Skulpturen von Jaume Plensa in der Villa Wessel Iserlohn

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Eine dünne Stahlhaut, die aus Schriftzeichen zusammengesetzt ist, umformt eine menschliche Gestalt: Jaume Plensas Skulptur „Nest VIII“ ist in Iserlohn zu sehen.

Von Marion Gay ISERLOHN -  „Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen“ („imagination is more important than knowledge“), sagt der Mann auf dem Stuhl und weist mit dem Finger ins Leere. Er ist bloß ein Schatten im Weiß, die Wörter über seinem Kopf schlängeln sich ins Nichts (Fotogravur aus der Serie „Les Silhouettes, 2012).

Die Villa Wessel in Iserlohn präsentiert fünfzehn Arbeiten von Jaume Plensa, darunter Installationen, Objekte, Fotogravuren und Collagen. Der katalanische Künstler ist Träger des Iserlohner Kunstpreises 2013 (15 000 Euro) der Bürgerstiftung der Sparkasse Iserlohn.

Plensas Arbeiten beeindrucken in ihrer Klarheit und zarter Poesie. Die Installation „Silhouettes, study“ (2010) besteht aus rund einem Dutzend menschlicher Figuren, ausgeschnitten aus Edelstahl. Sie haben geschlängelte Botschaften über dem Kopf wie „Der Blinde ist ein Reisender“ und tragen Koffer, lehnen an Leitern, spazieren, sitzen auf Stühlen. Sie baumeln an transparenten Fäden von einem Gestell an der Decke wie ein raumfüllendes Mobile.

Betörend sind auch die Bilder der Serie „Yorkshire soul“ (2011). Ein Mönch sitzt auf dem Boden, sein Körper ist ausgeschnitten und auf Papier montiert, das wie Wachs wirkt. Während sein Kopf von Schwarz ummantelt wird, verschmilzt sein Unterkörper mit der milchig-wabernden Umgebung. Buchstaben breiten sich wie ein Netz über seinen Umhang aus.

Der 1955 in Barcelona geborene Künstler arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie Eisen, Bronze, Kupfer, Harz, Glas oder Alabaster und setzt häufig Text, Klang und Licht ein. In seinem vielseitigen Werk geht es um die Präsenz des Unsichtbaren, um das Sichtbar- und Spürbarmachen von Stille, Gedanken und Träumen. Seine großformatigen Installationen befinden sich unter anderem im Chicagoer Millennium Park, auf dem BBC-Gebäude in London und vor dem Frankfurter Universitätscampus Westend.

Die neueste Arbeit ist das Objekt „Nest VIII“ (2013). Die menschliche Figur besteht aus unzähligen aneinandergefügten Edelstahlbuchstaben, darunter auch asiatische und arabische Schriftzeichen. Sie sitzt mit angezogenen Beinen festverankert auf einem grauen Felsen, licht- und luftdurchlässig, offen für neue Gedanken. Nachdenklich auch der von der Decke hängende Schattenmann auf seiner Bank. Raumgreifend und dennoch filigran blickt er in die Ausstellungshalle, ein Mischwesen zwischen Bild und Skulptur. Seine Gedanken steigen auf, „genug oder zu viel?“ fragt er.

Bis 12.1., di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr;

Tel. 02371/14238;

www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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