Til Schweiger sucht sich seine Kritiker aus

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Til Schweiger ▪

KÖLN ▪ Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFK) wirft Til Schweiger versuchte Zensur vor. Der Film „Schutzengel“, der am Donnerstag anläuft, ist der fünfte Kinofilm des 48-jährigen Regisseurs und Schauspielers, der nicht vorab in Pressevorführungen gezeigt wurde. Nur ausgewählte Journalisten durften das Actiondrama vorab sehen. „Die kritische Auseinandersetzung mit dem Werk ist offenkundig nicht gewollt“, heißt es in einer in Köln veröffentlichten Erklärung.

Üblich sind Pressevorführungen in großen Städten, die Journalisten offen stehen. In Schweigers neuem Film geht es um einen Afghanistan-Veteranen, der in einem Zeugenschutzprogramm für ein Waisenkind kämpft. Schweiger ist Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller.

Seine Filme wie „Kokowäh“ und „Keinohrhasen“ waren in den letzten Jahren große Kassenerfolge, fielen aber bei der Kritik durch. Deshalb lasse er keine Pressevorführungen mehr zu, sagte Schweiger vor wenigen Tagen: „Ich zeige euch meine Filme nicht mehr vorab. Wenn ihr den Film niedermachen wollt, dann geht ins Kino und blendet aus, dass um euch herum 700 Leute sitzen, die sich totlachen.“

„Schutzengel“ erhielt mindestens 3,2 Millionen Euro aus öffentlichen Töpfen, unter anderem vom Filmförderfonds und vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Der Kritikerverband fordert deshalb von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), die freie Berichterstattung zur Voraussetzung für Finanzhilfen aus Steuertöpfen zu machen.

Schweiger hatte „Schutzengel“ im Sommer auch im afghanischen Bundeswehr-Camp in Masar-i-Scharif vorgeführt und Bilder mit Soldaten für einen Werbtrailer verwendet. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wurde deshalb vorgeworfen, er lasse Soldaten zu Reklamezwecken einspannen. Sein Ministerium hatte den Trip bezahlt.

Vorab zu sehen bekam „Schutzengel“ auch die Filmjury, die den deutschen Kandidaten für den Auslands-Oscar vorschlägt. Sie schickt jedoch das DDR-Drama „Barbara“ von Regisseur Christian Petzold nach Los Angeles. ▪ el

Quelle: wa.de

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