Soulsängerin Alicia Keys bietet in Köln einen makellosen Auftritt

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Modisch wie musikalisch stilsicher: Die Sängerin Alicia Keys gastierte in Köln.

Von Jörn Funke KÖLN - Klavierstunden mit neun, ein Schallplattenvertrag mit 16, der Auftritt beim Super Bowl mit 24, In der Karriere von Alicia Keys lief alles perfekt. „Superwoman“ heißt einer ihrer Songs. Fehler? Ausraster? Wenigstens eine kleine Geschmacklosigkeit oder eine falsche Note?

Alles Fehlanzeige bei der 32-jährigen R&B-Diva. Am Mittwoch legte sie in Köln einen ebenso mitreißenden wie makellosen Auftritt hin.

„Girl on Fire“ heißt das Album, mit dem Alicia Keys unterwegs ist. Der Titel ist Programm, steht in diesem Fall für eine rasante Eineinhalb-Stunden-Show mit 20 Songs. 9 800 Zuschauer kamen dafür in die komplett bestuhlte Lanxess-Arena, nur ganz oben unterm Dach bleiben noch ein paar Plätze frei. Geboten wird die große Show mit vier Tänzern, drei verschiedenen Klavieren und einer Kesselpauke für die Künstlerin. Bunt und laut ist das Motto des Abends.

Dabei haftete der Sängerin immer das Image einer etwas langweiligen Musterschülerin an – ein Kind aus schwierigen sozialen Verhältnissen, das mit Liebe zur Musik, dem Glauben an das eigene Talent und ganz viel Fleiß nach oben gekommen ist. Alicia Keys hat 30 Millionen Alben verkauft und 14 Grammys bekommen. Zum beruflichen Erfolg kam das private Glück, mit Hochzeit und der Geburt des ersten Kindes. Der Zweijährige ist mit auf Tournee.

Es ist die amerikanische Traumgeschichte vom Teenager, der ein Studium ausschlägt, um es im Musik-Business zu versuchen, von der jungen Frau, die ein Prince-Cover aufnimmt („How Come You Don‘t Call Me“), das dem Großmeister tatsächlich gefällt. Bob Dylan erwähnt sie in einer Song-Zeile („Thunder on the Mountain“). Mehr Ruhm geht nicht – und das in so jungen Jahren?

Keys gewann ihr Publikum mit einem Retro-Soul, den sie mit gerade der Portion Hip-Hop anreicherte, die genügt, um eben „hip“ zu sein. Sie kultivierte einschmeichelnde Melodien, wie sie vor 30 Jahren von Marvin Gaye und Gladys Knight zu hören waren, war sich aber auch nicht zu schade, mit voluminösen Balladen nach dem Whitney-Houston-Erbe zu greifen.

In Köln zieht sie alle Register. „You Don‘t Know My Name“, eine wunderbare Soul-Ballade ergänzt sie um ein gespieltes Telefongespräch: Eine Kellnerin überredet einen unbekannten Gast zu einem Date. Das gab es bereits 2003 im Video zum Song, aber Keys scheint das kleine Rollenspiel zu mögen – und sieht auch gleich eine gute Gelegenheit, ihre neue Kurzhaarfrisur ins Spiel zu bringen.

Keys singt ein Greatest-Hits-Programm, lässt keine Phase ihres Schaffens aus; das aktuelle Album ist eher unterrepräsentiert. Bei „Fallin‘“ dirigiert sie den Saal, aus dem gospelartigen „A Woman‘s Worth“ macht sie eine Tanznummer und mischt noch ein paar Takte aus dem James-Bond-Song „Another Way to Die“ hinein. Im Hintergrund agiert versiertes Personal, das Keys nie die Show stiehlt. Die vierköpfige Band trifft stets den richtigen Ton, dem Background-Duo wird mit Marvin Gaye und Tammi Terrells „You‘re All I Need to Get By“ sogar eine eigene Nummer gegönnt.

Die Show hat ihre übertriebenen Momente, wenn die Tänzer sich in großen Posen üben, die Klaviere wie von Geisterhand in den Saal hinein- und wieder herausgeschoben werden, die Künstlerin per Einspielfilm für eine Wohltätigkeitsaktion wirbt. Doch wenn etwas nicht perfekt ist bei Alicia Keys, dann ist es der Hang zur Perfektion, dieser Drang, alles richtig zu machen. Jede Bewegung, jedes „Hello Cologne“ wirkt einstudiert. Seltsam mutet auch die Aufforderung an, die Mobiltelefone hochzuhalten, als sie langsam den Gassenhauer „No One“ einleitet. Tausende kleine Lichter sind im Saal zu sehen, es sieht hübsch aus.

Ganz zum Schluss gibt es großes Kino: Jay-Z leitet auf der Videowand die New-York-Hymne „Empire State of Mind, Part II: Broken Down“ ein, die Keys im Abendkleid voller Inbrunst singt. Aus „New York“ wird da „Cologne“. Alle sind glücklich.

Die „Set-the-World-on-Fire“-Tournee zieht noch bis 4. Juli durch Europa. Auftritte in Deutschland stehen noch in Hamburg (10. Juni) und München (16. Juni) auf dem Programm.

Quelle: wa.de

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