Selig rocken am Kemnader See das Zelt

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Jan Plewka und die Hamburger Band Selig spielen beim Zeltfestival Ruhr.

„Ooooooh oh, oooooh oh“ tönt es noch lange, nachdem Selig die Bühne verlassen haben, aus dem Publikum. Die Fans singen die Melodie vom letztem Stück beim Zeltfestival Ruhr am Kemnader Stausee „Wir werden uns wiedersehen“ und fordern eine weitere Zugabe der fünf Hamburger – doch so schön sie auch singen, ein drittes Mal kommen Selig nicht auf die Bühne.

Von Laura Schwabbauer

Zuvor haben sie dafür anderthalb Stunden abgeliefert. Pünktlich um 19 Uhr, ohne Vorgruppe, ohne Schnick-Schnack, treten Selig in Bochum-Witten auf, winken ins Publikum, stimmen ohne ein Begrüßungswort „Ich lüge nie“ von ihrem neuen Album „Magma“ an.

Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Zelt: Erwachsen, textsicher, in die Musik vertieft. Genau wie Sänger Jan Plewka. Mit geschlossenen Augen und einem Lächeln genießt er den Applaus nach dem ersten Stück. Seinem Stil ist er treu geblieben, Röhrenjeans, graues Shirt. Den schwarzen Kajal hat er in Bochum weggelassen, die Schiebermütze hingegen ist immer dabei. Genau wie seine Stimme, manchmal weich, manchmal rau, rockig oder melancholisch. Plewkas Tanzstil mag etwas eigen sein, doch er und seine Band-Kollegen geben bei jedem Lied alles. Lenard „Leo“ Schmidthals am Bass, Christian Neander an der Gitarre, Stephan „Stoppel“ Eggert am Schlagzeug und Keyboarder Malte Neumann sind spätestens nach „Schau, Schau“ – hier singen die Zuschauer jeden Satz mit – aufgewärmt.

Mit der Single „Schau, schau“ und dem Album „Und endlich Unendlich“ machten Selig nach zehn Jahren Abstinenz auf ihr Comeback aufmerksam, das Album bescherrte dem Quintett das erste Mal Goldstatus.

Doch die Fans kennen auch die alten Texte, die bewährten Songs aus den 90er Jahren wie „Ist es wichtig?“.

Das Publikum tanzt, steigert sich in seiner Stimmung und kann bei „Die Zeit wird kommen“ – einer keltisch klingenden Hommage an Hamburgs Hafen – nocheinmal verschnaufen. Luft holen für den Anstieg, denn mit jedem Lied nimmt das Tempo zu, die Gitarren werden lauter, die Shirts verschwitzter. „Hol mich hier raus“ leitet den Aufstieg ein, mit rockigem Refrain und langem Gitarrensolo. Von „Ewigkeit zu Ewigkeit“, erfolgreiche Single und Titel des fünften Studio-Albums, kennen sie schließlich alle, Plewka dirigiert den Chor aus singenden Fans. Lieder wie dieses, vom Publikum geliebt und von Selig sicher schon hundert Mal gesungen, sind die Höhepunkte des Konzerts, darauf warten die Fans. Die Hamburger verstehen es, sie auch ohne viele Worte einzubinden, lassen ihren Chor erst allein singen, dann setzen Gitarre und Schlagzeug ein, Plewka klatscht, animiert zu noch mehr Getanze.

Rockig geht es weiter, „Die alte Zeit zurück“ wünschen sich sicherlich einige, die unter anderem mit „Sie hat geschrien“ zurück in die Mitte der 90er versetzt werden. Das reguläre Set endet ebenso laut und rockig mit „Wenn ich wollte“, doch dann holen die Fünf ihre melancholische Ballade „Ohne dich“ als Zugabe aus dem Koffer. Plewka, nur von der Akustik-Gitarre und den Fans begleitet, singt mit vor Herzschmerz triefender Stimme „Langeweile besäuft sich, meilenweit“. Handykameras statt Feuerzeuge werden in die Höhe gehalten (es sind eben doch nicht mehr die Neunziger), Pärchen beginnen zu kuscheln, das Zelt singt mit. Gänsehaut. Und dann: „Wir werden uns wiedersehen“. Ausgeschlossen ist das nicht.

Quelle: wa.de

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