„Shadowland“ im Konzerthaus Dortmund

+
Szene aus der US-Produktion „Shadowland“, die zur Zeit im Konzerthaus Dortmund gespielt wird. ▪

Von Annette Kiehl ▪ DORTMUND–Es ist ein bizarrer Traum, der das Mädchen eines Nachts im Haus seiner Eltern überkommt: Eingesogen in ein Reich aus Schatten hinter einer Leinwand, greift eine überdimensionale schwarze Hand beherzt in den Raum, dreht ein paar Mal am Kopf des Mädchens und eine Reise à la „Alice im Wunderland“ beginnt: Als Schattenfigur mit einer Art Hundeschnauze trifft das Mädchen auf bizarre Phantasiewesen, erlebt das Pariser Stadtleben, den Dschungel und einen verruchten Nachtclub, bevor es wieder aus der Welt der „Lichtlöcher“ ausgespieen wird.

Um diese märchenhafte Geschichte zu erzählen, nutzt das Pilobulus Theater kaum mehr als eine transparente Leinwand, einige Scheinwerfer und die Körper der Tänzer. Aus ihren Schatten entstehen die Figuren, Kulissen und Handlungen von „Shadowland“, einer der international erfolgreichsten Shows der letzten Jahre.

Nun gastiert sie am Dortmunder Konzerthaus und hat das Publikum bereits vor der Premiere überzeugt: Alle Vorstellungen sind ausverkauft, es wurden bereits Termine für das nächste Jahr angekündigt.

Pilobulus, eine seit rund 40 Jahren in Connecticut angesiedelte Tanzkompanie, hat die traditionelle und doch meist nur noch als Kinderspiel praktizierte Kunst des Schattenspiels vor ein paar Jahren bei einer Auftragsarbeit entdeckt. In einem Werbespot für einen Autohersteller nutzte der Gründer und künstlerische Leiter der Gruppe, Michael Tracy, die Schattenbilder seiner Tänzer, um eine Geschichte rund um ein Fahrzeug zu erzählen. Die Flexibilität und Dynamik der Körper, die sich hinter der beleuchteten Leinwand zu Gegenständen formten und scheinbar in Bewegungen verschmolzen, beeindruckte über den Spot hin-aus. Auftritte bei der Oscar-Verleihung und auf anderen großen Bühnen folgten und aus den Szenen wurde eine knapp 90-minütige Show entwickelt: „Shadowland“.

Diese erstaunt immer wieder mit ihrer Einfachheit: Die Geschichte um die Selbstfindung eines Mädchen in einer phantastischen Welt, folgt berühmten Vorbildern wie Lewis Carrolls „Alice“ oder auch dem „Zauberer von Oz“. Erzählt wird sie fast ausschließlich durch die Schattenbewegungen der Tänzer, die ihre Gliedmaßen in so präzise wie elegant fließenden Bewegungen hinter der Leinwand zu prächtigen Blumen, Elefanten oder auch dem Empire State Building zusammenfügen.

Mal krabbelt eine Hand als Krebs über den Boden, dann türmen sich die Körper zu bedrohlich schwappenden Wellen auf, die bald darauf ein Stadttor zeigen. Mitunter kann man die Tricks erahnen, die hinter den Umrissen stecken, dann überraschen sie im nächsten Moment aufs Neue.

„Wir bewegen uns durch eine sich windende Welt, wo Schatten sich verändern und der Boden instabil ist: Realität und Illusion vermischen sich wie sich ineinander schmiegende Körper“, beschreibt die Kompanie selbst die Faszination des Schattentheaters. Diese funktioniert vielleicht deshalb so gut, weil sich Pilobulus bereits vor dem internationalen Durchbruch auf experimentelle Darstellungsformen konzentriert hat. Der Tanz des Ensembles basiert dabei nicht auf dem Repertoire des klassischen Balletts, sondern auf Improvisationen und alltäglichen Bewegungen.

Diese prägen auch die Choreografie von „Shadowland“ und verleihen dem Abend einen fröhlich-ironischen Tonfall – ohne, dass auf Bühne ein Wort gesprochen wird. Vor allem die Hauptdarstellerin Molly Gawler besticht mit ihrer Natürlichkeit und einer spürbaren Freude an den Verwandlungen. Den tänzerischen und schauspielerischen Kraftakt ihrer Rolle als „dog girl“ bewältigt sie so souverän, das es fast schon lässig wirkt.

Shadowland. Konzerthaus Dortmund bis 19.8. (ausverkauft). Termine 2013:

22. - 27.1. Colosseum Theater Essen; 29., 30.1., Stadthalle Bielefeld; 25.– 29.10. Konzerthaus Dortmund.

Tel.: 01805/ 570 099;

http://www.shadowland-show.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare