Rocksongs mit fröhlichem Breitensound

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Bombastsound: Coldplay-Gitarrist Jonny Buckland (links) und Sänger Chris Martin im Kölner E-Werk. ▪

Wenn Coldplay heute mit ihrem neuen Longplayer „Mylo Xyloto“ auf Platz eins der deutschen Charts gehen, setzt die Band um Frontmann Chris Martin einen weiteren Meilenstein in ihrer 15-jährigen Geschichte. Von Frank Osiewacz

In Deutschland landeten schon die Vorgänger „A Rush of Blood to the Head“ (2002), „X&Y“ (2005) und „Viva La Vida“ (2008) auf eins. Lediglich das Debüt „Parachutes“ (2000) kletterte hier nur bis auf Platz 54.

„Mylo Xyloto“ kommt mit noch mehr Bombast daher als alle bisherigen Alben und trägt in diesem Punkt wohl deutlich die Handschrift von Brian Eno (arbeitete unter anderem mit David Bowie, Talking Heads, U2, Paul Simon), der wieder an dieser Mammut-Produktion mitwirkte. Im Kern stehen zwar schöne Rocksongs – und diesmal sogar von vergleichbar positiver Ausstrahlung. Eine neue Kontur verpassen sie der Band aber nicht. In ihrer leichtfüßigen Poppigkeit wirken sie eher beliebig.

Einer der weltweit erfolgreichsten Bands der letzten Jahrzehnte (über 50 Millionen verkaufte Alben und unter anderem sieben Grammys) deshalb aber Kommerzialität vorzuwerfen, wie es von alten Fans immer wieder beklagt wird, trifft wohl kaum das Phänomen Coldplay und die wachsende Begeisterung, die die Band um Chris Martin, Jonny Buckland, Will Champion und Guy Berryman mit jedem Album entfachte.

Es klingt eher so, als wüsste die Gruppe nicht recht, welchen Weg sie nun einschlagen sollte: Bruch mit dem Alten? Mehr experimentieren? Sich doch auf Altes verlassen? „Mylo Xyloto“ hat von allem etwas, aber nichts richtig.

So ist Coldplay 2011 schlicht ausgefeilte Pop- und Rock-Musik, immer noch getragen von einer der markantesten Stimmen der Gegenwart, zu der längst nicht mehr das Etikett „Alternative“ passt. R.E.M. machten einst eine ähnliche Entwicklung durch.

Die Singles „Every Teardrop Is a Waterfall“ und aktuell „Paradise“ deuteten es schon an: Das Album ist keinesfalls in Rock gegossene Melancholie, die wie früher Anlehnungs- und auch Reibungspunkte bieten könnte. Darin hatten die Vorgänger ein spürbares Plus großer Momente. „Mylo Xyloto“ entwickelt eine Art Breitensound, der dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – eine Art oberflächliche Freude versprüht, die in dieser Form noch auf keinem Coldplay-Album anzutreffen war.

Unterwegs zusammengehalten durch drei kleine, weniger als einminütige Intermezzi („Mylo Xyloto“, „M.M.I.X.“ und „A Hopeful Transmission“) münden die elf „echten“ Songs in einen ununterbrochenen Strom voller überbordender Melodien.

Opulente, bisweilen vollkommen überfrachtete Rock-Kompositionen („Hurts Like Heaven“, „Charlie Brown“, „Major Minus“) stehen neben ruhigen Songs mit balladesken Momenten („Us Against the World“, „U.F.O“, „Up With the Birds“), bei denen die sonst eher zurückgenommene Stimme Martins deutlicher in den Vordergrund tritt. Aber auch diese Momente waren früher authentischer.

Der 34-Jährige bezeichnete das Album einmal als eine Art Bühnenstück. Und Rihanna sei die weibliche Hauptdarstellerin. Wenn es eine schwächste Szene in diesem Bühnenstück gibt, dann ist es zweifellos ihr Gastauftritt in „Princess of China“. Die Kooperation mit der Sängerin, die auch schon mit Eminem ein Duett bildete, setzt weder einen besonderen Akzent, noch wirkt sie in dem Gesamtkonstrukt von „Mylo Xyloto“ schlüssig.

Quelle: wa.de

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