Seet van Hoots Strickbilder im Stadtmuseum Beckum

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Aus gestrickten Fäden besteht die Installation der niederländischen Künstlerin Seet van Hout in Beckum. ▪

Von Marion Gay ▪ BECKUM–Blutrot prangt der Abdruck des Menschen an der Wand. Adern, Knochen, Gehirn – angeordnet wie aus einem Lehrbuch für Anatomie. Dieser Mensch allerdings besteht aus Wollfäden. Gestrickte, fingerdicke Schnüre bilden seinen Körper, dünne Fäden baumeln lose herab. Die große Wandinstallation ist Teil der Ausstellung „Melancholy Girls“ der niederländischen Künstlerin Seet van Hout, präsentiert vom Stadtmuseum Beckum.

Zu sehen sind Arbeiten der letzten zwei Jahre, darunter Gemälde, Keramiken und vor allem die beeindruckenden Textilkunstwerke wie die Wände überziehenden, mit der Nähmaschine gearbeiteten Stickbilder, die auf den ersten Blick wie Zeichnungen wirken. Szenen, in denen menschliche Figuren, Gehirne und Gewächse miteinander verwoben sind. Zwischen fruchtähnlichen Gebilden verstecken sich kleine menschliche Wesen, andere hängen wie Trauben an feinen Verästelungen, Gehirne schweben über den Köpfen wie riesige Wolken.

Der Mensch steht im Mittelpunkt von van Houts Arbeiten, Rot als Farbe des Blutes und des Lebens dominiert. Die 1957 in Nijmegen geborene Künstlerin bezieht sich unter anderem auf die drei Parzen aus der römischen Mythologie. Die Schicksalsgöttinnen halten die Lebensfäden der Menschen in den Händen, wobei die erste den Faden spinnt, die zweite ihn abmisst und die dritte ihn abschneidet.

Die Werke van Houts erfordern akribisches handwerkliches Arbeiten, gleichzeitig überlässt die Künstlerin vieles dem Zufall. Zum Beispiel bleiben neben den exakt gestickten Linien immer wieder die Tötzel, miteinander verworrene Fadenreste, sichtbar stehen. Auch die in Rot- und Rosatönen leuchtenden Gemälde haben etwas Flüchtiges, Spontanes, die Farbe verläuft wie zufällig zwischen den Konturen der Gehirne und Blumen.

Jeder Ausstellungsraum bezaubert mit einer anderen, märchenhaften Atmosphäre. So türmen sich in einem Raum unzählige, fein bestickte Bücher auf einem Tisch. Jeden Moment könnte der Stapel ins Rutschen geraten, wären da nicht die feinen, roten Fäden, die das Gebilde wie ein geheimnisvolles, verschnürtes Paket in Form halten. Bewacht werden die Bücher von vielen Augenpaaren, die auf weißen Tontäfelchen über die Wände verteilt nur schwer zu entdecken sind. Im nächsten Raum ist die Wand komplett mit Leinen überzogen, jeder der etwa handbreiten Streifen mit roter Schrift bestickt. Es sind englische und niederländische Buchzitate, Sprüche und rätselhafte Satzfragmente, zwischen denen gestickte Gehirne wie Ornamente auftauchen.

Ebenfalls als Buch bezeichnet van Hout die raumgreifende Bodenarbeit aus übereinanderliegenden, teppichgroßen Stoffen. Zu zweit lässt sich der Stapel aufklappen und wie ein Buch durchblättern. Menschliche Figuren schimmern unter zarter, mit Blumen bestickter Gaze, rote und goldfarbene Fäden zeichnen Organe und Pflanzen nach. Ein Video der portugiesischen Künstlerin Salomé Lamas dokumentiert den Entstehungsprozess des Kunstwerkes.

Fünf Kugeln aus Ton befinden sich vor dem Fenster. Die rotübersprenkelten Objekte haben jeweils drei Löcher, in denen Pflanzen stecken. So sind es einerseits praktische Blumenvasen, andererseits organische, aufbrechende Kapseln, aus denen neues Leben wächst.

Bis 14. November; di-fr und so 9.30 bis 12.30 und 15 bis 17 Uhr, Sa 15 bis 17 Uhr;

Tel. 02521/29264

http://www.beckum.de

Quelle: wa.de

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