Jagger & Co. machen Tourstopp in NRW

Die Rolling Stones rocken Düsseldorf

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Die Rolling Stones rockten Düsseldorf.

DÜSSELDORF - Mehr als fünfzig Jahre ist es her, da gelang es den Rolling Stones, mit ihrer Musik und ihrem Habitus, gleichsam Erwachsene zu schockieren und die Jugend zu begeistern. Fünf Dekaden später sorgt das Quartett aus London immer noch für staunende Zuhörer, was natürlich einerseits auf der musikalischen Bedeutsamkeit der Songs fußt, andererseits auf der Fitness und Dauerhaftigkeit der Band mit einem Altersschnitt von mittlerweile 70 Jahren beruht. Auch beim Konzert in der Düsseldorfer Esprit-Arena geben sich die Stones keine Blöße.

Von Tim Griese

Natürlich hat sich einiges verändert: Mit seinem hüftkreisenden Tanzstil schockiert Mick Jagger heute niemanden mehr. Und auch die Teenager in den ersten Reihen vor der Bühne fallen nicht mehr reihenweise um, wenn sie ihren Idolen ganz nahe kommen. Da jubeln jetzt gestandene Männer - zugegeben, einige sind kleidungstechnisch in den 60ern stecken geblieben - mit ihren Frauen oder Frauen, die ihre Männer zuhause gelassen haben. Textsicher, das sind sie aber alle, und auch Durchhaltevermögen haben sie mitgebracht.

Das wird auch benötigt: Mehr als zwei Stunden rocken die Rolling Stones vor 45.000 Zuhörern auf der Bühne, die in dieser Größenordnung ihres gleichen sucht. Und auch die Leinwand, die mit der Präsentation von alten Schwarz-Weiß-Bildern der Band bis hin zu kunterbunten Comicstrips ausgiebig zum Einsatz kommt, ist gigantisch. Fulminant startet der Auftritt: Mit "Jumpin' Jack Flash", "Let's Spend the Night Together" und "It's Only Rock 'n' Roll (But I Like It)" folgen drei Stimmungsgaranten aufeinander. Mick Jagger tänzelt in seiner mit Engelsflügeln bedruckten Jacke fast schwebend über die Bühne, wackelt mit dem Hintern und jagt seinen dürren Körper von der einen zur anderen Seite, damit auch jeder im Stadion etwas von ihm hat. Mal hat er die Gitarre umgeschnallt, mal steht er am Keyboard da oder spielt die Mundharmonika, die meiste Zeit aber eilt er mit dem Mikro in der Hand umher.

Gut drauf ist die Band. Ronnie Wood feiert bereits nach kurzer Zeit sich und seine Kollegen ausgiebig. Seine und Keith Richards Plektren werden im sportlichen Takt in die Menge geschnippt. Die vier Musiker lachen, haben Spaß und sehen blendend aus. Richards, zerzaust wie immer, versucht vergeblich seine ergraute Haarpracht mit einem Wollstirnband in Jamaika-Farben zu bändigen. Ebenso bunt ist sein Outfit mit grünen Turnschuhen und Trainingsjacke. Ronnie Wood setzt auf glänzend rote Treter und ein T-Shirt, von dem Mick Jagger wissen will, ob es das auch für Herren gibt.

Klamottentechnisch sind sie also - bis auf den bekannt zurückhaltenden Drummer Charlie Watts - weitgehend Twens geblieben. Dass sie doch nicht mehr ganz die Jungspunde von einst sind, offenbart Keith Richards, als er das erste von zwei Stücken am Mikro anführen soll und nicht gleich auf den Titel des Songs kommt. Aber, geschenkt. Gemeinsam mit Ronnie Wood gibt's an Akustikgitarren das vom Country beseelte "You Got the Silver". Später, Mick Jagger weilt für ein kleines Päuschen noch immer hinter der Bühne, singt Richards mit der Band im Rücken das ungleich beschwingtere "Can't Be Seen".

Während sich Richards auf seine englische Muttersprache verlässt, spricht Mick Jagger Deutsch. "Toll, wieder in Deutschland zu sein", gibt er zu Beginn zu Protokoll. "Sind hier Kölner? Habt Ihr ein Kölsch dabei? Ich habe mein Alt-Bier", geht der 70-jährige auf die rheinische Nachbarschaftsfehde ein, ehe er auch die Fußball-Weltmeisterschaft kommentiert: "Super Sieg gegen Portugal. Wird Deutschland Weltmeister?" Mit deutschem Volksliedgut kennt sich Jagger übrigens auch aus. "Warum ist es am Rhein so schön?" fragt er ins Rund.

Neben viel Klassiker-Material schaffen es auch - auf Kosten von Hits wie "Angie", "Paint It, Black" oder "Ruby Tuesday" - aktuelle Nummern aus dem umfangreichen Song-Fundus ins Set. Neben "Dom and Doom", der Lead-Single der aktuellen Compilation-Platte "Grrr!", muss "Out of Control" vom 1997er Album "Bridges to Babylon" erwähnt werden - der heimliche Höhepunkt des Konzerts mit seiner sich langsam an Dramatik steigernden Songstruktur und einem Ohrwurm-Refrain, der zum Tanzen zwingt.

Im Mittelteil nimmt die Band das Tempo raus. "Midnight Rambler" mit Gast-Gitarrist und ehemaligem Mitmusiker Mick Taylor verwandeln die Stones in eine ausufernde Live-Version mit reichlich Saitenspielerei. Und auch das sich anschließende "Miss You" hätte in dem vorgestellten Umfang im Radio keine Chance.

Allerdings, wer denkt, da wäre jetzt die Luft raus, irrt gewaltig: Zum Abschluss des regulären Sets reihen die Rolling Stones - wohl dem, der auf diese Nummern zurückgreifen kann - "Gimme Shelter", "Start Me Up", "Sympathy for the Devil" mit Mick Jagger im königlichen Plüschumhang sowie "Brown Sugar" aneinander. Als Zugabe gibt's "You Can't Always Get What You Want" und "(I Can't Get No) Satisfaction" oben drauf. Mick Taylor ist noch einmal dabei. Feuerfontänen schießen in die Luft, es fliegen wieder Plektren, und es wird wieder herzhaft gelacht. Eine große Show.

Quelle: wa.de

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