Skulpturen von Auke de Vries in Marl

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Voll verspielter Leichtigkeit: Auke de Vries’ Skulptur „Das Haus, in dem der Zauberer wohnt“ (2010) ist in Marl zu sehen.

Von Marion Gay MARL - Das Boot scheint vom Sturm zerlegt. Das gelbe Segel auf den Boden gedrückt, die Masten stehen zu allen Seiten ab, der grüne Rumpf hat sich vom roten Deck gelöst. Das farbenfrohe Objekt wirkt spielerisch-leicht und hat zugleich etwas Trauriges. Es gehört zur Ausstellung „Schwebende Skulpturen“ von Auke de Vries im Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl. Zu sehen sind rund 100 Zeichnungen und Skulpturen des Den Haager Künstlers, der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauern der Niederlande zählt.

Bereits seit Anfang der 70er Jahre arbeitet de Vries mit Metall. Niemals verwendet er Fundstücke, da diese als Teil eines Größeren mit Bedeutung aufgeladen sind, sondern ausschließlich fabrikneues, sozusagen unbeschriebenes Material.

Ungewöhnlich ist de Vries freier Umgang mit Farbe. Das Objekt „Das Haus, in dem der Zauberer wohnt“ (2010) zeigt ein rotes Haus auf einer gewundenen orange-gelben Stabkonstruktion. Anstelle eines Daches hat de Vries einen schwarzen Zauberhut gesetzt, der wiederum an einem Metallfaden einen kleinen grünen Zauberhut balanciert. Das Gebilde wirkt fragil und schwebend, fast tänzelnd, wie eine Szene aus dem Märchenbuch.

Der Künstler, der 1937 in Friesland auf dem Land geboren wurde, ist fasziniert von Städten. Viele seiner Objekte befinden sich im öffentlichen Raum, z.B. die halb über der Straße schwebende Skulptur „Gelandet“ auf einem Hausdach am Potsdamer Platz.

Auch die Ausstellung im Untergeschoss des Glaskastens ist wie eine Stadtanlage konzipiert. Objekte wie die große „Gewitterwolke“ und unzählige Haus- und Bootvariationen schweben von der Decke, der Besucher muss sich durch sie hindurch bewegen wie durch ein Labyrinth. Die ungewöhnliche Präsentationsform hat de Vries aus der Arbeitssituation in seinem Atelier abgeleitet, das, wie Fotos zeigen, an eine wild wuchernde Dschungellandschaft erinnert.

Der Künstler entwickelt seine Skulpturen aus der Arbeit heraus, nicht aus der Idee, wie er sagt. So sei er eher zufällig an die Bildhauerei geraten. Als Maler und Zeichner hatte er kleine Modelle zum Abzeichnen gebaut. Erst später und durch Hinweise anderer wurde ihm bewusst, dass er Skulpturen gefertigt hatte.

Seine Werke haben sich auch nach mehr als 40jähriger Erfahrung den experimentellen Charakter erhalten, sie strahlen Intuition und Reife aus und wirken gleichzeitig jung und spielerisch. Dazu passt die beiläufige Art der Präsentation in Marl. Sie werden nicht von Spots angestrahlt, werfen keine dramatischen Schatten, sondern tummeln sich wie zufällig im Raum. So fügen sich siebzehn kleinere Objekte auf einer riesigen Tischplatte zu einer bunten Installation, größere Objekte und Zeichnungen mit geometrischen Studien umrahmen die Gruppe. Beobachtet wird das Ganze vom aus farbigen Rohren zusammengesetzten „Observer“, der wie eine Kamera in den Raum gerichtet ist.

Bis 6.4., di – so 10 – 18 Uhr

Tel. 02365/ 992257

www.marl.de/skulpturenmuseum

Quelle: wa.de

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