ZZ Top rocken in Halle

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Synchron und cool: ZZ Top spielen in Halle.

HALLE - Weniger Bühnenaufbau geht nicht. Rechts und links jeweils ein mittelgroßer, cremefarbener Verstärkerturm der Marke „Bigtone“, in der Mitte das Schlagzeug im metallischen Totenkopflook, zwei Kühlaggregate, die von hinten Frischluft auf die Bühne pusten, am Bühnenrand zwei Auspuff–endstücke als Mikrofonständer, zwei kleine Leinwände, das war’s.

Die Gerry-Weber-Arena in Halle ist mit rund 8000 Fans gut gefüllt am Sonntagabend. Es hat soeben geregnet, das Hallendach ist geschlossen, es ist warm, und die Luft ist feucht – ideale Bedingungen für ein ZZ Top-Konzert.

Was ist von dieser Band noch zu erwarten nach fast 50 Jahren Jahren im Musikgeschäft? Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard haben dem Bluesrock Welthits wie „La Grange“ und „Tush“ geschenkt, haben 1980 – in den USA bereits ein Topact – als in Europa weitgehend unbekannte Band eines der besten Livekonzerte in der Geschichte der WDR-Rocknächte gespielt, haben ihre Musik in den 1990er Jahren bis zur Unkenntlichkeit kommerzialisiert, sind in albernen Hollywood-Blockbuster-Produktionen aufgetreten, haben weltweit gewaltige Stadien gefüllt, Millionen gescheffelt, ihre alten Fans vergrault und sich dann neu erfunden. Rauer und härter als zuvor. Heute sind sie Kult, sind mit ihren Bärten und der zur Schau gestellten Vorliebe für Autos und schöne Frauen für viele der Inbegriff männlicher Coolness, sind permanent unterwegs und gelten als eine besten Livebands überhaupt.

Es ist kurz nach 20 Uhr, als Billy Gibbons mit seinem pummeligen Bassisten auf die Bühne tänzelt. In Schwarz natürlich, mit Hut und Sonnenbrille. Um seinen Hals herum baumeln ein schwarzer Lederbeutel, ein paar Stiefelsporen und ein kleines Metallauto. Kein licht- oder gar pyrotechnischer Schnickschnack lenkt von den beiden Männern ab, die kurz winken, sich verbeugen und dann gemeinsam mit ihrem bartlosen Drummer losbrettern. „Under pressure“, „Waiting for the bus“, „Jesus just left Chicago“, „Gimme all your loving“ knarzt es urgewaltig aus den Boxen. Die Akustik in der Arena ist ebenso hervorragend wie die Sichtverhältnisse. Der Sound der Band ist brachial, brüchig, kaputt, wie ein altes Auto eben. Dazu Gibbons tiefer, kehlig-heiserer Gesang und obendrauf natürlich diese unvergleichliche Gitarre. Kein Ton kommt auf den Punkt, alles wird extrem lässig gezogen und geschoben. Auch gitarrentechnisch dominiert der Minimalismus: Würde Gibbons weniger spielen, würde er gar nichts mehr spielen. Der bald 66-jährige Texaner ist bis heute stilprägend für Heerscharen von Blues- und Rockgitarristen überall auf der Welt.

Das Publikum geht von ersten Akkord an begeistert mit. Jeder noch so kleine synchrone „Tanzschritt“ der beiden Frontmänner wird bejubelt. Wie bei jedem guten Livekonzert pendelt die Begeisterung irgendwann zurück auf die Bühne und steckt die Musiker an. Nach einer Dreiviertelstunde sind die drei Herren richtig in Fahrt. Billy Gibbons albert herum, scherzt mit dem Publikum und vollführt ein paar Kabinettstückchen mit seiner Gitarre. Jimi Hendrix wird zitiert („Foxy Lady“), es folgen ein paar Songs ihres aktuellen Albums „La Futura“, und zum Schluss kommen auch noch die unvermeidlichen weißen Plüschgitarren zum Einsatz.

Nach 75 Minuten ist der Spaß zunächst vorbei. ZZ Top-Konzerte sind selten länger. Die eingangs erwähnten Welthits folgen als Zugaben, und die Fans sind völlig aus dem Häuschen. Hinter ihnen liegt ein bemerkenswert deftiges Konzert der „Little ol’ Band from Texas“. Die Setliste, die den Journalisten vor dem Auftritt ausgehändigt wurde, endet nach „Tush“. Dass die streng ökonomisch ausgerichteten Musiker spontan noch den „Jailhouse Rock“ dranhängen, lässt vermuten, dass es auch ihnen richtig gut gefallen hat.

Quelle: wa.de

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