Soest startet Projekt „Hellweg Konkret“ mit K.G. Schmidt

„Ohne Titel“ (1979) von K.G. Schmidt, farbige Quadrate und Kuben mit grauem Rand in Rot übergehend auf beigegrauem Grund.

Von Achim Lettmann -  SOEST Gelb und Orange strahlen vor Ocker und Dunkelbraun. Die hellen warmen Farben treten in den Vordergrund, weil sie K.G. Schmidt mit einem perspektivischen Rhythmus inszeniert. Es ist eine Faltung, die den Bildraum dominiert und eine Farbflächenordnung in der Arbeit von 1987 schafft.

Es geht in dem Exponat nur um das Verhältnis von Farbe, Fläche, Raum und Linie. Mit K.G. Schmidts Idee der Faltgestaltung kommt allerdings noch ein Bewegungsmoment hinzu. Eigentlich geht es um Reduktion, also um konkrete Kunst.

Im Soester Wilhelm Morgner Haus sind ab Sonntag rund 120 Arbeiten des Künstlers Karl Georg Schmidt zu sehen. Anlässlich seines 100. Geburtstags ist vor allem Schmidts Entwicklung zur konkreten Kunst Ausstellungsthema. Dabei werden noch drei „Weggefährten“ mit einzelnen Exponaten bedacht, mit denen sich Schmidt (1914–1987) verbunden fühlte: Erich Lütkenhaus (1924 – 2010), Carlernst Kürten (1921 – 2000) und Gordon F. Turner (1944 – 1983). Die Künstler aus Hamm, Unna und Lippstadt weisen mit ihren Werken in die Region. K. G. Schmidt lebte zehn Jahre in Bad Sassendorf. Alle verband das Interesse an konkreter Kunst. Und genau dieser Passion geht das mehrteilige Ausstellungsprojekt von Kunstinstitutionen aus Soest, Hamm, Ahlen, Unna, Arnsberg und Bad Sassendorf nach. „Hellweg konkret“ reicht bis 2016 (siehe Kasten).

Die Ausstellung im Morgner Haus ist chronologisch gehängt. Aus dem 1000 Exponate umfassenden Nachlass K.G. Schmidts hat der Kurator Klaus Jüdes einen retrospektiven Querschnitt aller Werkphasen ausgewählt. Am Anfang ist die Studie eines Frauenkopfes von 1953 zu sehen. Federzeichnungen zählen zu den frühen Jahren, wie Aquarelle oder Erprobungen von Farbe in der Arbeitsweise Paul Klees. In den 60er Jahren schuf Schmidt eine ganze Reihe von Frottagen. Er zeichnete auf ein Papier, dessen Rückseite geschwärzt war. Somit drückte sich das Bildnis durch auf ein zweites Blatt, der eigentlichen Zeichnung. Seine mediterranen Landschaften- und Reisebilder ließen sich in dieser gefälligen Technik verkaufen.

K.G. Schmidt, geboren in Dresden, setzte sich aber vor allem mit der Kunst nach 1945 auseinander. Nach seiner Zeit als Soldat und Kriegsgefangener war er freier Grafiker und Maler in Tostedt, Lüneburger Heide. Seit 1953 arbeitete er als Werbegrafiker und Art-Direktor bei der Hoesch AG in Dortmund (bis 1977). Dem Tachismus sind einige Werke nachempfunden, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre entstanden. Schwarz sind hier Balken, die das Bildzentrum beherrschen. Sie wirken organisch, mächtig und schaffen eine rätselhafte Spannung. Schmidt hatte sich längst von der Figuration gelöst und probierte die abstrakten Techniken der 50/60er Jahre. In Soest ist ein expressives Werk zu sehen, das ein wenig an Emil Schumacher erinnert. Aber K.G. Schmidt musste immer weiter. Er war auf der Suche.

Nach dem Impulsiven setzte Schmidt ab 1963 einfarbige gestische Wolken auf die Leinwand. Er ging bereits kalkuliert mit Farbe und Raum um, obwohl die Anmutung dieser Malerei noch lyrisch abstrakt scheint. Hier greifen Blau, Lila sowie Hellblau ineinander und werden von Orange wie Gelb akzentuiert. Für Kurator Jüdes hat Schmidt immer neue Ausdrucksmöglichkeiten gesucht. „Das Expressive ist mir zu leicht“ habe er gesagt, so zitiert ihn Jüdes. Er habe immer wieder die Schwere der Auseinandersetzung gebraucht. Und das ging soweit, dass sich seine Frau zeitweilig sorgte. K.G. Schmidt tauchte in jede seiner Arbeiten ein und versank, berichtet Klaus Rogge, Betreuer des K.G. Schmidt Archivs.

Schmidt ließ sich neben der Suche nach ausgewogenen Proportionen – er war von Johannes Itten und Josef Albers inspiriert – auch von harten Kontrasten leiten. In einigen Arbeiten von 1984 kollidieren stimmige Grün- oder Gelbtönungen im Bild plötzlich mit Schwarz-Weiß und Blau/Braun in dazu ganz gegensätzlichen Formen. Daneben belegen seine Prägedrucke, wie sensibel Schmidt dann wieder Papier, Farbe und Form einsetzen wollte.

Sein Werk ist spannend. Das geometrische Triptychon fesselt mit rhythmischen Flächen. Und die Faltungen, Schmidts letzte Werkphase, demonstrieren, wie sinnlich das Licht in seiner konkreten Kunst erscheint. In einem Bild von 1973 wird ein Quader in vier Varianten und mehr multipliziert. Schmidts feines Farbspektrum wirkt in dem Bild ganz luftig.

Die „Weggefährten“ mit Eisenkuben aus den 90ern von Erich Lütkenhaus, neun konstruktive Skulpturen von Carlernst Kürten und fünf Wandobjekten von Gordon F. Turner machen Lust auf mehr konkrete Kunst.

Stationen „Hellweg Konkret“

Soest: K.G. Schmidt und Weggefährten im Morgner Haus. Eröffnung, Sonntag, 17. 8. um 12 Uhr, bis 28. 9. Katalog ab 27. 9. erhältlich. di-fr 14 bis 17 Uhr, sa/so 11 bis 17 Uhr.

Hamm: Deutsch-polnischer Künstleraustausch 21. 9. bis 28. 9. In der Sommerakademie Erich Lütkenhaus arbeiten Kunststudenten aus beiden Ländern zu konkreter Kunst.

Ausstellung in der Sparkasse Hamm ab 26. 9.

Hellweg Konkret + Spielerisch. 16. 8. bis 26. 9. 2015. Interaktive Kunst von Erich Lütkenhaus und Gerd Weber. Zum Mitmachen mit kunstpädagogischem Konzept in der Elektrozentrale des Maxi-Parks. Papierarbeiten der Künstler sind dann in der Galerie des Hammer Künstlerbundes, Alter Grenzweg 2, zu sehen.

Unna: Carlernst Kürten und Künstlerfreunde. 22. 3. bis 3. 5. 2015. Bildhauer Kürten schuf Edelstahlskulpturen. Kürten-Stiftung, Hammer Str. 175. www.unna.de

Ahlen: Hellweg Konkret und die internationale Gegenwartskunst. Teil 1. 25. 10. 2015 bis 24. 1. 2016 im Kunstmuseum Ahlen. Wie hat konkrete Kunst seit dem Bauhaus unseren Alltag beeinflusst?

Arnsberg: Hellweg Konkret und die internationale Gegenwartskunst. Teil 2. 14. 2. bis 10.4. 2016. Kloster Wedinghausen.

Quelle: wa.de

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