Drown“.

Und tatsächlich: Das Quartett hat es noch immer drauf – und das merkt man dem souveränen und kraftvollen Auftritt an. Facettenreich sind die neuen Songs angelegt: Da gibt es das vor Energie strotzende „Blood On The Valley Floor“ bis hin zum konträren und mitunter sogar jazzigen „Black Saturday“.

Auch das brettharte „Non State-Actor“ und „A Thousand Days Before“ mit schlurfenden Riffs und den permanent psychedelischen Einschlägen machen deutlich, dass Soundgarden mit ihrem damals innovativen Hardrock immer noch auf der Höhe der Zeit sind. Aber auch das ruhig-melodiöse „Taree“ und das pathetische „Blood On The Valley Floor“ haben das Zeug zu Grunge-Hymnen wie etwa „Black Hole Sun“. Der Wunsch Cornells könnte damit in Erfüllung gehen: Nicht nur alte Fans überzeugen, sondern auch neue hinzugewinnen.

Quelle: wa.de

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