Skulpturen von Laura Ford in Iserlohn

+
Verdrehtes Märchen: Laura Fords Skulpturengruppe „Love-Hate Girls And Skinny Hyaena“ (2014) ist in der Iserlohner Villa Wessel zu sehen.

Von Marion Gay ISERLOHN - Kurze Hose und Kniestrümpfe, die Hände in den Taschen, ein Bein leicht abgespreizt. Die Figur mit dem Elefantenkopf wirkt wie ein Junge, der ungeduldig posiert und im nächsten Moment weglaufen wird. Die kleine Bronzefigur „Elephant boy“ (1998) ist eine von rund 30 beeindruckenden Arbeiten der Londoner Bildhauerin Laura Ford, zu sehen in der Villa Wessel in Iserlohn.

Die überwiegend aktuellen Skulpturen und Zeichnungen stammen aus der Galerie Scheffel aus Bad Homburg. Arbeiten der Künstlerin, die 2005 auf der Biennale in Venedig vertreten war und zahlreiche Preise erhielt, befinden sich in internationalen Sammlungen.

Am Eingang wird man von der schwarzen Bronzefigur „Bird“ (2007) empfangen, eine kindergroße Gestalt mit Schuhen, menschlichen Beinen und einem kräftigen Vogelkörper. Der Kopf hat keine Augen, aber einen großen Schnabel, der in den Flur ragt. „Bird“ wirkt einerseits freundlich, fast niedlich, andererseits unheimlich und abgründig. Man weiß nicht, ob man ihm trauen kann.

Die Arbeiten der 1961 im walisischen Cardiff geborenen Ford faszinieren durch diese Ambivalenz. Vor allem sind es Affen-, Elefanten-, Vogel- oder Katzenfiguren, die sehr menschlich erscheinen. Die Serie „Anxious cats“ (2012) zeigt sechs bronzene Katzen, aufrecht auf zwei Beinen, mit menschenähnlichen Gesichtszügen und Händen. Sie stehen gebeugt, betrachten ihre Hände, pressen sie ans Gesicht. Die Katzen, normalerweise Sinnbilder zufriedener Gelassenheit, drücken Verzweiflung aus, haben aber auch etwas Listig-Verschlagenes. Ein bisschen wie der gestiefelte Kater in weniger harmlos. Eine ähnliche Katzenfigur, die drei Meter hohe Bronze „Emissary Cat“, wurde als Geschenk der Ulrich-Thiele-Stiftung im Letmather Volksgarten aufgestellt.

Oder die drei Bronze-Affen von 2010. Es ist nicht die bekannte Variante der drei, die nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Hier hat der eine ein verbundenes Bein, der nächste eine bandagierte Hand, der dritte einen eingegipsten Arm. Jemand muss sie behandelt haben. Oder waren sie es selbst?

Ford wuchs in einer Schaustellerfamilie auf. Ihre Wesen erinnern an die magisch-verzauberte Welt alter Jahrmärkte oder an Figuren aus britischen Kinderbuchklassikern wie „Der Wind in den Weiden“ (Kenneth Grahame, 1908) oder „Unten am Fluss“ (Richard Adams, 1972). Mehr oder weniger verwundet sind sie von ihren Abenteuern zurückgekehrt. So wie „Old Nick“ (Zeichnung von 2011), eine Art Bär, der im Lehnstuhl Flöte spielt. Auf seinen Knien tanzt eine winzige Frau. Seine Beute?

Aber auch andere Märchenwesen sind da. Etwa die beiden vermummten Mädchen mit dem Wolf („Love-hate girls“ und „Skinny hyaena“, 2014). Assoziationen an Rotkäppchen tauchen auf, aber diese Kinder wirken gar nicht nett. In den Taschen ihrer roten Kleider stecken Puppen, die aussehen wie sie selbst, und auf dem Kopf tragen sie schwarze Sturmhauben. Locker könnten sie den ausgemergelten Wolf „in die Tasche stecken“.

Bis 21.6., di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr; Tel. 02371/14 238; www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare