„Rocky Horror Show“ im Konzerthaus Dortmund

+
Imponiergehabe: Rob Morton Fowler als Frank’n‘Furter in der Tournee-Produktion der „Rocky Horror Show“. ▪

Von Björn Althoff ▪ DORTMUND–Reis, Toast und Super Soakers dürfen die Zuschauer nicht mit in den Saal nehmen, Ratschen, Konfetti, Spielkarten und kleine Wasserpistolen schon. Die „Rocky Horror Show“ ist für ein paar Tage zu Gast im Dortmunder Konzerthaus – das knallbunte Transvestiten-Mitmach-Musical aus den 70ern ist zurück. Die Musik ist rockiger als damals, die Bühne blinkt, funkelt und glitzert, die Kostüme sind sexlastig wie immer – aber: So richtig mitreißend ist die Show nicht.

Klar: Für echte Fans ist es wurscht, was auf der Bühne passiert. Wird der Name „Dr. Scott“ erwähnt, johlen sie „Hu!“. Bei der Hochzeitsszene fliegt Reis (hier also: Konfetti). Sie tanzen den „Time Warp“ mit, tragen Zeitungen oder Partyhüte auf dem Kopf und schwenken Leuchtstäbe.

Dass bei den schnelleren Stücken die Musik breiig wird? Dass die Texte manchmal schlecht zu verstehen sind? Dass Erzähler Martin Timmy Haberger durch den Text hechten muss, um nicht langsamer zu sein als die Musik?

Das sind Minuspunkte. Erstaunlich, dass ausgerechnet der Sound schwächelt in diesem Dortmunder Konzerthaus, das auf die Akustik angelegt ist.

Wobei: In den ruhigeren Songs können sich die prachtvollen Stimmen der Darsteller vollends entfalten. Am Spiel der Musiker ist auch nichts auszusetzen – ganz im Gegenteil.

Beziehungsweise: Willkommen im geheimnisvollen Schloss, in dem die Verlobten Brad und Janet nach einer Panne Hilfe sucht. Ausgerechnet dort, wo der Transvestit Frank N. Furter herrscht, wo er eine Sex-Boy-Kreatur namens Rocky Horror erschafft, wo die sittsamen Brad und Janet bald Teil der Orgien und Affären werden. Rob Fowler spielt diesen Frank N. Furter, als gebe es kein Morgen – nur das Hier und Jetzt, nur das Begehren und den Sex. Mit blonder Perücke und High Heels stakst er über die Bühne. Er haucht, befiehlt und leidet, gibt mal die Diva, mal den Alleinherrscher.

Es entsteht rockiger Bombast-Pomp, wie er nur echt aus den 70ern stammen kann. Das Musical wirkt immer noch, als hätten David Bowie und Elton John eine drogenlastige Nacht im „Studio 54“ verbracht. Dazu passend sehen die männlichen Figuren aus wie Karikaturen damaliger Rockstars.

Einzig Brads Stimme ist manchmal zu dünn, um sich gegen Frauenchor und Instrumente zu behaupten. Aber: Stört das? Die Zuschauer bekommen nicht nur Licht-Effekte vom Feinsten zu sehen, sondern auch wunderbare neue Szenen. Wie erst Janet, dann Brad ihre Unschuld verlieren – schemenhaft hinter beleuchteten Vorhängen, voller wunderbar-anzüglichem Humor, nicht wirklich geeignet für die Kinder im Publikum. Oder wie später Frank N. Furter vor der New-York-Skyline aufsteht, über die Trümmer zweier umgefallener Türme nach vorne tanzt und in einem tuntigen Traum aus Rosa, Hellblau und Schwanenfedern singt.

So ist die „Rocky Horror Show“ auch immer mehr als nur seichter Musical-Spaß. Dahinter steckt auch die Botschaft: Seht her, so sind wir, und das ist gut so.

Die Shows

Bis 8.1. Konzerthaus Dortmund, ausverkauft, nur noch ganz vereinzelte Restkarten

10.-15.1. König-Pilsener-Arena Oberhausen, mit Sky Du Mont als „Erzähler“

17.1.-22.1. Musical Dome, Köln, mit Martin Timmy Haberger als „Erzähler“

http://www.rocky-horror-show.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare