Axl Rose tritt mit der US-Band Guns N‘ Roses in Mönchengladbach auf

+
Rock-Gesten für die Massen: Axl Rose von der US-Band Guns N‘Roses auf Open-Air-Tour.

Von Tim Griese ▪ MÖNCHENGLADBACH–Wo Guns N‘ Roses draufsteht, ist noch lange nicht Guns N‘ Roses drin – vor allem seit Mitte der 90er Jahre. Nach Querelen in der Band stand Frontmann Axl Rose plötzlich nahezu alleine da und hat einige Jahre gebraucht, um eine neue Formation zu finden. Geblieben sind seine Starallüren. Das bekommen beim Konzert im Mönchengladbacher Hockeypark auch die Fans zu spüren.

Für 20 Uhr hat der Veranstalter den Auftritt der Band eingeplant. Dass Guns N‘ Roses erst rund zwei Stunden später auf die Bühne kommen, ist dem 50-jährigen Sänger geschuldet. Erst um Viertel nach neun erreicht er das Open-Air-Gelände. Nicht verwunderlich also, dass die einzige Live-Musik in dieser Zeit das aufkeimende Pfeifkonzert der wartenden Menge ist. Zu Hochzeiten, als Guns N‘ Roses die erfolgreichste Rockband der Welt waren, konnte sich das die rothaarige Diva erlauben. In Zeiten, in denen die Band nur noch vom Legendenstatus lebt, funktioniert das offensichtlich nicht mehr.

Aber der eingefleischte Fan vergibt schnell: Zwischen emporschießender Pyrotechnik dauert es nicht lange bis „Welcome to the Jungle“ ertönt, und das Hockey-Spielfeld steht Kopf. „Habt ihr wirklich gedacht, ich würde hier sein?“, fragt Axl Rose nach einer Weile, meint aber wohl mehr die lange Bühnenabstinenz in Deutschland. Sechs Jahre ist es her seit dem letzten Konzert der Kalifornier.

Viele neue Platten sind in dieser Zeit nicht erschienen, einzig das gefühlt seit ewigen Zeiten angekündigte „Chinese Democracy“ hat es in die Verkaufsregale geschafft – und verstaubt dort seitdem. Rose will das ändern und streut immer wieder Nummern der 2008er Platte ein. Live fügen die sich überraschend gut ins Set.

Die Leute aber sind wegen der Klassiker da. Und sie werden nicht enttäuscht. Axl Rose startet schon früh mit Material vom Debütalbum „Appetite for Destruction“, zum Ende gibt es die geballte Ladung „Use Your Illusion I & II“, die Doppelveröffentlichung mit der Guns N‘ Roses 1991 zu Weltruhm gelangte. Gerade da kommt Gänsehautstimmung auf. Bei „November Rain“ beginnt es tatsächlich zu regnen. Beim anschließenden Wolkenbruch inklusive massenhafter Tribünenflucht serviert Rose „Don’t Cry“, gefolgt von „Civil War“ und Bob Dylans „Knockin‘ on Heaven’s Door“. Die Menge hüpft in Regenponchos.

Ganz klar, das ist die perfekt inszenierte Axl-Rose-Show. Alles ist auf ihn abgestimmt. Damit das aber nicht überhandnimmt, bekommt fast jedes der sieben Bandmitglieder seinen speziellen Auftritt. Ein Gitarrensolo hier, ein eigener Song da. So nett wie das gemeint ist, so sehr stört es den Fluss. Einzig Dizzy Reeds Pianoversion von The Whos „Baba O’Riley“ ist ein Gewinn. Hinzu kommt, dass Rose immer wieder von der Bühne verschwindet, vornehmlich dann, wenn mal wieder ein Solopart im Song angesteuert wird oder es ein umfangreiches Intro gibt. Rund zweieinhalb Stunden dauert das Konzert. Gefühlt die Hälfte der Zeit steckt der Sänger hinter der Bühne. Das ist nicht gerade Fan-freundlich.

So bleibt am Ende ein zwiespältiges Gefühl. Musikalisch gibt es nichts auszusetzen. Im Verlauf gewinnt Axl Rose seine stimmlichen Qualitäten zurück. Bei geschlossenen Augen sind das dann tatsächlich Guns N‘ Roses auf der Bühne. Öffnet man sie, ist da Axl Rose und ein Haufen junger angestellter Musiker. Aber immerhin Axl Rose.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare