Neil Diamond sorgt in Köln für einen Nostalgie-Trip

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Neil Diamond in Köln

Köln - Sänger Neil Diamond hat die Lanxess-Arena zum Kochen gebracht: Mit all seinen Hits und auch neuen Songs hat er die 14.000 Fans in der Halle rund zwei Stunden unterhalten.

Neil Diamond hat eingeladen zum Nostalgie-Trip. In der Kölner Lanxess-Arena lässt der 74-Jährige sein musikalisches Schaffen Revue passieren. Rund 14.000 Fans wollen dem beiwohnen und steigen ein in die Rock-´n´-Roll-Zeitmaschine.

Alleine schon die Bühne mit ihren Lichtern und Aufbauten sieht so aus, als sei sie aus einer 60er-Jahre-TV-Show ins Hier und Jetzt gebeamt worden. Die insgesamt zwölf Mit-Musiker, darunter Bläser, ein Percussionist und zwei Backgroundsängerinnen, stehen auf unterschiedlich hohen Stufen, sind immer in Bewegung und sorgen für Stimmung im Rund. In der Mitte funkelt von Leuchtröhren umrandet ein mannshoher stilisierter Diamant. Das hat was von Las Vegas.

Passend zur Spielerstadt mit ihrem Flair, ihren Casinos und ihren Shows gibt Neil Diamond zu Anfang erst einmal die Diva, lässt sich Zeit mit seinem Auftritt, während leicht penetrantes Country-Gezupfe aus den Boxen dudelt. Als sich zuerst die Band blicken lässt und dann Diamond praktisch aus dem Edelstein herausschlüpft, ist die Warterei bei den Fans in Köln vergessen.

Dass er dann einen Hit nach dem anderen raushaut, ist kein Zeichen der Wiedergutmachung – Neil Diamond kann einfach nicht anders. Nur wenige Musiker auf der Welt sind in ihrer Karriere vergleichbar erfolgreich gewesen. Über 125 Millionen Platten hat der US-Amerikaner an den Mann gebracht. Das erfreute Raunen als Zeichen der Erkenntnis bei den ersten Akkorden eines jeden Songs ist da obligatorisch.

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Neil Diamond gibt Konzert in Köln

Die Hitmaschine der 60er und 70er Jahre steigt gleich mit "I'm a Believer" ein. Schwupps, in der eigentlich komplett bestuhlten Halle sitzt niemand mehr. Mit blauen Leuchtstäben, die verteilt wurden, wird gewunken, es wird getanzt und natürlich mitgesungen. "Red, Red Wine", "Kentucky Woman" und "Shilo" gehören ebenfalls zu den Nummern, die der 74-Jährige an diesem Abend vorträgt. Die Resonanz gefällt dem Sänger, der jetzt Vollbart trägt. Er bedankt sich auf Deutsch, wirft mit Handküssen um sich und winkt.

Seine Präsenz füllt die ganze Bühne. Diamond könnte da oben alleine stehen, und alle Augen würden gebannt verfolgen, wie er umherschlendert, gestikuliert oder einfach nur ein nonchalantes Lächeln gen Tribünen wirft. Ganz viel Gefühl und Pathos begleiten ihn dabei. Manchmal trägt er ein bisschen viel auf, zum Beispiel in „Brooklyn Roads“. Eigentlich herzergreifend: Diamond berichtet davon, wie sein Vater zu seiner Geburt eine kleine Kamera kaufte, die ihn und seine Familie in der Kindheit begleitete. Während des Stücks werden Ausschnitte auf die große Leinwand geworfen. „Man hatte nicht viel, man brauchte nicht viel, ein wundervoller Ort, um aufzuwachsen“, sagt der Sänger. Dann kommt eine Instrumentalpassage, Diamond setzt sich hin und winkt seinem jungen Ich rührselig zu. Puh…

Den Vogel schießt allerdings „America“ ab. Stolz flattert die US-Flagge über die Videowand, während Diamond als Teil einer Einwandererfamilie von der Ankunft abertausender Menschen in der neuen Welt singt. Patriotisch auf die Höhe getrieben wird das Ganze von einem Weißkopfseeadler, dem Nationalsymbol, der in Zeitlupe mit mächtigen Flügelschlägen durch die Lüfte segelt. Im Madison Square Garden wären sie aufgesprungen und hätten die Nationalhymne angestimmt, aber auch in Köln sorgt der von einem ergriffenen Neil Diamond vorgetragene Song für eindrucksvollen Applaus – was vielleicht auch an den Deutschlandfähnchen liegt, die es aus Goodwill ebenfalls zu sehen gibt.

Dieses ganze Brimborium hat Diamond gar nicht nötig: Am besten ist er, wenn er pur daher kommt, mit der Gitarre um den Hals oder bloß mit dem Mikro in der Hand, so wie bei „Sweet Caroline“, das als Zugabe kommt und alleine mit seinem partytauglichen Refrain für ausgelassene Stimmung sorgt. Da ist er wieder, der Entertainer: Jubilierend wartet Neil Diamond die stehenden Ovationen ab, dann steigt noch einmal voller Inbrunst in den Refrain ein, und die ganze Halle ist aus dem Häuschen.

Quelle: wa.de

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