Ruhrtriennale bietet Kunstinstallationen in Bochum, Duisburg, Dinslaken

+
Skulptur und Gebäude zugleich: Joep van Lieshouts „Domestikator“ steht in Bochum vor der Jahrhunderthalle.

Duisburg/Bochum - Auf einmal leuchtet eine Grubenlampe ins Dunkel. Wie eine Nachtwächterin tritt die Sopranistin, Studentin an der Folkwang Hochschule Essen, vor. Sie stimmt ein Klagelied an unter der zehn Meter hohen Kuppel, die sich gerade geschlossen und den Sonnenschein ausgesperrt hat.

Sie schafft tatsächlich einen magischen Moment auf dem Wasser, vereint die knapp 50 Zuhörer in einem sehr eigenwilligen Ritual.

Die Installation „Nomanslanding“ im einstigen Eisenbahnhafen in Duisburg-Ruhrort gehört zur Ruhrtriennale. In den letzten Jahren gab es immer mehr Kunstinstallationen. Der neue Intendant Johan Simons pflegt diese Formen weiter. An dem berückenden Weihespiel „Nomanslanding“ arbeiteten fünf Künstler. Die Arbeit sollte, so der Niederländer Andre Dekker, auf die Gewalt in der Welt reagieren, eine Art Memorial an den Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren Europa erschütterte.

Das Team, neben Dekker noch Robyn Backen, Jennifer Turpin, Graham Eatough und Nigel Helyer, hatte eine komplexe Aufgabe zu lösen: Ihr Werk sollte auf die Umgebung reagieren, aber auch an drei Orten gezeigt werden. In Sydney faszinierte es Tausende, nun feiert es Europapremiere. Im nächsten Jahr ist es in Glasgow zu erleben. Aber weil alle drei Städte am Wasser liegen, gibt es nun eine Art schwimmenden Tempel im Hafenbecken, am Rande der Stadt, umgeben von einer Industriebrache, die sich die Natur zurückerobert hat. Das Bauwerk ist teilbar, und die Besucher betreten es über zwei 35 Meter lange, schmale, schwankende Stege. Man muss vorab Schwimmwesten anlegen. Im Halbrund nimmt man Platz, und die Bauteile schließen sich langsam, während eine Klangcollage eingespielt wird. Es gibt keine Lautsprecher, der Flüsterdom aus Holz hat spezielle Resonanzkörper eingebaut, die den Schall übertragen. Wenn die Halbkugel geschlossen ist, kommt die Sängerin. Dann wechseln die Besuchergruppen ihre Seiten und verlassen über den entgegengesetzten Steg das Gebäude. Ein intensives Erlebnis, eine Art Reise durch das Totenreich, wie Dekker es formuliert.

Auch wenn Simons neue Orte im Ruhrgebiet entdecken will, bleibt die Jahrhunderthalle in Bochum doch das Zentrum der Ruhrtriennale. Hier wird am heutigen Samstag ein großes Festival mit elektronischer Musik und Dance-Acts gefeiert, „Ritournelle“. Und auf dem Vorplatz errichtete das Atelier van Lieshout das Kunstdorf „The Good, the Bad and the Ugly“, das drei Jahre lang bestehen bleiben soll, wobei Jahr für Jahr neue Arbeiten hinzukommen.

Der Rotterdamer Künstler Joep van Lieshout errichtet aus Kunststoff Bauten, die menschliche oder organische Formen in Architektur übersetzen. Für Bochum schuf er zum Beispiel den „Domestikator“, eine Art Wohn- oder Bürocontainer, dessen Quader die abstrahierte Form eines kopulierenden Paares bilden. Früher waren die Anspielungen direkter wie bei der ebenfalls in Bochum aufgestellten „BarRectum“ (2005), einem Kiosk in der Form eines vergrößerten Darms mit einem naturalistischen Anus als Fenster. Bei van Lieshout weiß man nicht recht, wie ernst er all diese provokativen Bauten meint. In der zentralen Scheune „Refektorium“ hängen nachgebildete menschliche Körper von der Decke wie Schinken in einer spanischen Bar. In den Vorraum der Jahrhunderthalle stellt van Lieshout einen Sitzkreis aus Toiletten. Da liegen monumentale Köpfe herum, es gibt ein „Laboratorium für Waffen und Bomben“, zwei „Geschütze“ erinnern an den Ersten und den Zweiten Weltkrieg, und ein kubischer Bauer stemmt eine Kuh mit einer Hand. Die meisten Objekte sind begehbar, werden mit Veranstaltungen bespielt.

Außerdem gibt es in den Innenstädten von Bochum, Dinslaken und Duisburg noch die Aktion „Ausstellungsstück“. In leerstehenden Ladenlokalen zeigen 13 junge Künstler Installationen, die sich oft mit der Situation verödender Innenstädte befassen.

Nomanslanding Duisburg 15.8.–13.9., tägl. 14 – 23 Uhr;

Atelier van Lieshout, Bochum, bis 2017; Ausstellungsstücke, bis 26.9., beleuchtet 7 – 1 Uhr, für alle Arbeiten ist der Eintritt frei

www.ruhrtriennale.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare