Rupert Holmes‘ Musical „Das Geheimnis des Edwin Drood“

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Dämonisches Treiben am Theater Münster: Szene aus „Das Geheimnis des Edwin Drood“ mit Dennis Laubenthal, Johanna Marx, Axel Herrig, Ilja Harjes, Peter Jahreis (von links). ▪

Von Anke Schwarze ▪ MÜNSTER–Zum Schluss findet die Geschichte um Edwin Drood kein Ende. Die Entlarvung des Mörders durch Stimmabgabe des Publikums stellt ein vorläufiges Finale dar. Es folgt das Happy End, als die Zuschauer durch Klatschen das endgültige Liebespaar bestimmen. Schließlich entpuppt sich der ermordete Edwin als quicklebendig und darf noch einen aufmunternden Song singen.

Es stört nicht weiter, wenn die Schlusspunkte am Theater Münster hinausgezögert werden. Dem Musical „Das Geheimnis des Edwin Drood“ wohnt ohnehin keine dramatische Struktur inne. Es basiert auf Romanfragmenten von Charles Dickens, der starb, bevor er sein Werk vollenden konnte. Im angelsächsischen Sprachraum entfachte der unvollendete „Mystery Thriller“ wilde Spekulationen. In Deutschland blieb die Geschichte unbekannt, ebenso wie das gleichnamige Musical von Rupert Holmes. 1985 wurde es in New York uraufgeführt. In Münster erlebt es jetzt sein europäisches Debüt – inszeniert von Karl Absenger.

Es ist eine Ausstattungs-Inszenierung, die mit Versatzstücken des englischen Schauerromans spielt, mit Kulissen gotischer Säulen, mit in den Bühnenhintergrund projizierten Kirchen- und Bahnhofsgewölben, mit hohen Schränken, aus denen Personen wie Geister auf- und abtreten. Ein glänzend schwarzer Fußboden spiegelt die ausdrucksvollen Einlagen des Tanztheaters Münster. Das Orchester wird aus dem Graben in den Bühnenhintergrund verlegt, ein von Pultlampen gold betupfter Hingucker. Unter der Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg agiert es geschmeidig und elegant wie ein Salonorchester, lautmalerisch und rhythmisch pointiert.

Holmes‘ Musical schert sich nicht um Bedeutungsebenen oder Handlungsrekonstruktion. Es will unterhalten, und das gelingt in Münster dank der Tänze und Songs, dank des Bühnenbilds und der Kostüme des 19. Jahrhunderts. Der Kniff des „Theaters im Theater“ federt den bruchstückhaften Plot ab. Der Prinzipal einer Theatergruppe lässt seine Leute spielen, erklärt die Handlung und überlässt die Auflösung dem Publikum. Es ist eine Paraderolle für Gerhard Mohr. Beiläufig haut er seine schnoddrigen Kommentare heraus, brummt „Schätzchen, sag den Satz nochmal, der wird wichtig für die Auflösung.“ Spitzfindig dosiert er den geringschätzigen Tonfall, wenn er seine Leute vorstellt. Und bei zungenbrecherischen Gesangnummern erweist er sich als gut bei Stimme.

Auf diesem Gebiet dominieren ansonsten die Sänger Axel Herrig und Suzanne McLeod. Sie, die Puff-Mutter, moduliert von gutturalem Knurren zu wollüstigem Sopran, kokettierend und hüftschwenkend. Er, der zwielichtige Organist John Jasper, schwankt zwischen strahlenden Höhen und schartigen Tiefen. Jasper bietet die differenzierteste Figur des Stücks, und Herrig füllt sie temperamentvoll aus. Zurechtgemacht wie ein Mix aus irrem Paganini und Grusel-Schurke parodiert er klauenhafte Gesten und das bis zum Weiß der Augäpfel verzerrte Gesicht. Aurel Bereuter, Tom Ohnerast und Ilja Harjes merkt man die Lust an ihren komischen Rollen an. Ihr exzessives Gehabe erinnert an die Zeiten von Monty Python.

Stellenweise rutscht die Clownerie in den Klamauk ab. Der Diener Horace (Lars Hübel) versucht ausdauernd, eine Tür gegen einen Windstoß zu schließen. Durdles Gehilfe markiert jeden Scherz seines Chefs mit einem Beckenstoß: Tätäää. Dazu wirkt das Quartett der möglichen Liebespaare – Roberta Valentini als Edwin Drood, Julia Lißel als Rosa Budd, Johanna Marx und Dennis Laubenthal als Helena und Neville Landless – zu papieren in seiner Darstellung, als könne es sich nicht zwischen Ernst und Karikatur entscheiden. Dafür entschädigt der Kunstgriff, das Publikum auch in der Pause einzubeziehen. Die Schauspieler mischen sich zu einer Umfrage in die Menge: Wer war der Mörder?

17., 22., 26.2.; 7., 16., 23., 27.3.; 5., 19., 21. 4.; 25., 31.5.; Tel.(0251/ 59 09 100

http://www.theater-muenster.com

Quelle: wa.de

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