„Satte Farben vor Schwarz“ feiert Premiere in Essen

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Senta Berger und Bruno Ganz in Essen. ▪

Zwei Menschen, die nach 50 Jahren Ehe spüren, dass ihre gemeinsame Zeit sich dem Ende nähert. Aber kann das auch ihrer Liebe etwas anhaben? Die Abschlussarbeit „Satte Farben vor Schwarz“ der jungen Regisseurin Sophie Heldman beschäftigt sich mit einer Thematik, vor der andere Debütanten wahrscheinlich zurückschrecken würden. „Das Thema hat quasi mich gefunden“, erklärt Heldman den Zuschauern bei der Deutschlandpremiere in der ausverkauften Essener Lichtburg. Von Dirk Frank

Ihr zur Seite stehen mit Senta Berger und Bruno Ganz zwei der renommiertesten Mimen, die der deutsche Film wohl zu bieten hat. „Ich kenne dieses großartige Kino. Meine erste Arbeit als Produzentin, der Film ‚Gefundenes Fressen' mit Heinz Rühmann, wurde 1977 hier uraufgeführt“, erklärt die charmante Schauspielerin dem Publikum in Essens berühmtem Kinosaal. Bruno Ganz, Träger des Iffland-Rings, gibt sich auf der Bühne eher introvertiert. So unterschiedlich die beiden Schauspieler auch sind: Als Ehepaar am Scheideweg bieten sie ein Psychogramm größter Intensität.

Das wohl situierte Ehepaar hat kluge und verständnisvolle Kinder und Enkel (Barnaby Metschurat als Sohn Patrick), aber ihre Zukunft müssen sie alleine, ja geradezu eigensinnig gestalten. Mit vorschnellen Erklärungen und Urteilen hält sich der Film dabei weitgehend zurück. Kommentarlos, in ruhigen Bildern, die manchmal fast schon lakonisch wirken, wird erzählt. Leerstellen tun sich auf, die der Zuschauer selbstständig füllen muss. Familienverhältnisse, Seitensprünge, aber auch die spontanen Entscheidungen der Protagonisten sind so nicht direkt verständlich. Dieser dokumentarische Blick ist zugleich aber auch von einem zarten Humor geprägt. Die Helden sind ebenso sture wie starke Menschen, die an ihrer Selbstständigkeit manchmal leiden.

Die Alltagsroutine trägt nicht mehr, seit Fred die Diagnose bekommen hat, an einem bösartigen Prostatatumor erkrankt zu sein. Er könnte sich zwar operieren lassen. Doch er fürchtet die Abhängigkeit von der Medizin und entscheidet sich dagegen. Doch damit stößt er seiner Ehefrau Anita vor den Kopf. Ohne den anderen will man jedoch nicht weiterleben, so dass Anita und Fred sich für einen gewagten Schritt entscheiden. Sie setzen sie sich gemeinsam eine Spritze und harren der Dinge, die dann kommen. Auf die etwas ketzerische Frage aus dem Publikum, ob ein Freitod denn nicht „feige“ sei, kontert Senta Berger gelassen, aber entschlossen: „Was die beiden am Ende tun, ist ein sehr mutiger Schritt.“

Der Applaus in der Lichtburg unterstreicht nachhaltig, dass der Film die Diskussion um würdevolles und selbstbestimmtes Altern prägen wird.

Ab Donnerstag im Kino (Bielefeld: Kamera, Bochum: Unionkino, Essen: Glückauf).

Quelle: wa.de

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