Schauspiel Dortmund ab 2016 ohne Spielstätte

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Spektakel auf Rädern: Probenfoto zur „Show“, mit der das Schauspiel Dortmund die Spielzeit 2015/16 eröffnet.

Von Ralf Stiftel DORTMUND - In eine unsichere Zukunft geht das Schauspiel Dortmund in der nächsten Spielzeit. Ab dem Frühjahr 2016 wird das Theater der Stadt umfassend saniert, für 10,7 Millionen Euro. Betroffen von dieser Maßnahme, die vor allem Brandschutz und andere Sicherheitsmaßnahmen umfasst, ist das Schauspiel. Ab März 2016 kann im angestammten Haus nicht gespielt werden.

Darum hat Intendant Kay Voges gestern auch nicht den kompletten Spielplan der Saison 2015/16 vorstellen können. Was das bei Publikum und Kritik erfolgreiche Team bieten kann, wird von der Ersatzbühne abhängen, die es bekommt. Die elf Produktionen, die das Schauspiel ab dem Herbst plant, führen aber den bisherigen Kurs der Experimentierfreude in Formen und Inhalten fort. So beginnt die Spielzeit mit der Bühnenfassung des legendären Fernsehfilms „Das Millionenspiel“ von Wolfgang Menge. „Die Show“ handelt von einem Kandidaten, der eine Million gewinnen kann, dafür aber vor laufenden Kameras von einem Killerteam durch die Stadt gejagt wird (Premiere: 23.8.).

Das breite Angebot ist nur möglich, weil das Ensemble sehr früh in die Spielzeit startet. Sechs Uraufführungen sind vorgesehen. Das „Zentrum für Politische Schönheit“ entwirft in „2099“ eine menschlichere deutsche Außenpolitik. In der „Borderline Prozession“ knüpft Kay Voges an den neuen Spielformen an, die er in „Das Goldene Zeitalter“ entwickelte: In der Form einer Prozession reagiert das Theater auf Entwicklungen von Flüchtlingen und Terror bis hin zum Eskapismus von TV-Shows. Und die Aktionskünstler vom „Peng! Collective“ gründen im Schauspielhaus eine Partei, „Die Populisten“, mit Manifesten und Abstimmung.

Alte Bekannte inszenieren ebenfalls: Jörg Buttgereit setzt seine Reihe szenischer Essays nach Kultfilmen fort, diesmal mit „Besessen“ nach „Der Exorzist“. Klaus Gehre bricht nach „Minority Report“ wieder einen Action-Film auf Studio-Format her-unter, diesmal „Rambo“, gemixt mit Heiner Müllers „Zement“. Wenzel Storch setzt sich wieder mit der katholischen Kirche auseinander mit einer „Kriminal-Burleske aus dem Messdienermilieu“, Titel: „Das Maschinengewehr Gottes“. Eine Reihe von Erfolgsformaten läuft weiter, neben Buttgereits „Nosferatu lebt!“ und Storchs „Komm in meinen Wigwam“ auch der Live-Animationsfilm „Die Möglichkeit einer Insel“ und Nestroys „Häuptling Abendwind“ mit der Punkband Die Kassierer.

Immerhin bestehen noch Aussichten auf eine Ersatzbühne. Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann machte Voges gestern Hoffnung. Sobald Klarheit besteht, kann Voges noch zwei oder mehr zusätzliche Produktionen angehen.

An der Dortmunder Oper setzt Intendant Jens-Daniel Herzog eher auf bewährtes Repertoire. Die Saison startet mit Wagners „Tristan und Isolde“ (6.9.). Außerdem geplant: Verdis „La Traviata“, Händels „Rinaldo“ und Brittens „Peter Grimes“, der Musical-Klassiker „Kiss Me, Kate“. Neues bietet am ehesten das Rock-Musical „Next To Normal“ über eine Familie, in der die Mutter an einer psychischen Krankheit leidet. Für Fans spannend: Die erfolgreiche Musical-Produktion „Jesus Christ Superstar“ mit Alexander Klaws läuft auch in der nächsten Spielzeit weiter.

Drei Premieren plant das Ballett unter Xin Peng Wang. Neben Tschaikowskys „Der Nussknacker“ gibt es eine Choreografie des Ballettchefs zu Goethes „Faust“: „Die Geburt der Gnade“.

www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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